Im Berlin des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine breit gefächerte Rundfunk- und Elektroindustrie. Neben vielen kleinen Firmen, die heute nahezu in Vergessenheit geraten sind, wurden auch viele namhafte Unternehmen wie AEG, Telefunken, Loewe und Siemens gegründet. Bis 1945 waren allein in Berlin etwa 50 Prozent der deutschen Rundfunkindustrie beheimatet. Viele der Exponate, die in der rund 300 Quadratmeter großen Ausstellung gezeigt werden, stammen aus Berliner Produktion. Wer die Ausstellung aus vergangenen Jahren bereits kennt, wird auch auf alte Bekannte stoßen. So sind der RIAS-Sender von 1948, das Schwarz-Weiß-Fernsehstudio aus dem Jahr 1958 und das Box-Telefon von Alexander Graham Bell von 1877 noch immer wichtige Bestandteile der Ausstellung.
Komplett neu ist die Infografik der Ausstellung. Die Entwicklungen, die in der Elektro- und Rundfunkindustrie stattfanden, haben sich stets gegenseitig beeinflusst und können nicht einzeln betrachtet werden. Über die Infografik sollen diese Zusammenhänge verdeutlicht werden. Eine fortlaufende Zeitleiste sowie eine Berlin-Karte stellen einen Bezug zwischen den unterschiedlichen Themenbereichen her. Die Exponate im Deutschen Technikmuseum werden dabei stets in Bezug zu Entwicklungen, Ereignissen und Unternehmen der Berliner Elektroindustrie gesetzt.
Verschiedene Hands-on-Exponate und Multimedia-Angebote beziehen die Besucherinnen und Besucher aktiv mit ein. So können sie beispielsweise einer Ton-Aufzeichnung lauschen, in der ein dänisches Paar über seine Hochzeitsreise zur Funkausstellung 1936 in Berlin erzählt. Über eine Schalttafel können zehn verschiedene Rundfunkzeichen aus der Zeit von 1924 bis 1936 angehört werden. Bei der Wahl eines bestimmten Senders wird auf einer Deutschlandkarte der Standort angezeigt, während das Tondokument läuft.
Der neue Titel der Ausstellung, „Elektropolis Berlin – Eine Geschichte der Nachrichtentechnik“ verdeutlicht den Anspruch, nicht die eine Geschichte der Nachrichtentechnik erzählen zu wollen, sondern eine Geschichte, die ihren besonderen Fokus auf die Entwicklungen in Berlin richtet. Bei der Überarbeitung des Ausstellungskonzepts stand nicht die Erläuterung technischer Fakten und Funktionen der Exponate im Vordergrund. Wichtiger war die Frage nach den gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen, die mit der Entwicklung von Telefon, Radio und Fernsehen einhergegangen sind. So sind etwa Handelsbeziehungen sehr viel schneller und einfacher geworden, das Tempo der Kommunikation hat sich rasant erhöht.
Kuratiert wurde die Neukonzeption der Ausstellung von Prof. Joseph Hoppe, Leiter der Abteilung Nachrichtentechnik und Stellvertretender Direktor des Deutschen Technikmuseums, und Nora Lackner, Mitarbeiterin der Abteilung Nachrichtentechnik. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Berliner Zentrum für Industriekultur, einer Kooperation zwischen der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, überarbeitet.





