Bereits seit 2012 fördern die Archäologen um Sabine Hornung von der Universität des Saarlandes auf dem Gebiet der Gemeinde Hermeskeil in Rheinland-Pfalz spannende Funde zutage. Zunächst stießen sie auf die Überreste eines der nun ältesten bekannten römischen Militärlager auf deutschem Boden. Anhand der Funde lässt sich die einst bis zu 10.000 Soldaten fassende Anlage auf etwa 51 vor Chr. datieren. Dabei handelt es sich um eine ausgesprochen spannende Zeit: Julius Caesar kämpfte damals im Rahmen der Endphase des Gallischen Krieges gegen die „widerspenstigen“ Kelten im Nordosten. Im Bereich des Fundortes handelte es sich dabei eindeutig um den Stamm der Treverer, über die Caesar auch in seinem berühmten Werk “De bello Gallico” berichtet. Noch heute spiegelt sich die römische Bezeichnung dieses Volkes im Namen der nahen Stadt Trier wider.
Wie die Archäologen berichten, hat der Bereich um das Militärlager allerdings mehr zu bieten als römische Relikte: Nur wenige hundert Meter entfernt haben sie in den letzten Jahren die Überreste einer Siedlung der Treverer entdeckt. „Sie besaß eine lockere Bebauung auf etwa fünf Hektar Fläche“, sagt Hornung. Nun sind die Archäologen zudem auf die Spuren des etwa sechs auf sechs Meter großen Heiligtums des Ortes gestoßen. „Seine Lage, sein Grundriss, die gesamte Fundsituation und Erfahrungen aus vergleichbaren Funden bei anderen Ausgrabungen sprechen dafür, dass es sich um ein keltisches Heiligtum handelt“, erklärt Hornung. Demnach hielten die ansässigen Treverer dort religiöse Riten ab und brachten ihren Göttern Opfer dar. „Die Kelten opferten Tiere, Gegenstände, mitunter sogar Menschen“, sagt Hornung.
Von den Römern niedergebrannt?
Die Archäologen entdeckten zwar Keramik-Fragmente, menschliche Überreste hingegen nicht. „Knochen erhalten sich in dieser Art saurem Boden nicht, sondern zersetzen sich recht schnell“, erklärt Teammitglied Patrick Mertl. Auch von der einstigen Holzkonstruktion ist nichts erhalten – nur die Spuren der Holzbalken im Untergrund künden von der einstigen Form des Gebäudes. Zudem zeugen Pfostengruben mit Befestigungssteinen von der Struktur. „Gut möglich, dass an diesen Pfosten Waffen oder Schilde befestigt wurden“, sagt Mertl.
Die Umstände und Verknüpfungen der Funde werfen nun natürlich spannende Fragen auf: Was ist damals mit dem jetzt entdeckten keltischen Heiligtum und der Siedlung passiert? Die Brandspuren bezeugen zumindest, dass die Gebäude im ersten vorchristlichen Jahrhundert niederbrannten. Somit steht die Frage im Raum, ob die Römer aus dem nahen Militärlager die Siedlung in Schutt und Asche gelegt haben. „Das erforschen wir gerade – wir versuchen zu klären, ob die Siedlung bereits bestand, als die Römer kamen, und wenn ja, was passiert ist. Wenn nein, wollen wir herausfinden, wann die Siedlung gegründet und warum sie zerstört wurde“, sagt Hornung. Man darf also gespannt sein, was die archäologische Detektivarbeit in dem ungewöhnlichen Fundgebiet in der einstigen Heimat der Treverer ergeben wird.





