Roms größter Gegner stammte aus Nordafrika. Lange Zeit war die Stadt Karthago, im heutigen Tunesien gelegen, Konkurrentin der aufstrebenden Metropole am Tiber. In den drei Punischen Kriegen – so bezeichnet, weil die Römer die Karthager wegen ihrer phönizischen Herkunft „Punier“ nannten – setzte sich Rom als Vormacht im westlichen Mittelmeerraum durch.
Karthago selbst wurde 146 v. Chr., am Ende des dritten Punischen Krieges, von den Römern komplett zerstört. Wie die Überlieferung wissen will, vergoss der verantwortliche römische Feldherr Scipio Aemilianus, später in Anerkennung seiner Leistungen von den stolzen Mitbürgern Africanus genannt, einige von den Begleitern geflissentlich notierte Tränen – weil er sich, wie es hieß, bewusst wurde, dass auch Rom nicht ewig Bestand haben würde.
Aus dem Land des Feindes wird die Kornkammer Roms
Mit dem Ende des punischen Karthago begann die lange Phase der römischen Herrschaft über das nördliche Afrika. Sukzessive dehnten die Römer in der Folgezeit ihren Machtbereich auch auf das mittlere und das östliche Nordafrika aus. Organisatorisch entstanden zwischen der Straße von Gibraltar und der Mündung des Nils sechs Provinzen: Mauretania Tingitana (benannt nach der Hafenstadt Tingis, heute Tanger), Mauretania Caesariensis (benannt nach der Hauptstadt Caesarea, dem heutigen Cherchell in Algerien), Numidia (im heutigen Tunesien; als Namensgeber standen die einheimischen Numider Pate), Africa proconsularis (im heutigen Libyen; so tituliert, weil ein senatorischer Prokonsul die Herrschaft über die Provinz ausübte), Cyrene (benannt nach der alten griechischen Stadt Kyrene im östlichen Libyen) und Aegyptus (die Provinz war nach der Eroberung des Nillandes im Jahr 30 v. Chr. eingerichtet worden).
Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (gest. 79 n. Chr.), einer der besten Kenner der Geographie der Mittelmeerwelt, notierte im 1. Jahrhundert n. Chr. mit Blick auf die Provinz Numidien: „Außer dem Vorkommen des numidischen Marmors und der wilden Tiere bringt das Land nichts Besonderes hervor.“
Das war natürlich eine polemische Untertreibung. Nordafrika gehörte ganz im Gegenteil zu den wirtschaftlich attraktivsten Gebieten des römischen Imperiums. Hier befanden sich die wichtigsten Kornkammern des Reiches, und auch andere landwirtschaftliche Produkte wie Wein oder die in den Küstengebieten üppig gedeihenden Oliven sorgten für Reichtum und Wohlstand.
Dazu kam eine ganze Reihe bedeutender Hafenstädte, die als begehrte Handelsplätze dienten. Simitthus im heutigen Tunesien versorgte die Eliten in der Hauptstadt des Imperiums in den Varianten Gelb, Rosa und Rot mit wertvollem Marmor. Mit Volubilis verfügte die Mauretania Tingitana über eine der schönsten Städte im gesamten Imperium. Die prächtigen Mosaiken in den Wohnhäusern der Reichen und Erfolgreichen zeugen bis heute von dem urbanen Standard, den die Römer in Nordafrika entwickelten.





