Eine digitale Rekonstruktion des Monumentalwerks hat Hartmut Kugler von der Universität Erlangen-Nürnberg vorgenommen und 2007 in Buchform gemeinsam mit einem ausführlichen Kommentarband publiziert. Beide Bände sind nun nochmals als Sonderausgabe erschienen. Schlägt man den Kartenband auf, so kann man sich sogleich der faszinierenden Vielfalt der Darstellungen und Beschriftungen nicht entziehen: Gebäude und Flüsse, Tiere, Menschen und Fabelwesen, Biblisches und Irdisches wirken bei den etwa 800 von Kugler akribisch erläuterten Zeichnungen zusammen. Die Karte zeigt viel mehr als nur die Erdoberfläche, wie man sie sich um 1300 vorstellte: In einer Verschmelzung von Erfahrung und Erfindung ist sie zugleich ein Andachtsbild mit Jerusalem in der Mitte, enthält eine Weltchronik und ist zudem ein Lexikon mit vielen naturkundlichen, historischen und theologischen Informationen. So kann die Ebstorfer Weltkarte als eindrückliche Visualisierung des mittelalter‧lichen Weltbildes schlechthin verstanden werden.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Die Ebstorfer Weltkarte
Die größte Karte des Mittelalters
Herausgegeben von Hartmut Kugler. Band 1: Atlas. Band 2: Untersuchungen und Kommentar
wbg Edition, Darmstadt 2020, 175 und 370 Seiten, € 250,–





