Nur selten erfährt man hierzulande etwas über die lange und wechselvolle Geschichte Kasachstans und über die Menschen, die dort leben. Die derzeit schnell wachsende Wirtschaft profitiert vor allem von den Vorkommen an Erdöl und Gas, aber auch an seltene Erden – unentbehrlich für Computer und Handys.
Wie die Ausstellung im Deutschen Bergbau-Museum (Am Bergbaumuseum 28, 44791 Bochum, Tel.: 0234/5877-141) zeigt, sind Bergbau und Rohstoffgewinnung allerdings bereits seit 6.000 Jahren von zentraler Bedeutung für die Entwicklung Kasachstans. Auch die sehr vielfältige und geschichtsträchtige Archäologie des Landes wird von den Ausstelungsmachern anschaulich aufbereitet.
Seit 2003 erforscht ein Team von Montanarchäologen des DBM gemeinsam mit kasachischen Partnern die bronzezeitliche Gewinnung von Kupfer und Zinn. Ziel der Untersuchungen war es herauszufinden, wie die bergmännische Ausbeutung der Lagerstätten in Askaraly vonstatten ging, was mit dem Erz geschah und welche Rolle Kupfer und Zinn im überregionalen Handel der Vorgeschichte spielten.
Die erste Sensation gelang dem Team im Jahr 2005. Damals entdeckten die Archäologen unweit der Zinngruben die ältesten Bergmannsgräber Zentralasiens. Unverkennbar ließ sich der ehemalige Beruf der Toten an ihrem Arbeitsgerät erkennen – den Rillenschlägeln. Mit diesen für den Laien zunächst unscheinbar wirkenden Steinwerkzeugen schlugen die Bergleute das Erz aus dem Fels. Die Wissenschaftler erforschten zudem, welche Abbautechnik die prähistorischen Bergleute einsetzten: Sie errichteten Holzbühnen, auf denen sie große Feuer entfachten. Dadurch riss und platzte das Gestein, das Erz ließ sich mit deutlich weniger Kraftaufwand aus dem Berg lösen. Noch heute nutzen Menschen in Papua-Neuguinea diese Methode.
Das Grabungsteam fand auch heraus, wie das alte Bergbaurevier organisiert war. Nahe der Mine konnten die Bochumer nicht nur die Gräber, sondern auch eine zugehörige Siedlung nachweisen. Den Funden nach zu schließen, gewannen die Bewohner dort metallisches Zinn aus dem Erz. Momentan geht das Projektteam der Frage nach, ob Kasachstan sogar als Rohstofflieferant für die Hochkulturen des Orients in Betracht kommt.
Aus diesem Forschungsprojekt resultierte die Idee zur Gestaltung der Ausstellung, die auf einer Fläche von 850 Quadratmetern 6.000 Jahre Geschichte durch rund 1.000 direkt aus Kasachstan eingeflogene Originale lebendig werden lässt. Viele der Exponate sind erstmals außerhalb des Landes zu sehen.
Das Spektrum der archäologischen Objekte aus allen Provinzen Kasachstans reicht von der kleinsten Perle bis zum 2,20 Meter großen „Goldenen Mann von Issyk“. Dabei wird direkt am Eingang zur Ausstellung deutlich, dass die Kasachen als Viehzüchter ein ursprünglich nomadisch lebendes Volk waren: Hier empfängt die Besucher eine originalgetreue Jurte, das typische Wohnzelt der Nomaden, mit einer prächtigen und sehr farbenfrohen Einrichtung. Zwar lebt heute ein großer Teil der 17 Millionen Einwohner in Großstädten und damit in einem modernen Umfeld, aber einige bewohnen nach wie vor Jurten, die nicht selten mit Fernsehern, Mikrowellen und Spülmaschinen ausgestattet sind.





