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Nachbarschaftliches Miteinander
Rund 400 Jahre lebte eine jüdische Gemeinschaft mitten im mittelalterlichen Köln. Ausgrabungen und Quellen belegen, wie gut die Juden in Struktur und Alltag der Stadt eingebunden waren. Ein mörderisches Pogrom in der Nacht auf den 23. August 1349 bedeutete jedoch einen tiefen Einschnitt im Zusammenleben.
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Die Anfänge der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in Köln liegen im Dunkeln. Ein Dekret des Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 belegt zwar die Anwesenheit von Juden in der römischen Colonia, für die folgenden Jahrhunderte schweigen die historischen sowie die archäologischen Quellen jedoch. Erst in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts gelingt der sichere Nachweis. Denn bis in diese Zeit lässt sich die Synagoge im Zentrum des jüdischen Viertels zurückverfolgen.
Für diese Datierung leistet die archäologische Forschung einen wesentlichen Beitrag. Die massiven Zerstörungen der Kölner Innenstadt im Zweiten Weltkrieg und die anschließenden Wiederaufbauarbeiten ermöglichten dem Kölner Archäologen Otto Doppelfeld zwischen 1953 und 1956 erste großflächige Ausgrabungen im Bereich des Rathausplatzes. Dabei untersuchte er auch die mittelalterliche Synagoge und die Mikwe, das Ritualbad.
Seit 2007 führt die Stadt Köln in ihrem Zentrum eines der spektakulärsten Ausgrabungsprojekte zur Erforschung des jüdischen Mittelalters in Europa durch. In einigen Jahren werden die archäologischen Reste unterirdisch in einem neuen Museum zugänglich sein, das folgenden Namen tragen wird: MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln. Die wissenschaftliche Auswertung der neuen Ausgrabungen hat begonnen und wird in den nächsten Jahrzehnten vermutlich noch viele neue Erkenntnisse bringen.
Kein Ghetto, sondern ein zentrales Viertel mit Nähe zum Dom und zum Rathaus
Der Stadtplan von Arnold Mercator aus dem Jahr 1571 vermittelt einen guten Gesamteindruck vom mittelalterlichen Stadtbild Kölns. Deutlich ist zu sehen, dass das Viertel schon immer eine überaus günstige Innenstadtlage besaß. So entstand es im 11. Jahrhundert innerhalb der Stadtmauern auf dem Areal des antiken römischen Statthalter-Palastes.
Auffällig ist die Nähe zur Domkirche und der daneben gelegenen erzbischöflichen Pfalz. Dies lässt vermuten, dass von Anfang an eine enge Bindung zwischen dem Kölner Erzbischof und der jüdischen Gemeinde bestand. Es ist sehr gut denkbar, dass die Ansiedlung auf Initiative des Erzbischofs und Stadtherrn entstand. Auch die Lage in unmittelbarer Nähe der beiden Marktplätze Alter Markt und Heumarkt sowie unweit des Rheinhafens war vorteilhaft.
Nicht verwunderlich ist, dass die städtebaulich günstige Lage des jüdischen Viertels Begehrlichkeiten weckte. Dies führte zusammen mit antijüdischen Ressentiments nach rund 400 Jahren dazu, dass der Stadtrat die jüdische Gemeinschaft im Jahr 1424 aus Köln auswies.
Das jüdische Viertel (inter judeos sitam) wird zwischen 1056 und 1075 zum ersten Mal sicher schriftlich erwähnt. Es handelte sich um ein längliches Straßengeviert, das längs durch die Judengasse erschlossen wurde.
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Etwas abseits der vielfrequentierten Judengasse lag der Synagogenhof, um den sich die wichtigen Gemeindebauten gruppierten. Im Zentrum stand die Synagoge. Vermutlich im 13. Jahrhundert erfolgte im Norden eine Erweiterung durch eine Frauensynagoge.
