Ausgestattet mit einem Audioguide taucht der Besucher ein in die sechs „Gefühlswelten“ der Ausstellung: Noch bevor man die eigentlichen Ausstellungsräume betritt, wird man an ihrer Schwelle von einer Klanginstallation empfangen, die akustisch auf die kommenden Höreindrücke vorbereitet. In den Räumen werden dann die Gefühle Freude, Aggression, Glaube, Trauer, Liebe und Wir-Gefühl mit unterschiedlichen klanglichen Mitteln, Ausstellungsobjekten und Schwerpunkten thematisiert.
Die Ausstellungsarchitektur hebt auf ein ganzheitliches Besuchserlebnis ab, daher harmonisiert die Raumgestaltung bestens mit den liebevoll gestalteten Details der jeweiligen Gefühlswelt überein. Zum Beispiel sind die Sitzgelegenheiten mit Herzen im Bereich „Liebe“ oder mit Pistolenkugeln im Bereich „Angst und Aggression“ dekoriert. Bewusst wurde der Weg der rein chronologischen Darstellung verlassen und ein thematischer Ausstellungsrundgang gewählt. In jeder Gefühlswelt finden sich daher Musik- und Ausstellungsstücke aus mehreren Jahrhunderten (1310-2009) der Musikgeschichte des heutigen Baden-Württembergs, die in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert wird.
Zurecht betont die Kuratorin der Ausstellung Irmgard Müsch, dass diese Musiklandschaft bisher noch nicht ausreichend gewürdigt wurde. Denn vieles, was im Lauf der Jahrhunderte komponiert und aufgeführt wurde, verschwand in Archiven. Einen guten Überblick bieten deshalb die 70 Hörbeispiele, von denen 24 Neueinspielungen sind, viele davon wurden sogar anlässlich der Ausstellung zum ersten Mal eingespielt, zum Beispiel die 1801 komponierte Trauerkantate zur Beerdigung des Reichsgrafen Johann Carl von Zeppelin und die anlässlich des Todes von König Wilhelm I. entstandene Trauermusik „Aus der Tiefe ruf ich, Herr, zu dir“.
In der ersten Klangwelt „Freude“ erwarten den Besucher Jubel, Trubel und Heiterkeit. Schwäbisch Gmünder Fastnachtsmusik und ein Musiker-Häs empfangen den Besucher im poppig bunten Raum. Die Festkultur aus drei Jahrhunderten steht stellvertretend für das Gefühl „Freude“ im Mittelpunkt, und natürlich dürfen dabei die höfischen Feste und Feste auf dem Dorf nicht fehlen. Stellvertretend dafür sind Instrumente wie die Prunk-Theorbe von 1593, ein Zupfinstrument ähnlich der deutschen Barocklaute, oder die schwäbische Sackpfeife aus Markgröningen, die im Raum zu schweben scheinen.
Dunkle Farben, kaltes Licht und kreischende Heavy Metal Musik bereiten den Besucher dagegen in einem Zwischenraum auf die zweite Gefühlswelt vor. Der Kontrast zwischen „Freude“ und „Angst und Aggression“ hätte kaum drastischer ausfallen können – weder in den Farben, in der Musik noch in den Ausstellungsobjekten, wie der Stihl-Motorsäge, die in HipHop- und Metalmusik als Instrument eingesetzt wird. Gerade an diesem Raum wird der thematische Aufbau deutlich: Hier geht es ebenso um Naturgewalten und ihre Darstellung im 18. Jahrhundert wie um die läuternde Effekte von Musik und bildender Kunst. Zwischen Elementen des gespenstisch anmutenden Bühnenbilds von Helmut Lachenmanns RAF-Oper „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ erfährt man, wie im 18. Jahrhundert der Komponist Justin Heinrich Knecht Donnergeräusche auf seiner Orgel erzeugte, indem er mehrere nebeneinanderliegende Tasten gleichzeitig niederdrückte. Die düstere Atmosphäre im Raum trägt zur wohligen Gänsehaut beim Donnergrollen bei. Musik kann tatsächlich gefühlt werden.





