Anlässlich der Ausstellung „Mäzene, Sammler, Chronisten. Die Grafen von Zimmern und die Kultur des schwäbischen Adels“ in Meßkirch und Rottweil hat der Belser Verlag einen Begleitband mit 17 Aufsätzen renommierter Historiker herausgegeben. Nächst der erfreulich guten Bebilderung der Beiträge ist auch der angefügte Katalog mit Abbildungen aller Ausstellungsstücke samt Erläuterungen optisch sehr ansprechend. Eingeleitet wird der Sammelband mit einem Überblick über die 500-jährige Geschichte der Herren und Grafen von Zimmern vom späten 11. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Anschließend widmen sich diverse Beiträge einer Vielzahl von Einzelthemen der Historie des Herrschergeschlechts: Den Beziehungen der Zimmern zu ihren adligen Nachbarn, den verschiedenen Besitztümern und Burgen sowie den herausragenden Persönlichkeiten der Dynastie. Da die Ausstellung über das oberschwäbische Adelsgeschlecht den Schwerpunkt auf die kulturelle Hinterlassenschaft der Herren und Grafen legt, die sich besonders im 16. Jahrhundert entfaltete, wird auch deren Wirken als Chronisten und Mäzene mit mehreren Beiträgen gewürdigt. Zwei Aufsätze des Bandes beschäftigen sich mit der berühmten Zimmerischen Chronik, die wohl in den frühen 1560er Jahren von Graf Froben Christoph verfasst wurde. Das historiographische Werk ist als Hauschronik des Geschlechts ein typisches Zeugnis kleinadligen Repräsentationswillens. In einer Zeit, in der das Überleben kleinerer Adelsgeschlechter in direkter Nachbarschaft zu mächtigen Territorialfürsten immer schwieriger wurde, entwickelte sich das Bedürfnis, die besondere Bedeutung der eigenen Familie herauszustellen. Dem Mäzenatentum der Zimmern wird ebenfalls ein Beitrag gewidmet, der die wichtigsten und schönsten Werke vorstellt, die im Auftrag der Dynastie angefertigt wurden. Darin wird auch darauf hingewiesen, dass man den Begriff der Kunstförderung durch die adligen Herren nicht im heutigen Sinne verstehen kann. Für die Zeit der Renaissance, in der die Kunstproduktion für die Grafen von Zimmern ihren Höhepunkt erreichte, waren spätmittelalterliche Frömmigkeit in Kombination mit adligem Repräsentationswunsch die klassischen Anlässe für das Kunstinteresse eines Herrschergeschlechts. Die angeworbenen Künstler waren für die hohen Herren dabei nicht mehr als begabte Handwerker, die zufällig in ihrem Herrschaftsbereich lebten. Daher ist es auch bezeichnend, dass der Maler, der den bekannten Meßkircher Altar gestaltete, bis heute unbekannt ist und gemeinhin schlicht als „Meister von Meßkirch“ firmiert.
Rezension: Andreas Thörel





