Zu den vielen Werken über den Rhein tritt nunmehr ein Buch über alles, was mit der “Kultur” an diesem Fluß zu tun hat – von den Römern bis zum Ende der “Bonner Republik”. Es ist der Band von Gertrude Cepl-Kaufmann und Antje Johanning mit dem Titel “Mythos Rhein”. Schwerpunkte sind zunächst das Mittelalter mit seinen Kirchen und Burgen, sodann das 18. und 19. Jahrhunderte, als prominente Bewohner des Rheingebiets ihren Beitrag zur deutschen Aufklärung leisteten und der Strom selbst erst zur Staatsgrenze und dann zum Gegenstand nationaler wie romantischer Verklärung wurde – und damit zum doppelten Mythos. Ein weiteres Kapitel gilt dem Rhein als Reiseroute und als weinselige Touristenidylle. Gut herausgearbeitet wird schließlich die politische Mythisierung und Instrumentalisierung des Stroms nach dem ersten Weltkrieg, ebenso wie die exemplarische Stellung seines Einzugsgebiets für Industriekultur und Neue Sachlichkeit. Der Band ist vorzüglich bebildert und bietet ein breites Spektrum der dem Strom gewidmeten literarischen Werke, von Gedichten bis hin zum volkstümlichen Liedgut. Hinzu kommen Datenleisten, welche die historische Orientierung erleichtern. Wer sich – aus welchem Blickwinkel immer – für den Rhein interessiert, sollte unbedingt zu diesem rundum gelungenen Buch greifen.
Rezension: Erbe, Michael





