Neben den Irrtümern existieren immer wieder schlichtweg erfundene Orte auf den Karten. Dies war eine gängige Methode, um sich vor Plagiatsversuchen zu schützen, oder aber auch durch wunderliche Geschichten Geldgeber auf sich aufmerksam zu machen oder Anerkennung zu erlangen.
Edward Brooke-Hitching beschreibt in kurzen Texten die Geschichten hinter diesen imaginären Orten. Wie kamen diese teils rein fiktiven „Entdeckungen“ überhaupt zustande? Er erzählt von Hochstaplern, die sich nach Geld sehnen und von Fata Morganen auf See, aber auch davon, welche Gefahren eine fehlerhafte Karte birgt.
Einige Jahre zeigten Karten in der Nähe der Falkland-Inseln die Aurora Inseln, bis sie von Seefahrern nicht mehr aufgefunden werden konnten. Ein Rätsel bleibt, ob sie durch Vulkantätigkeit verschwanden, von Erde bedeckte Eisberge waren oder ganz einfach nie existiert hatten.
Auch zahlreiche Mythen greift der Autor auf, welche auf den Karten phantasievoll dargestellt sind. Mehrere Seiten werden den Geschöpfen des „Liber Chronicarum aus Nürnberg“ gewidmet, sie sind Fabelwesen, denen die Seefahrer auf ihren Reisen angeblich begegnet sind und die sie daher auch auf Karten verewigt haben. Vorgestellt werden zum Beispiel die Riesen von Patagonien, der Herrscher von El Dorado, welcher stets in Goldstaub gekleidet war, und auch die vielen Ungeheuer, welche überall in den Meeren lauern, verzeichnet auf der „Carta Marina“.
Der „Atlas der erfundenen Orte“ nimmt den Leser wahrlich mit auf eine sowohl unterhaltsame als auch erstaunliche Reise in die aufregende Welt der Seefahrer, besonders gelingt das durch die schönen Illustrationen der Landkarten und ihrer Details.
Rezension: Tonia Seibel
Edward Brooke-Hitching
Atlas der erfundenen Orte
Die größten Irrtümer und Lügen auf Landkarten
Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2017, 256 Seiten, € 30,–





