Die Ritter der Tafelrunde, die schöne Guinevere, ein edler König… Es ist umstritten, in wie weit die romantische und dramatische Geschichte der Artussage auf reale Geschehnisse, Orte und Figuren zurückgeht. Das fragliche Zeitfenster liegt zwischen dem frühen 5. und dem späten 7. Jahrhundert n. Chr. Es handelte sich um eine ausgesprochen nebulöse Epoche nach dem Kollaps des römischen Imperiums: Über die Geschichte Britanniens dieser Zeit ist nur wenig bekannt. Schriftliche Bezüge zur Artussage tauchen erst deutlich später auf. Auch ob es Artus wirklich gegeben hat, ist unklar. Möglicherweise haben sich im Zuge der Überlieferung mehrere legendäre und vielleicht auch historische Gestalten zu seiner Gestalt verdichtet.
Wo liegt die sagenhafte Burg?
Ähnlich mysteriös ist auch, inwieweit die prächtige Kulisse der Sage einen realen Hintergrund besessen hat: Existierte die Burg Camelot und wenn ja, wo lag sie? Es gibt Spekulationen, wonach spätantike Anlagen in Tintagel (Cornwall) oder in Caerleon (Wales) das Vorbild für Camelot gebildet haben. Auch Cadbury Castle in Somerset und die Reste einer keltischen Festungsanlage auf dem Glastonbury Tor gelten als mögliche Kandidaten. Erneut auf die „sagenhafte” Suche hat sich nun Peter Field von der Bangor University gemacht. Sein Ansatz: Er recherchierte nach plausiblen Orten für den Herrschaftssitz anhand der strategischen Konstellationen in der kriegerischen Zeit um 500 n. Chr. Dies kombinierte er mit linguistischen Aspekten: Welcher Ortsname sich bei der Entstehung der Sage in den Namen Camelot verwandelt haben könnte.
So stieß er schließlich auf die Anlage bei Slack, nahe der Stadt Huddersfield, von der heute kaum mehr sichtbare Reste vorhanden sind. Ursprünglich befand sich hier eine römische Befestigungsanlage, die vermutlich bis in die fragliche Zeit Bedeutung hatte. Field zufolge wurde sie einst Camulodunum genannt, was „Fort des Gottes Camul” bedeutet. Durch typische linguistische Verkürzungen könnte sich dieser Name in Camelot verwandelt haben, sagt der Literatur-Wissenschaftler.
Camulodunum wurde zu Camelot
Der Ort lag ihm zufolge außerdem an einer damals wichtigen strategischen Position: „Ich brütete über einigen Karten und plötzlich wurde es mir klar”, berichtet Field. Zu der fraglichen Zeit hatten die eindringenden Angelsachsen große Teile der Ost- und Südküste Großbritanniens besetzt, aber keltischsprachige Briten hielten noch die Nord- und Westküste. Der natürliche Treffpunkt für diese britischen Widerstandskämpfer der Artussage wäre Chester gewesen, erklärt Field. Das Gebiet, das sie unbedingt halten mussten, wenn sie nicht die gesamte Ostküste verlieren wollten, war hingegen York. Camulodunum lag genau an der römischen Straße von Chester nach York und könnte somit eine ideale strategische Lage in der „Artus-Zeit” gehabt haben, so der Wissenschaftler.





