Das 3. Jahrtausend v.Chr. war eine Zeit großer kultureller und demografischer Umbrüche in Europa. Denn damals wanderten Reiternomaden und andere Volksgruppen aus der Pontischen Steppe nach Westen ein und lösten unter anderem die Entstehung der Schnurkeramik aus – einer für diesen Übergang zur Bronzezeit prägenden Kultur in Mitteleuropa.
Durch einen Schlag auf den Kopf getötet
Doch etwa zur gleichen Zeit – 3300 bis 2700 v.Chr. – war in weiten Teilen Ost- und Mitteleuropas bereits die Kugelamphoren-Kultur verbreitet – eine durch Herdenviehhaltung geprägte halbnomadische Kultur. Wie diese Hirten und Pastoralisten jedoch mit ihren eingewanderten Schnurkeramik-Nachbarn interagierten und ob die Beziehungen beider Kulturen friedlich oder kriegerisch waren, darüber war bisher kaum etwas bekannt. Mehr Licht in dieses Verhältnis wirft nun ein steinzeitliches Massengrab, das 2011 in der Nähe des südpolnischen Ortes Koszyce entdeckt worden ist.
Das Grab enthält die Überreste von 15 toten Männern, Frauen und Kindern der Kugelamphoren-Kultur, wie anhand der Grabbeigaben zu erkennen ist. “Eine nähere Analyse der Skelette enthüllte, dass alle Personen in diesem Grab durch Schläge auf den Kopf getötet wurden – möglicherweise bei einem Überfall ihrer Siedlung”, berichten Hannes Schroeder von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen. Das Fehlen von Abwehrverletzungen deutet zudem darauf hin, dass die Männer, Frauen und Kinder nicht im Kampf starben, sondern erst gefangen und dann hingerichtet wurden. Trotz dieses gewaltsamen Todes waren jedoch alle Opfer der Gewalttat sorgfältig mitsamt Grabbeigaben bestattet worden.
Konflikt mit den schnurkeramischen Nachbarn?
Um mehr über die Herkunft und das Schicksal dieser Toten herauszufinden, haben Schroeder und sein Team nun die Gebeine und deren Erbgut genauer analysiert. Die DNA-Analysen bestätigten, dass alle 15 Toten der Kugelamphoren-Kultur angehörten. Denn ihr Erbgut enthielt zwar etwa 30 Prozent Gene europäischer Jäger-und-Sammler-Vorfahren und rund 70 Prozent Gene eingewanderter neolithischer Bauern, aber keine DNA der Steppennomaden, wie die Forscher berichten. Das deutet darauf hin, dass diese Population sich weder gegenwärtig noch in der Vergangenheit mit den aus der Pontischen Steppe stammenden Volksgruppen in ihrer Nachbarschaft gekreuzt haben.
Stattdessen könnte dieser klare Bruch zwischen den Kulturen kombiniert mit dem Massengrab womöglich auf eher kriegerische oder zumindest konfliktgeladene Beziehungen hindeuten. “Es ist zwar unmöglich, die Täter dieses Massakers zu identifizieren, aber es ist interessant festzustellen, dass es sich genau um die Zeit ereignete, als der Komplex der schnurkeramischen Kultur sich über weite Teile Mitteleuropas ausbreitete”, konstatieren Schroeder und seine Kollegen. Ihrer Ansicht nach ist es gut denkbar, dass es damals zu territorialen Streitigkeiten zwischen den mit ihren Herden umherziehenden Gruppen der Kugelamphoren-Kultur und den Schnurkeramikern kam.





