Wer sich einen exzellenten Überblick über die Frühgeschichte der Vereinigten Staaten verschaffen möchte, liegt bei Nathaniel Philbrick richtig. Er ist ein souveräner Kenner der Materie und versteht es obendrein, komplexe Zusammenhänge mit leichter Hand und gut lesbar darzu-stellen. In seinem Buch geht es um den Aufbruch in die Neue Welt. Genauer gesagt, um die von Sagen und Mythen überwölbte Auswanderung der Pilgrim Fathers, die 1620 an der Ostküste der Neuen Welt landeten und dort ihre erste Siedlung Plymouth gründeten. Diese Geschichte ist ungezählte Male erzählt worden. Sie schnörkellos und ohne romantische Verklärung zu rekapitulieren ist schon lobenswert. Das eigentliche Verdienst von Philbrick liegt indes in einer ungewöhnlichen Erweiterung der Perspektive. Das frühe Amerika war alles andere als ein Gegenentwurf zu Europa. Vor allem konnte es eines nicht abstreifen: Gewalt und Krieg. Den „King Philips War“ des Jahres 1675 – benannt nach dem Häuptling der Pokanoket – als wichtigstes Datum der Siedlungsgeschichte her-auszuarbeiten korrigiert zu Recht eher konventionelle Lesarten, vor allem die Mär, daß Amerika erst Mitte des 19. Jahrhunderts auf eigenem Territorium einen Krieg führte, der an die Substanz seiner Gesellschaft rührte.
Rezension: Greiner, Bernd





