Die Vorgeschichte Mesopotamiens wird in dem archäologisch orientierten und schön bebilderten Band von Wolfgang Korn ausführlich behandelt und der Bogen über den alten Orient hinaus bis in die Gegenwart des Irak gespannt. In Reportagen, aus Interviews mit Wissenschaftlern hervorgegangen, wird der Leser mit neuesten Ausgrabungen vertraut gemacht. Einige Passagen sind gut gelungen, so wenn von der Verformung des „Fruchtbaren Halbmondes“ durch neue Forschungen oder vom sumerischen Alltag die Rede ist. Allzu oft trüben jedoch Fehler, Mißverständnisse und Übernahmen aus veralteter Sekundärliteratur das Bild: Der hethitische König firmiert als Marschili statt als Murschili; die Equiden (pferdeähnliche Tiere) auf der Standarte von Ur werden als (undomestizierbare!) Onager (südwestasiatische Halbesel) identifiziert; der Entdecker von Hattuscha war nicht ein Brite Charles Taxier, sondern ein Franzose Texier; nicht die Perser, sondern die Meder zerstörten Assyrien, letztere dagegen nicht das Mittani-Reich; Karum ist kein Ortsname, sondern ein babylonisches Appellativ für „Handelsniederlassung“; Kyros eroberte Babylonien nicht 609, sondern 539 v. Chr.; die menschenschaffende Göttin heißt nicht Niumak, sondern Ninmach; auch mesopotamische Götter besitzen „Wohlwollen“ dem Menschen gegenüber usw… Autor und Verlag hätten gut daran getan, einen Spezialisten das gesamte Manuskript lesen zu lassen.
Rezension: Streck, Michael





