Wer aber war Karl wirklich? Wir kennen seine Herkunft, wissen, wie die karolingischen Hausmeier und insbesondere Karl Martell, der Großvater Karls, im frühen Mittelalter die merowingischen Könige allmählich zu reinen Repräsentationsfiguren hatte werden lassen, um sie schließlich ganz zu ersetzen. Wir kennen auch die politische Geschichte dieser Zeit: die erfolgreichen Kriege, das Ausgreifen nach Süden, in die Provence und bis nach Spanien und damit bis in die unmittelbare Nachbarschaft des Emirats von Córdoba.
Neben den Eroberungen verbindet man mit Karl vor allem zwei Aspekte; Da war zum einen die „karolingische Renaissance“, die uns nur allzu vertraute Betonung von Bildung und Wissen, der Versuch „Qualitätsstandards“ durchzusetzen und einen den gesamten Kontinent einschließlich der Britischen Inseln umfassenden Wissenstransfer und Diskussionszusammenhang zu befördern.
Zum anderen wurde die Beziehung zu Rom auf eine neue Grundlage gestellt, die enge Verbindung der Päpste zum byzantinischen Kaiser gelöst und als im wahrsten Sinne des Wortes krönender Abschluss ein westliches Kaisertum etabliert.
Angesichts der Erfolge gerät leicht aus dem Blick, wie schwierig es war, über ein derart riesiges Reich zu herrschen. Das Reisen war beschwerlich, die Kommunikationswege waren alles andere als schnell. Wie hat Karl der Große unter diesen Umständen sein „Reisekönigtum“ organisiert, wie die wirtschaftlichen Grundlagen dafür gelegt?
Derr jetzt neu erschienene DAMALS-Sonderband kreist Karl den Großen ein, soweit heutige Wissenschaft dazu imstande ist. Die Quellen erlauben manche „informierte Vermutung“, manches scheint unbestreitbar, anderes, das lange als gesichert galt, wird heute verworfen. Nur eines steht fest: Die Auseinandersetzung mit diesem großen König und Kaiser lohnt allemal!
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