Für Hans Litten hatte das die persönliche Feindschaft Hitlers zur Folge: Am 28. Februar 1933 wurde Litten verhaftet, in Gefängnissen und Konzentrationslagern interniert. Die schwere körperliche Arbeit sowie Folterungen hinterließen tiefgreifende gesundheitliche Schäden. Dennoch beschäftigte Litten sich, soweit möglich, mit geisteswissenschaftlichen Themen und hielt für seine Mitgefangenen Vorträge über Metaphysik, Kunst und Literatur.
1937 jedoch kam er in das KZ Dachau, wo er sich am 5. Februar 1938 in der Latrine erhängte. An den mutigen Streiter für das Recht erinnern heute eine Straße, eine Schule und der Neubau der Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin, was aber aus politischen Gründen nicht unumstritten war.
Hans Litten stammte aus einer jüdischen deutsch-nationalen Familie, wurde aber christlich erzogen. Sein autoritärer Vater war Jura-Professor in Königsberg. Wohl auch aus Abgrenzung zu ihm beschäftigte sich Hans als Jugendlicher intensiv mit dem Judentum und lernte Sprachen wie Arabisch, Sanskrit und Chinesisch. Der aktiv in der Jugendbewegung verankerte Litten wollte eigentlich Kunstgeschichte und Literatur belegen, fügte sich aber dem väterlichen Berufswunsch und studierte Rechtswissenschaften. Er publizierte allerdings auch über geisteswissenschaftliche Themen und befasste sich mit religiöser Mystik verschiedener Kulturen. Wichtig war ihm die Anerkennung einer metaphysischen Realität, zu der die Kunst eine Brücke bilde.
1928 wurde Litten Rechtsanwalt in Berlin, engagierte sich in der Jugendhilfe und vertrat häufig im Auftrag der „Roten Hilfe“ Kommunisten, auch wenn er selbst kein Parteigänger der KPD war. Dabei setzte er sich persönlich bis an die Grenzen der eigenen physischen, psychischen und wirtschaftlichen Belastbarkeit für seine Mandanten ein. Charakteristisch waren für ihn seine überragende Intelligenz, sein großer Bildungseifer und sein zielbewusster Wille. Er verstand sich als Anwalt einer Jugend, die ihre Ideale und Utopien zu behaupten versuchte.
Diese gut lesbare, reflektierte Biographie stellt sorgfältig den Lebensweg Littens im Kontext der Zeit dar. Zugleich zeigt die sehr differenzierte Darstellung anhand der Rezeptionsgeschichte Littens überzeugend auf, wie interessengebunden Erinnerung sein, wie sie politisch instrumentalisiert werden kann und wie unterschiedlich die Identifikationsbedürfnisse nachgeborener Generationen sind.
Rezension: Prof. Dr. Dr. Rainer Hering
Knut Bergbauer/Sabine Fröhlich/Stefanie Schüler-Springorum
Hans Litten – Anwalt gegen Hitler
Eine Biographie
Wallstein Verlag, Göttingen 2022, 382 Seiten, € 26,–





