Im bayerischen Manching, südöstlich von Ingolstadt, liegt eine ehemalige Siedlung aus der Keltenzeit. Der Ort wurde bereits in der späten Eisenzeit, beginnend ab dem Ende des vierten Jahrhunderts vor Christus, von Kelten der sogenannten La-Tène-Kultur besiedelt. Im zweiten Jahrhundert vor Christus entwickelte sich dieses Oppidum zu einem gut gesicherten Handels- und Handwerkszentrum und damit zu einem politischen und wirtschaftlichen Mittelpunkt nördlich der Alpen. Damals lebten auf einer Stadtfläche von etwa 400 Hektar bis zu 10.000 Menschen. Im ersten Jahrhundert vor Christus schrumpften Wirtschaft und Bevölkerung jedoch aus unbekannten Gründen und die große Keltensiedlung verlor allmählich ihre Bedeutung. Als die Römer im Jahr 15 vor Christus die Siedlung übernahmen, war sie bereits verlassen.

Fischgerichte und Eisenproduktion
Von 2021 bis 2024 haben Archäologen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) nun im Rahmen von Straßenbauarbeiten einen weiteren Teil dieses Oppidums von Manching ausgegraben. In den drei Jahren legten sie 0,68 Hektar Fläche frei und bargen dabei mehr als 40.000 Fundstücke. Diese vielfältigen Relikte lieferten den Experten neue Einblicke ins Leben der Kelten in Mitteleuropa.
„Erstmals konnten wir über Gräten- und Schuppenfunde Fische nachweisen. Das ist durch die Lage der Siedlung an den Flüssen Paar und Donau zwar nicht überraschend, allerdings war der Verzehr von Fischen im Oppidum bislang nicht belegt“, berichtet Stefanie Berg vom BLfD. Den Funden zufolge ernährten sich die Bewohner der Keltenstadt also nicht nur von Getreideprodukten sowie Rind- und Schweinefleisch, sondern auch von Fisch. Zudem hielten sie sich Schafe und Ziegen, um deren Milch und Wolle zu verwenden. Pferde wurden vor allem als Nutztiere gehalten und erst in hohem Alter geschlachtet.
Eine weitere Erkenntnis: „Wir konnten erstmalig Hammerschlag und damit einen eindeutigen Hinweis auf Eisenverarbeitung im Oppidum von Manching nachweisen“, berichtet Berg. Im Boden gefundene Eisenpartikel stammen entweder von der Eisenherstellung aus Eisenerz oder vom Schmiedeschweißen mit Eisen. Größere eiserne Fragmente legen zudem nahe, dass die Kelten in Manching auch Eisengegenstände schmiedeten und dabei die Abfälle aufbewahrten. Bekannt war bereits, dass die Kelten Werkstätten zur Metallverarbeitung betrieben und dass sie Metall und andere Rohstoffe wie Holz und Keramik auch recycelten, um Ressourcen zu sparen. Die Funde belegen nun, dass dies auch für Eisen galt.







