Nachdem 1665 die Pest in London innerhalb weniger Monate mehr als 70000 Menschenleben gefordert hatte, erwartete die Einwohner nur ein Jahr später eine weitere Katastrophe. In der Nacht auf den 2. September 1666 brach in einer Bäckerei in der Pudding Lane ein Feuer aus, das rasch auf die benachbarten Häuser übergriff. Vermutlich wäre der Brand schnell zu beherrschen gewesen, hätte nicht der Wind gedreht und die Flammen auf die dichtbebaute Thames Street zugetrieben. Die dort gelagerten Vorräte an Öl, Teer, Pech und Branntwein machten aus dem Feuer ein Inferno. „Und niemand, soweit ich sah, versuchte es zu löschen, sondern alle wollten ihre Sachen retten und ließen das Feuer weiterfressen“, schrieb Samuel Pepys in seinem berühmten „Geheimen Tagebuch“. Das Feuer wütete fast ungehindert bis nach Cheapside und zerstörte die St. Paul’s Cathedral. „Die Steine von St. Paul’s flogen wie Granaten, das geschmolzene Blei strömte die Straßen entlang, und das Pflaster war so glühend rot, daß weder Pferd noch Mensch es betreten konnten.“
Am fünften Tag schließlich brannte das Feuer aus. Fast drei Viertel der Stadt, nämlich 13200 Häuser in 4000 Straßen, waren zerstört, darunter 87 Kirchen. Die ehrgeizigen Pläne des Architekten Christopher Wren zum Wiederaufbau Londons scheiterten an den leeren Kassen des Königs. Einzig der St. Paul’s Cathedral konnte Wren das Aussehen verleihen, das man heute kennt.





