Ein Ausbau war angesagt: Die alten Hafenanlagen Ostias reichten Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. nicht mehr aus, um die Millionenstadt Rom ausreichend über den Seeweg mit der Welt zu verbinden. Unter Kaiser Claudius errichteten die Römer deshalb im Mündungsbereich des Tiber den Portus Romae. Unter Trajan wurde die Anlage dann von 112 bis 117 n. Chr. noch einmal stark ausgebaut. Der gigantische Hafen besaß dadurch in der Kaiserzeit eine Schlüsselrolle für die Versorgung Roms: Nahrungsmittel, Tiere, Marmor und allerlei Kostbarkeiten strömten aus dem Imperium zum Portus und von dort in die glanzvolle Metropole.
Seit 2007 widmet sich ein Wissenschaftlerteam im Rahmen des „Portus Projects“ der Erforschung der Überreste der Anlage. In ihrer aktuellen Veröffentlichung berichten sie nun über die Ergebnisse einer Studie, die sich mit der Ernährung und der geografischen Herkunft der Bewohner beziehungsweise Arbeiter der Hafenanlage befasst hat. Im Rahmen der Untersuchungen haben die Forscher unter anderem Überreste von Menschen untersucht, die im Bereich des Portus zu unterschiedlichen Zeiten bestattet worden waren. Dabei kam unter anderem das Verfahren der Isotopenanalysen zum Einsatz, das Rückschlüsse auf die Herkunft und Ernährungsweise von Menschen ermöglicht.
Gut verpflegte Einheimische
Wie die Wissenschaftler berichten, zeichnete sich ab: Die menschlichen Überreste aus den Ausgrabungen stammten von Menschen, die einst körperlich schwer gearbeitet haben – es waren offenbar Hafenarbeiter, die mit dem Be- und Endladen der Schiffe beschäftigt waren. Den Vergleichen der Isotopenmuster ihrer Überreste zufolge handeltet es sich nicht etwa um „importierte“ Arbeitskräfte aus der Provinz, sondern um Menschen, die der lokalen Bevölkerung entstammten, berichten die Forscher.
Was die Spuren der Ernährungsweise betrifft, ergaben die Analysen, dass die Hafenarbeiter in der Glanzzeit des römischen Reiches mit einer reichhaltigen Kost versorgt wurden. Der Speiseplan umfasste demnach Fleisch, importierten Weizen, Olivenöl, Fischsauce und Wein. „Wenn wir die Individuen aus dem frühen zweiten bis mittleren fünften Jahrhundert n. Chr. isotopisch betrachten, stellen wir fest, dass sie eine ähnliche Ernährung genossen wie die reichen und bürgerlichen Menschen, die auf dem nicht weit entfernte Friedhof Isola Sacra beerdigt wurden“, sagt der Erstautor der Studie Tamsin O’Connell von der University of Cambridge. Das heißt, die Gruppen hatten zwar einen unterschiedlichen sozialen Status, aber Zugang zu ähnlichen Nahrungsmitteln. „Dies widerspricht dem, was wir zu diesem Zeitpunkt anderswo in der römischen Welt sehen”, sagt der Wissenschaftler.





