Zu Albert Schweitzer wird den meisten Lesern ein Krankenhaus im Urwald einfallen, wo sich dieser Mann mit dem auffallenden Schnauzbart um die „Eingeborenen“ kümmerte. So bezeichnete man die Gabuner in den 1950er Jahren, in denen Schweitzers Bekanntheit den Höhepunkt erreichte. Die Welt schien klar aufgeteilt in arme „Schwarze“ und wohltätige Weiße. Aber schon bei der Lokalisierung des Spitals – Lambaréné im zentralafrikanischen Gabun – wird es schwierig, und viele andere Aspekte Schweitzers – war er überhaupt Arzt? – kennt man nicht mehr.
Das Hauptgebäude des Museums gibt einen ersten Hinweis: Es ist das Pfarrhaus, in dem Albert Schweitzer (1875 –1965) als Sohn eines Pfarrers fast seine ganze Kindheit und Jugend verlebte. Kürzlich wurde ein heller Eingangsbereich angebaut, der eine große Auswahl an Schriften von und zu Schweitzer bietet und die Ausstellungsfläche vergrößert.
Der Rundgang beginnt im Kellergeschoss des Pfarrhauses passend mit der Grundlage von Schweitzers Ruhm: einem zeitgenössischen Film über Lambaréné. Darin sieht man ihn und seine Mitarbeiter bei der Arbeit. Beim Entladen von Lebensmittellieferungen helfen auch arbeitsfähige Angehörige der Kranken. Der Filmkommentator merkt an, wie schwierig es sei, diesen die notwendige Sorgfalt im Umgang mit den verderblichen Gütern beizubringen.
Gezeigt werden Essensausgabe, Schlafstellen, Untersuchung der Kranken, Kontrolle der Krankenkartei. Den Patienten wurden die Tabletten in den Mund geworfen und dann ein Schluck Wasser verabreicht. Laut Kommentar sollte dies garantieren, dass die Pillen wirklich genommen würden. Anfang der 1950er Jahre war man sicher, nur mit dieser Methode den medizinischen Fortschritt verbreiten zu können.
Der Film ist ein wertvolles Zeitdokument, denn er macht die Entwicklung seither sehr deutlich. Viele Kranke nahmen eine mehrtägige Anreise in Kauf, um zum Spital zu gelangen. Es war für sie ein Ort der Hoffnung. Die Vitrinen zeigen das medizinische Gerät der Zeit, die Patientenkartei und Verbandsmaterial.
Dann steigt man mit vielen Fragen in das Hochparterre des Pfarrhauses hinauf. Eine erste, nach der Logistik, wird direkt am Eingang geklärt: Dort lag das „Hauptquartier“, wo die bisher wenig beachteten Frauen im Hintergrund von Gunsbach aus wirkten und Lambaréné mit all den medizinischen Produkten versorgten, die es in Gabun nicht zu kaufen gab.
Um das Spital funktionsfähig zu erhalten, mussten vor allem Spenden akquiriert werden. Dazu dienten Rundschreiben, die regelmäßig an mildtätige Personen geschickt wurden. Schweitzer hatte dieses System selbst entwickelt. Da seit der Gründung von Lambaréné (1913) immer mehr Spender hinzukamen, waren Vervielfältigung und Versand aufwendig.





