„Wissen ist Macht“, so lautet ein vielzitierter Satz, der auch schon für frühere Zeiten Gültigkeit hat. Die Konzeption des Wissens, die Felder der Erkenntnis und die Wege der Erforschung aber fanden ihre grundlegende Neuprägung in der Renaissance. Es setzte ein Schub zur Verwissenschaftlichung ein, der keineswegs auf die Naturwissenschaften beschränkt blieb; Wissen wurde entscheidend für die Gestaltung der Gesellschaft. Eine Kulturgeschichte des frühmodernen Wissens möchte der Band „Macht des Wissens“ bieten, dessen Herausgabe der jüngst verstorbene Saarbrücker Historiker Richard van Dülmen nicht mehr hat beenden können und den nun seine Mit-ar?beiterin Sina Rauschenbach publiziert. Damit steht das Buch in der Reihe neuerer Forschungen, die sich dem Thema der Wissenschaftsgeschichte verschrieben haben. In einem großen Überblick, der die Zeit von 1450 bis 1820 umfaßt, werden Entwicklungen von Wissensbeständen und Ordnungssystemen ebenso beschrieben wie wichtige Stationen der Wissensaneignung und -kommunikation. Das Themenspektrum der insgesamt 28 Beiträge ist dementsprechend vielfältig und reicht von der Kleriker- und Laienkultur, der Kopernikanischen Wende und der Alchemie des 16. Jahrhunderts über die Eroberung des Himmels, den Aufstieg der praktischen Wissenschaften oder das Bibliothekswesen des 17. Jahrhunderts, die Enzyklopädistik, die Wissenschaftspopularisierung und den Kampf gegen den Aberglauben des 18. Jahrhunderts bis schließlich zur „Geburt“ der Biologie, zum Aufstieg des Ärztestandes und zum Porträt dreier Wissenschaftszentren im 19. Jahrhundert. Der schön bebilderte Band hält substantielle Information bereit, lädt zu interdisziplinärem Vergleich ein und vermag in seiner Themenvielfalt durchaus zu fesseln.
Rezension: Talkenberger, Heike





