Bücher Frühe sexuelle Revolution Noch heute werden in einigen islamischen Ländern Ehebrecher ausgepeitscht oder gar gesteinigt, während es in Europa inzwischen sogar Internetseiten gibt, die einen „Seitensprung“ vermitteln. Wer ertappt wird, muss eventuell eine Scheidungsklage fürchten, aber keine strafrechtlichen Konsequenzen. Dass man bei uns inzwischen toleranter in diesen Dingen ist, wird zumeist auf die sexuelle Revolution der 1960er Jahre zurückgeführt. Doch diese kurzfristige Perspektive täuscht, wie das neue Buch des Historikers Faramerz Dabhoiwala belegt. Es handelt von der „ersten“ sexuellen Revolution und zeigt am englischen Beispiel, wie neue Denkweisen, aber auch ein veränderter Lebensstil im 17. und vor allem im 18. Jahrhundert zu einer bis dahin nicht gekannten sexuellen Freiheit führten. Inwieweit Großbritannien hier einen Sonderweg eingeschlagen hat, wird vom Autor leider nicht diskutiert. Noch zu Beginn der Neuzeit hatten eine strenge Moralkontrolle und sexuelle Disziplinierung, an der neben kirchlichen auch staatliche Institutionen beteiligt waren, geherrscht. Der Verfasser vertritt die These, dass die sexuelle Revolution mit dem allmählichen Niedergang der öffentlichen Disziplinierung einsetzte, den der „Adultery Act“ (das EhebruchGesetz) von 1651 vergeblich aufzuhalten versuchte. Zur veränderten Praxis trug vor allem bei, dass der Konsens in der Bevölkerung, der eine solche Kontrolle über Jahrhunderte ermöglicht hatte, nicht länger vorhanden war. Ein erstes Anzeichen dieses Wandlungsprozesses sieht Dabhoiwala in dem Auftreten von bürgerlichen Sittenwächtern, den sogenannten Tugendgesellschaften. Nicht mehr einfache Bürger brachten Verstöße gegen die Sexualmoral zur Anzeige, sondern selbsternannte Moralapostel. William Hogarths berühmter Kupferstich, der das Schicksal einer
Dirne illustriert, hat einen der bekanntesten Tugendwächter Englands, Sir John Gonson, für die Nachwelt im Bild festgehalten. Ein weiteres Indiz sieht der Autor in einem Trend der zeitgenössischen englischen Literatur, in der das Stereotyp der verführten Dirne vielfach variiert wurde. Bis zum 18. Jahrhundert galt die Frau als wollüstig, der Mann musste sich
Faramerz Dabhoiwala, Lust und Freiheit. Die Geschichte der ersten sexuellen Revolution. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2014, 536 Seiten, € 29,95.
Der Zweite Weltkrieg in Zahlen In der letzten Zeit ist ein Trend zu beobachten, gesellschaftliche Daten und Statistiken in ansprechenden Graphiken verbildlicht in Büchern zu publizieren. Bekannte Beispiele hierzulande sind das mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Buch von Ralf Grauel und Jan Schwochow „Deutschland verstehen“ (Berlin 2012), das Infographiken zu Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur bringt. Ein weiteres Beispiel ist jüngst „Da war doch was …: In 100 Grafiken durch die Weltgeschichte“ von James Ball und Valentina D’Efilippo (Hamburg 2013). Grundsätzlich ist dieser Trend zu begrüßen und ein echter Mehrwert gegenüber der trockenen Beschreibung entsprechender Sachverhalte. Das Buch von Peter Doyle geht scheinbar auch in diese Richtung. „Der Zweite Weltkrieg in Zahlen“ aus dem Bucher Verlag, eine Übersetzung der 2013 veröffentlichten englischen Originalausgabe, vermittelt auf 223 Seiten in überaus professionellem Erscheinungsbild Statistiken als Infographiken





