Am 29. Januar 1852 empfing Louis-Napoléon Bonaparte die erfolgreiche Schriftstellerin George Sand. Der bisherige Präsident hatte gerade die Zweite Französische Republik durch einen Staatsstreich beendet und sich selbst als Kaiser Napoleon III. (bis 1870) installiert. George Sand war eine Gegnerin seiner Herrschaft. Es war dennoch Sand gewesen, die um das Treffen gebeten hatte. Zwar lösten sich all ihre politischen Träume mit dem Untergang der Republik endgültig in Luft auf, aber es gab für sie einen wichtigen Grund, sich nicht zurückzuziehen: Viele ihrer Freunde und Mitstreiter waren verhaftet worden. In vielen Fällen stand ihnen Deportation oder Hinrichtung bevor. Sand hatte eine einzige Bitte an den Sieger: Generalamnestie.
George Sand, Tochter eines Offiziers und einer Modistin, hatte politische Gewalt immer gefürchtet. Mitte der 1830er Jahre versuchte ihr damaliger Liebhaber Michel de Bourges (1797–1853), ihren schriftstellerischen Ruhm für die Propagierung seiner radikalen Ideen zu nutzen. Doch sie löste sich von ihm, als er erklärte, um Frankreich zu retten, müsse sich die Seine blutrot färben, der Palast in Schutt und Asche gelegt und ganz Paris zu Ackerland gemacht werden.