Neben der Synagoge lag die Mikwe. Ganze 16 Meter führt der monumentale Schacht in die Tiefe zu einem durch Grundwasser gespeisten Tauchbecken. Das Grundwasser gilt den Juden als „lebendiges Wasser“, das zur rituellen Reinigung notwendig ist. Aus bestimmten Anlässen tauchen Männer und Frauen hier unter. Solch ein Grund ist beispielsweise die anstehende Hochzeit. Auch nach der Geburt eines Kindes oder nach ihrer Menstruation besuchen Frauen die Mikwe. In der Mikwe wurde ebenfalls Geschirr gekaschert (koscher gemacht), um den jüdischen Speisegesetzen zu entsprechen. Die romanischen Bauformen mit ihren Säulen und Rundbogen zeigen, dass die Kölner Mikwe in der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet wurde.
Im Gemeinde- oder Tanzhaus feierte die Gemeinschaft Hochzeiten und andere Feste. Das Hospital war eine private Stiftung eines gewissen Eliakim und seiner Mutter Beila sowie von Mordechai und seiner Frau Hanna. Es diente der Versorgung der Armen und Kranken sowie als Unterkunft für Reisende. Ein Gemeindebackhaus lag in der Südwestecke des Synagogenhofs.
Im nördlichen Bereich des Viertels und an der Judengasse lagen zahlreiche Wohnhäuser mit kleineren Nebengebäuden, Gärten, Höfen, Brunnen und Latrinen. Anhand des Judenschreinsbuchs, das als eine Art frühes Kataster die mittelalterlichen Eigentumsverhältnisse im jüdischen Viertel dokumentiert, können um die Mitte des 14. Jahrhunderts etwa 75 Häuser belegt werden, die sich in jüdischem Besitz befanden. Die genaue Einwohnerzahl ist unbekannt, doch können wir je nach Größe der Haushalte mit ungefähr 500 bis 700 Menschen rechnen.
Anders als in der immer noch verbreiteten Vorstellung handelte es sich bei dem mittelalterlichen jüdischen Viertel nicht um ein Ghetto. Einige der Häuser innerhalb des Viertels waren nämlich in christlichem Besitz; so erwarb dort der Goldschmied Herrmann zwischen 1175 und 1195 ein Haus. Zwischen 1241 und 1244 lebte der christliche Apotheker Alelmus als Mieter oder Pächter im Haus des jüdischen Paares Vivus und Johanna in der Judengasse. Wir können also von einem engen nachbarschaftlichen Zusammenleben ausgehen.
Überraschend erscheint auch ein Blick auf das Kölner Rathaus. Dieses entstand während des 12. Jahrhunderts in der Judengasse. Zunächst war es das Versammlungshaus der sogenannten Richerzeche, einer Vereinigung einflussreicher Kölner Familien, die nach und nach städtische Aufgaben und Macht für sich beanspruchten. Die Lage des Rathauses führte mit Sicherheit zu einem lebhaften Verkehr in der Judengasse und zahlreichen Begegnungen zwischen Christen und Juden.
Die Zugänge zum jüdischen Viertel waren zunächst offen. Erst 1340 wurden sie durch befestigte Tore geschlossen, die nach einem Eintrag im städtischen Eidbuch so beschaffen sein sollten, dass man nicht hindurchschauen, -stechen oder -schießen konnte. Die Tore dienten also nicht dazu, die Juden einzuschließen, sondern zu ihrem Schutz, der durch die im 14. Jahrhundert immer größer werdende Judenfeindschaft notwendig wurde.
Die Schlüssel hatten die beiden Stadtboten, die dafür jährlich 20 Mark erhielten, sowie der Gemeindevorsteher, um jederzeit Gemeindemitglieder und Reisende ein- und auslassen zu können. An den Abenden, an denen der Stadtrat tagte, mussten die Tore ohnehin offenbleiben, damit der Zugang zum Rathaus gewährleistet war.
