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Neue Funde beleuchten das Leben der Kelten in Manching
Geschichte & Archäologie

Neue Funde beleuchten das Leben der Kelten in Manching

In Bayern liegt eine der größten und wichtigsten Keltenstädte Mitteleuropas. Mehr als 40.000 neue Fundstücke aus dieser ehemaligen Siedlung liefern nun neue Details über das Leben und die Kultur ihrer Bewohner. Sie belegen unter anderem erstmals eindeutig, dass die Kelten in diesem Oppidum auch Fisch aßen und Eisen…
Autor
Claudia Krapp
19. August 2025
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Im bayerischen Manching, südöstlich von Ingolstadt, liegt eine ehemalige Siedlung aus der Keltenzeit. Der Ort wurde bereits in der späten Eisenzeit, beginnend ab dem Ende des vierten Jahrhunderts vor Christus, von Kelten der sogenannten La-Tène-Kultur besiedelt. Im zweiten Jahrhundert vor Christus entwickelte sich dieses Oppidum zu einem gut gesicherten Handels- und Handwerkszentrum und damit zu einem politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt nördlich der Alpen. Damals lebten auf einer Stadtfläche von etwa 400 Hektar bis zu 10.000 Menschen. Im ersten Jahrhundert vor Christus schrumpften Wirtschaft und Bevölkerung jedoch aus unbekannten Gründen und die große Keltensiedlung verlor allmählich ihre Bedeutung. Als die Römer im Jahr 15 vor Christus die Siedlung übernahmen, war sie bereits verlassen.

Foto von Funfstücken aus Bein
Schmuck und Werkzeuge aus Bein. © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Fischgerichte und Eisenproduktion

Von 2021 bis 2024 haben Archäologen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) nun im Rahmen von Straßenbauarbeiten einen weiteren Teil dieses Oppidums von Manching ausgegraben. In den drei Jahren legten sie 0,68 Hektar Fläche frei und bargen dabei mehr als 40.000 Fundstücke. Diese vielfältigen Relikte lieferten den Experten neue Einblicke ins Leben der Kelten in Mitteleuropa.

„Erstmals konnten wir über Gräten- und Schuppenfunde Fische nachweisen. Das ist durch die Lage der Siedlung an den Flüssen Paar und Donau zwar nicht überraschend, allerdings war der Verzehr von Fischen im Oppidum bislang nicht belegt“, berichtet Stefanie Berg vom BLfD. Den Funden zufolge ernährten sich die Bewohner der Keltenstadt also nicht nur von Getreideprodukten sowie Rind- und Schweinefleisch, sondern auch von Fisch. Zudem hielten sie sich Schafe und Ziegen, um deren Milch und Wolle zu verwenden. Pferde wurden vor allem als Nutztiere gehalten und erst in hohem Alter geschlachtet.

Eine weitere Erkenntnis: „Wir konnten erstmalig Hammerschlag und damit einen eindeutigen Hinweis auf Eisenverarbeitung im Oppidum von Manching nachweisen“, berichtet Berg. Im Boden gefundene Eisenpartikel stammen entweder von der Eisenherstellung aus Eisenerz oder vom Schmiedeschweißen mit Eisen. Größere eiserne Fragmente legen zudem nahe, dass die Kelten in Manching auch Eisengegenstände schmiedeten und dabei die Abfälle aufbewahrten. Bekannt war bereits, dass die Kelten Werkstätten zur Metallverarbeitung betrieben und dass sie Metall und andere Rohstoffe wie Holz und Keramik auch recycelten, um Ressourcen zu sparen. Die Funde belegen nun, dass dies auch für Eisen galt.

Mysteriöse Tote im Brunnen

Die jüngsten Grabungen enthüllten zudem ungewöhnliche und bislang unerklärliche Funde, die neue Fragen aufwerfen. „Wir haben in einem Kastenbrunnen Reste von mindestens drei menschlichen Individuen, zahlreiche Tierknochen von Rindern, Schweinen und Schafen, 32 Metallfunde und Reste von mehr als 50 Keramikgefäßen gefunden“, sagt Sebastian Hornung von der zuständigen Grabungsfirma. Diese Artefakte stammen aus der Zeit zwischen 120 und 60 vor Christus, wie Altersdatierungen ergaben. Warum sie damals in den Brunnen geworfen wurden, ist jedoch ein Rätsel. Die Archäologen vermuten, dass sie im Zuge eines blutigen Opferrituals oder Totenkults dort platziert wurden. Aufschluss darüber sollen nun nähere Röntgen-Analysen und Restaurierungen der Metallgegenstände liefern.

Foto der an Fädenn aufgehängten Statuette
Bronzene Kriegerstatuette. © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Kunstvolles Metallhandwerk

Insgesamt warten noch rund 15.000 neu geborgene Metallobjekte auf nähere Erforschung. Einige wurden bereits von Rost und Dreck befreit, darunter eine kleine Bronzestatuette. Sie wurde in einem Graben gefunden, zusammen mit Keramik aus dem dritten Jahrhundert vor Christus, und stellt einen keltischen Krieger mit Schild und Schwert dar. Auf dem Kopf der Figur ist eine Ringöse angebracht, was nahelegt, dass es sich um einen Kettenanhänger handelt. „Wir kennen die Keltensiedlung bereits als Fundort bemerkenswerter Menschendarstellungen. Doch diese 75 Millimeter hohe und 55 Gramm schwere Statuette ist eine besonders komplexe und feingliedrige Arbeit“, betont Thomas Stöckl vom BLfD. Sogar die langen Haare und der Schnurrbart des kunstvoll gefertigten Kriegers sind erkennbar.

Grafik zeigt die Rekonstruktion der Gussform der Statuette
Rekonstruktion der Gussform der Statuette. © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Röntgenanalysen enthüllten, wie die Figur zustande kam: „Sie wurde im Wachsausschmelzverfahren im Bronzevollguss hergestellt“, erklärt Stöckl. „Dabei wird zunächst ein detailreiches Modell aus Wachs geformt, das anschließend in Ton eingebettet und ausgeschmolzen wird. In den entstandenen Hohlraum wird dann die geschmolzene Bronze gegossen.“ Wer die Figur gegossen hat, zu welchem Zweck und wen sie darstellt, ist noch unklar.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Kelten Römer Museum Manching

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