Salz galt in vielen Kulturen als das weiße Gold – ein wertvolles Handelsgut und wichtiges Lebensmittel. Denn das Mineral ist nicht nur ein essenzieller Nährstoff für den menschlichen Körper, es hilft auch dabei, Lebensmittel zu konservieren. Schon im alten China, im römischen Reich und in anderen frühen Kulturen wurde daher Salz teils über weite Entfernungen hinweg transportiert und gehandelt.
Überreste von gut hundert Siedehütten
Eine große Salzgewinnungsanlage der Maya haben nun Forscher um Heather McKillop von der Louisiana State University in Belize entdeckt. Die Paynes Creek Salzfabrik erstreckt sich über ein rund fünf Quadratkilometer großes Gebiet am Ufer einer Küstenlagune, die im Sommer durch die Verdunstung sehr salziges Wasser enthielt. Heute ist dieses Gebiet überflutet und Teil eines Mangrovensumpfes, wie die Forscher berichten. Doch gerade das saure Milieu des zwischen den Mangrovenwurzeln abgelagerten Sediments trug dazu bei, hölzerne Überreste von Gebäuden und Werkzeugen bis heute zu erhalten.
Bei ihren Ausgrabungen stießen die Archäologen auf mehr als 4000 Holzpfosten, die einst die Dächer der Siedehütten trugen. Im Sediment dieser Hütten fanden sich Überreste von Tongefäßen, die dicht an dicht aufgereiht standen. Nach Ansicht der Forscher muss es sich bei diesen Gefäßen um Siedepfannen für die Salzgewinnung handeln. “Die Maya gewannen das Salz, indem sie das Meerwasser in diesen hölzernen Siedehütten in Töpfen über Feuern kochten”, berichten McKillop und ihre Kollegen. Beim Kochen verdampfte das Wasser und das Salz kristallisierte aus.
Salz und eingesalzenen Fisch für den Handel
Nach Schätzungen der Archäologen wurde in Paynes Creek Salz in fast industriellem Maßstab produziert: “Wenn man von einem Salzbedarf von acht Gramm pro Tag und Person ausgeht, hätte allein eine Salzküche in Paynes Creek genügend Salz für täglich 7087 Menschen produziert”, berichten die Forscher. “25 dieser Salzküchen konnten 88.594 Menschen mit dem Tagesbedarf an Salz versorgen.” Die einheitliche Größe vieler in der Salzfabrik gefundener Siedegefäße spreche zudem dafür, dass die Maya das Salz in Paynes Creek gezielt für den Handel herstellten. “Die Abbildung eines Salzhändlers mitsamt der Glyphe für Salz zwischen anderen Händlern und Waren auf einem Gebäude in Calakmul in Mexiko belegt, dass Salz zu den Waren gehörte, die auf den Märkten der Maya gehandelt wurden”, erklären die Archäologen.