Die jüdische Gemeinschaft war auch im Stadtraum präsent und beteiligte sich an gemeinschaftlichen Aufgaben. Dies zeigt sich beispielsweise an der Verteidigung der Stadtmauer. Diese war so organisiert, dass jede Pfarrgemeinde für einen bestimmten Abschnitt der Stadtmauer zuständig war, ebenso die jüdische Gemeinde. In der zur Stadterweiterung von 1106 gehörenden Befestigung war sie für die Verteidigung der Niederich-Pforte verantwortlich. Im Mauerring von 1180 übernahm sie die Verteidigung der Judenwichpforte an der Straße Unter Kahlenhausen. Als Erzbischof Konrad von Hochstaden um 1252 im Streit mit den Kölner Bürgern die Stadt belagerte, standen jüdische und christliche Männer gemeinsam auf den Mauern.
Im Jahr 1372 wurde ein neues Fleischhaus am Heumarkt errichtet, in dem die jüdischen Metzger bis 1400 eigene Fleischbänke betrieben. Dies lässt vermuten, dass sie ihre Waren auch an christliche Kunden verkauften.
Eine der ältesten Gemeinschaften im deutschsprachigen Raum
Außerhalb der Stadtmauern, an der Straße nach Bonn, lag der 1164 erstmalig belegte jüdische Friedhof („Judenbüchel“). Er wurde nicht nur von den Bewohnern des jüdischen Viertels in Köln belegt, sondern auch von den umliegenden jüdischen Gemeinschaften genutzt, ein wichtiger Hinweis auf die zentralörtliche Funktion Kölns in der jüdischen Gemeindeorganisation. Das steinerne Judenprivileg im Kölner Dom garantierte der Gemeinde 1266 den zollfreien Zugang zu ihrem Friedhof und dessen Schutz.
Die Kahal Kolonia, die mittelalterliche Gemeinde in Köln, gehörte zu den ältesten und bedeutendsten jüdischen Gemeinschaften in Aschkenas, das heißt im deutschsprachigen Raum. Ihr Einflussbereich ging weit über das mittelalterliche jüdische Viertel hinaus, denn auch zahlreiche jüdische Ansiedlungen im Gebiet der Bistümer Köln und Utrecht gehörten zur Kahal Kolonia.
Innerhalb der Stadt zählte das jüdische Viertel verwaltungstechnisch vornehmlich zum Kirchspiel St. Laurenz, doch scheint es als eigener Rechtsbezirk auf ähnliche Weise in die Kölner Stadtorganisation eingebunden gewesen zu sein wie die Pfarrgemeinden. Alle hatten ein eigenes Gericht für die niedere Gerichtsbarkeit. Vor dem jüdischen Gericht mussten sich auch Christen verantworten, die einen Rechtsstreit mit einem Juden oder einer Jüdin hatten. Von dieser Regel ließen sich die Kleriker des Kölner Domkapitels 1341 allerdings eigens ausnehmen.
Seit dem 12. Jahrhundert führte jede Gemeinde in den Schreinskarten und -büchern ein Register für Grundstücksangelegenheiten. Für das hier behandelte Viertel ist ein eigenes Judenschreinsbuch belegt. Die hebräischen, von der Gemeinde ausgestellten Vorurkunden wurden zusätzlich an die Seiten mit den lateinischen oder im Kölner Idiom verfassten Beiträgen angenäht.
In anderer Hinsicht besaßen die jüdischen Kölner eine rechtliche Sonderstellung. Ihre Rechte und Pflichten wurden in Schutzbriefen und Privilegien festgelegt. Damit waren sie unmittelbar dem jeweiligen Landesherrn unterstellt. Der älteste erhaltene Schutzbrief in Köln wurde 1252 durch Erzbischof Konrad von Hochstaden ausgestellt. Dort stellte er die Juden gegen Zahlung von Geldern unter seinen Schutz.
Neben Köln war SchUM, ein Zusammenschluss der jüdischen Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz, ein bedeutendes Zentrum mittelalterlichen jüdischen Lebens in Aschkenas. Im Gegensatz zu den stark auf Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ausgerichteten SchUM-Gemeinden scheint Köln eher weltlich und ökonomisch orientiert gewesen zu sein.
