Konstantin gelang dies besser, weil er in eine freigewordene Stelle nachrückte und zumindest als Unterkaiser Teil der Tetrarchie wurde. Maxentius dagegen überwarf sich bald mit seinem ebenso ehrgeizigen Vater Maximianus; dennoch überstand er zwei Versuche, seine Usurpation militärisch zu beenden. In Rom hatte der Überlebenskünstler starken Rückhalt, vor allem auch, weil er die aus strategischen Gründen längst an den Rand des Geschehens gerückte Stadt noch einmal zum Zentrum eines Kaisertums machte. „Die Ewige Stadt Rom, die Schöpferin unseres Augustus“, so lautete eine Münzaufschrift.
Die Autoren verfallen nicht in den Fehler, Maxentius „aufwerten“ oder „rehabilitieren“ zu wollen. Die erste Schlacht, die er zu führen hatte, verlor er, nicht ohne eigenes Verschulden. Aber in den sechs Jahren seiner Regierung schrieb er sich in das Stadtbild ein, nicht zuletzt durch seine noch in ihren Ruinen höchst eindrucksvolle, architektonisch innovative Audienzhalle, die sogenannte Maxentius-Basilika. Und unter seiner religionspolitisch ruhigen Hand konnte sich die Kirche der Stadt aus fatalen Streitigkeiten heraus konsolidieren. Dem von christlichen Autoren als Tyrann verdammten Kaiser ist der Aufstieg der römischen Kirche maßgeblich mit zu verdanken. Während Leppin den historischen Kontext mit knappen und sicheren Strichen skizziert, erörtert Ziemssen sehr viel ausführlicher und mit zum Teil neuen Vorschlägen „das neue Bild der Ewigen Stadt“ und den selbstbewussten Auftritt auch dieses Kaisers gegenüber der einstigen Kapitale. Die Abbildungen sind eindrucksvoll; zu den doppelseitigen Totalansichten zumal des Forum Romanum werden allerdings Skizzen vermisst, die eine Orientierung erleichtern. Insgesamt eine sehr lesenswerte „Doppelbiographie“ eines Kaisers und seiner Stadt in einer aufregenden Zeit der Neugestaltung.
Rezension: Walter, Uwe





