AKTUELL terschätzt hat. Sieht man das Bild an, so ist in diesem Kontext wichtig, dass der Klagende noch meißelt, während der Spottende bereits beim Polieren angelangt ist. Verschärfend kommt noch hinzu, dass der klagende Mann an einer
sie eine Aura des Exotischen aufwies. Sie stellten sie mit gedrungenem Körper, gebeugt und mit Fettfalten dar. Zu den auffälligen Neuinterpretationen auf dem BildOstrakon aus Deir el-Medine gehört, dass die Kette mit den
Holzstatue (ikonographische Kennzeichen: keine Basis, kein Rückenpfeiler) arbeitet, der andere, spottende dagegen an einer Steinstatue (ikonographisch deutlich erkennbar am Polieren). Somit liegt im Zusammenspiel von Schrift und Bild eine besondere Feinheit: Der Übertreiber schafft es noch nicht einmal, eine Holzstatue in angemessener Zeit fertigzustellen, während der Spottende sogar die große Steinstatue bereits bewältigt hat. In diesem Elitegrab wird ein Bild von der Arbeiterwelt entworfen, zu dem auch Humor gehörte. Karikaturen charakterisieren ein Phänomen durch Zuspitzung sowohl auf sprachlicher als auch auf bildlicher Ebene. Konzentriert auf einen wesentlichen Aspekt, wird dieser durch Überzeichnung herausgehoben. Ein Beispiel ist die nach den ägyptischen Bildkonventionen außergewöhnlich fett dargestellte Königin von Punt in dem Reliefzyklus der Königin Hatschepsut in ihrem Totentempel von Deir el-Bahri (siehe Seite 45). Mit dieser vordergründig ethnographischen Darstellung wird jedoch eine gewisse Komik inszeniert. Ein einige Jahrzehnte später gemaltes Bild-Ostrakon mit einer Wiedergabe ebendieser Figur der Königin zeigt uns, dass die Ägypter von der als ungewöhnlich wahrgenommenen Körperlichkeit der Königin von Punt fasziniert waren, vermutlich, weil diese Frauenfigur für
großen Ringen durch den in der ägyptischen Ikonographie traditionellen Halskragen ebenso ersetzt wurde wie der traditionelle ägyptische Gruß-
Mit den Augen eines Schotten Der schottische Adlige James Boswell war ein eifriger Tagebuchschreiber. Sein „Journal“ ist eine wichtige kulturhistorische Quelle. James Boswell, als Sohn eines Rechtsanwalts 1740 in Edinburgh geboren, war ein Bonvivant, dabei geistreich und weltgewandt. Seine angestrebte Karriere in Militär oder Politik scheiterte zwar, doch wurde er als Schriftsteller beDer schottische Literat James Boswell (Gemälde von George Willison, 1765).
Bridgeman / Scottish National Portrait Gallery, Edinburgh
aus: Ludwig D. Morenz, Kleine Geschichte des ägyptischen Humors. Ein kulturgeschichtlicher Testschnitt. Berlin 2013 (Seite 39)
Lachen über den anderen: Die Handwerkerdarstellung aus dem Grab des Beamten Wep-emnofret zeigt eine humorvolle Szene.