Dennoch lebten auch in Köln bedeutende jüdische Gelehrte: Hierzu zählte Elieser ben Joel HaLevi (1140–1225), genannt Ravyah, der seinem Vater zwischen 1200 und 1225 als Rabbiner in Köln nachfolgte. Ihm verdanken wir eine Beschreibung des Kölner Schabbatbezirks, des sogenannten Eruvs. Der noch heute angesehene Talmud-Gelehrte Ascher ben Jechiel (um 1250–1327), genannt Rosch („Kopf“), lebte seit 1266 nach der Heirat mit der Kölner Jüdin Jutta für einige Jahre in Köln. Später zog er über Würzburg, Savoyen und die Provence nach Toledo.
Auch einige bedeutende hebräische Handschriften haben die Zeiten und die antijüdischen Pogrome überdauert. Zu nennen ist hier vor allem der reich- ausgestattete, sogenannte Amsterdam- Machsor, der Gebete und vor allem liturgische Gedichte für die Feiertage nach Kölner Ritus enthält. Aufgrund seiner imposanten Größe ist zu vermuten, dass er für die Kölner Synagoge gestiftet wurde. Der Vorbeter oder Kantor der Gemeinde, der Chasan, trug die Texte während des Gottesdienstes vor. Das Buch entstand möglicherweise im Auftrag des privaten Stifters Livermann von Düren in der Mitte des 13. Jahrhunderts.
Die Schaffung des Machsor fällt in eine Zeit, in der die Kölner Gemeinde eine besondere kulturelle und wirtschaftliche Blüte erlebte, das 12. und 13. Jahrhundert. Die bedeutende Mikwe entstand im 12. Jahrhundert.
Wie die archäologischen Ausgrabungen zeigten, erfuhr auch die Synagoge im 13. Jahrhundert einen massiven Ausbau. Vom vergoldeten Thora-Schrein haben sich leider nur wenige Bruchstücke erhalten. Architektonisch bedeutender war jedoch ohnehin die Bima, die Kanzel zur Lesung der Thora im Zentrum der Synagoge. Sie entstand wohl zwischen 1270 und 1280 und wurde 1349 beim Brand der Synagoge zerstört. Über 2000 Fragmente aus feinem, cremeweißem Baumberger Sandstein und blauschwarzem, marmorglattem Blaustein konnten die Archäologinnen und Archäologen bislang bergen.
In einem interdisziplinären Forschungsprojekt konnten sie die aufwendige Architektur gemeinsam mit dem Fachbereich Architektur der TU Darmstadt und dem Team des MiQua rekonstruieren. Aufgrund der Architekturformen und der Wahl des Materials lässt sich belegen, dass Steinmetze der Kölner Dombauhütte die Bima für die jüdische Gemeinde errichteten. Aufwendig verziert war der Bau mit gotischen Spitzbogen, reich- profilierten Säulen, Maßwerk und einem fein ausgestalteten Ranken- und Blattwerk mit plastischen Figuren von kleinen Tieren: Vögeln, Hunden und Äffchen.
Funde zeugen von einer lebendigen Alltagskultur
Neben diesen Zeugnissen der Hochkultur dokumentieren Tausende von archäologischen Funden die Alltagskultur im jüdischen Viertel. Unter anderem geben fast 500 mit hebräischen Graffiti und Zeichnungen beschriftete Schiefertafeln einzigartige Einblicke in das Leben im Viertel und zeigen, dass Hebräisch auch Alltagssprache war. Übungen zum hebräischen Alphabet zeugen von Kindern, die sich im Schreiben übten. Andere versuchten, Löwen oder Pferde aus Handschriften ab- oder vielleicht auch vorzuzeichnen. Listen mit Namen und geringen Geldbeträgen verweisen auf kleine Alltagsgeschäfte oder Spenden. Bemerkenswert ist der Ausschnitt einer Rittererzählung auf Altjiddisch.
Aus den Latrinen der Häuser und dem Brandschutt des Pogroms konnte das Archäologen-Team zahlreiche Alltagsgegenstände bergen: Ofenkacheln belegen die entsprechenden Öfen. Kochtöpfe, Tafelgeschirr, Kerzenleuchter, Schlösser oder Schlüssel spiegeln die Ausstattung der Häuser und Wohnungen wider. Gürtelschnallen, Ringe oder Haarnadeln verweisen auf die Mode der Zeit. Die Funde unterscheiden sich in keiner Weise von denjenigen aus den zeitgleich existierenden christlichen Haushalten.
Andere Funde belegen, dass es jüdische Handwerker im Viertel gab. Zahlreiche Fragmente von Gussformen, Tiegeln, ein Stein zum Prüfen der Qualität von Gold und das Halbfertigprodukt einer emailleverzierten Scheibe sind wohl Hinterlassenschaften jüdischer Goldschmiede oder Buntmetallhandwerker. Ein Falzbein zum Falten von Pergament belegt, dass hier Bücher hergestellt wurden. Auch die Verarbeitung von Tierknochen ist nachweisbar.
Bemerkenswert sind die Abfälle aus der Produktion von sogenannten Paternosterketten, einer Zählhilfe beim christlichen Gebet und Vorgänger der Rosenkränze, mit denen das „Ave Maria“ gebetet wird. Die Funde lassen vermuten, dass Perlen dafür auch von Juden gefertigt wurden. Aus den Schriftquellen wissen wir zudem von jüdischen Bäckern, Brauern, Fleischern und Apothekern.
Erst der mörderische Überfall und später die Vertreibung aus der Stadt
Im Jahr 1349 fand das vielfältige jüdische Leben in Köln ein jähes Ende. In der Nacht vom 22. auf den 23. August überfielen Unbekannte das jüdische Viertel und ermordeten fast alle Einwohner – nur wenige konnten fliehen. Sie plünderten die Häuser und legten vermutlich verheerende Brände. Nicht nur in den Schriftquellen wird erwähnt, dass die Häuser der Judengasse brannten. Die im gesamten Viertel und innerhalb der Synagoge verteilten Brandschichten konnten auch archäologisch bestätigt werden. Das Rathaus scheint ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein.
Das Kölner Massaker gehört zu einer Reihe von Überfällen auf jüdische Viertel, die zwischen 1348 und 1351 in Frankreich und im deutschsprachigen Raum stattfanden, die sogenannten Pestpogrome. Hunderte von jüdischen Gemeinden wurden in dieser Zeit vernichtet.
In Köln fand das Pogrom neun Tage nach dem Tod des Kölner Erzbischofs Walram von Jülich in Paris statt, also vermutlich kurz nach Eintreffen der Todesnachricht. Das lässt vermuten, dass der Konflikt zwischen Erzbischof und Stadt eine Rolle gespielt haben könnte. Zumindest war ein kurzzeitiges Machtvakuum entstanden, das einen günstigen Zeitpunkt für die Stadt oder einzelne städtische Gruppierungen darstellte, sich der jüdischen Gemeinschaft zu entledigen.
Im Anschluss an das Pogrom waren sowohl die Stadt als auch das Kölner Domkapitel vornehmlich daran interessiert, die geplünderten Güter für sich sicherzustellen und den verbliebenen Besitz der getöteten und geflohenen Juden untereinander aufzuteilen. Die Suche nach den Tätern scheint eine sehr untergeordnete Rolle gespielt zu haben, von einer Unterstützung der Opfer ist nirgendwo die Rede.
Bis 1372 dauerte es, bis sich erste jüdische Familien wieder in Köln etablieren konnten. Obwohl sie sich wieder am alten Ort ansiedeln konnten, erlangte die Gemeinde nie wieder die Bedeutung und Größe wie vor dem Pogrom. 1424 wies sie der Stadtrat aus der Stadt. Erst 1798 durften Jüdinnen und Juden dauerhaft in die Stadt zurückkehren.
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