Nach dem Tod Kaiser Friedrichs II. 1250 geriet des Heilige Römische Reich in eine politische Krise. Während des sogenannten Interregnums kümmerten sich die Fürsten zunächst um ihre eigenen Belange, an der gemeinsamen Wahl eines mächtigen Königs waren sie nicht interessiert. In der Wahl Rudolfs von Habsburg zeigte sich dann ein neuer Konsens.
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Mit Kaiser Friedrich II. endet die Linie der Staufer an der Spitze des Heiligen Römischen Reichs. Es war ein dramatisches Ende. Der letzte Stauferkaiser führte bis zu seinem Tod einen erbitterten Kampf mit dem Papsttum. Es war eine Auseinandersetzung auf großer Bühne, begleitet und kommentiert von publizistischen Kampagnen, in denen der Kaiser je nach Standpunkt der Antichrist war oder der Retter der christlichen Welt vor päpstlicher Willkür.
Am 17. Juli 1245 erklärte Papst Innozenz IV. (1243 – 1254) Kaiser Friedrich II. für abgesetzt, und der Papst betonte dabei, dass die Christenheit nur durch eine einzige Person gelenkt werden könne. Friedrich II. akzeptierte seine Absetzung nicht. Er lebte und herrschte noch mehr als fünf Jahre, ohne dass einer seiner Gegner mit päpstlicher Unterstützung ihm hätte gefährlich werden können.
Der überforderte Sohn des Kaisers zieht sich nach Italien zurück
Doch nach dem Tod Friedrichs am 13. Dezember 1250 konnte sein Sohn Konrad IV. die staufische Herrschaft in Deutschland nicht bewahren. Er gab den schon Jahre währenden Kampf mit verschiedenen Gegenkönigen auf und zog nach Italien, wo er das Königreich Sizilien zurückgewinnen wollte. Nun mussten die Fürsten des Heiligen Römischen Reichs einen neuen König wählen – was sich als sehr schwierig erweisen sollte. Die Staufer hatten das römisch-deutsche Königtum mit vielen mächtigen Familien in Europa in Berührung gebracht. Die politischen Ambitionen der Dynastie waren von strategischen Heiratsbündnissen begleitet gewesen. So entstanden familiäre Bindungen, die nun auch einem Engländer oder einem Kastilier die Chance auf den Thron eröffnen konnten.
Der Streit um die Herrschaft Friedrichs II. war mit seinem Tod nicht überwunden. Die Rechtmäßigkeit der Privilegien, die der Kaiser seit seiner Absetzung verliehen hatte, wurden von Gegnern der Staufer in Frage gestellt. Die Privilegien, die der Kaiser davor verliehen hatte, drohten ihren Glanz zu verlieren, sollte es keine weiteren staufischen Könige mehr geben und nur die Aura des zum Antichrist erklärten späten Friedrich II. übrigbleiben.
In so einer angespannten Situation war es für viele Mächtige wichtig, dass nicht der falsche Mann auf den Thron gelangte. Es sollte niemand König werden, der den Titel zum Nachteil der anderen gebrauchen konnte. Außerdem war Friedrich II. seit 1235 ohnehin nicht mehr nördlich der Alpen gewesen. Sein Aktionsfeld war Italien, sein Königreich Sizilien. Sein sehr junger Sohn Konrad IV. hatte ihn im Reich nördlich der Alpen vertreten.
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Die deutschen Fürsten hatten also schon seit längerer Zeit keinen mächtigen König mehr im Land erlebt. Die Gegner Friedrichs II. hatten nach seiner Absetzung durch den Papst zunächst 1246 den Landgrafen von Thüringen, Heinrich Raspe, zum König gewählt. Dieser starb allerdings vor Ablauf des ersten Jahres seines Königtums.
Ihm folgte als weiterer Gegenkönig der junge Graf Wilhelm von Holland (1247 –1256). Er stammte aus einer Familie, die mit der Königsherrschaft keinerlei Erfahrung hatte. Wilhelm trat gegen einen erfahrenen Kaiser an, der seinen Geburtsort „unser Bethlehem“ nannte und seine Herrschaft aus einer Tradition herleitete, die er bis zur Schöpfung der Welt zurückführte.
Wilhelm von Holland begann sein Königtum in Deutschland zurückhaltend. Die Zeit sollte allerdings auf seiner Seite sein, denn als der alte Staufer nach drei Jahren starb, erkannten alle maßgeblichen Kräfte in Deutschland Wilhelm als ihren König an.
Städte schließen sich zum Rheinischen Bund zusammen
Nicht nur die Fürsten unterstützten Wilhelm, sondern auch die Städte. Anfang des 13. Jahrhunderts waren viele deutsche Städte zu beachtlicher Wirtschaftskraft gelangt. Das 13. Jahrhundert ist in der deutschen Geschichte auch die Zeit des Städtewachstums. Mit dem wirtschaftlichen Erstarken der Städte wuchsen auch die politischen Ambitionen vieler Bürgerschaften. Sie drangen auf das Recht, ihre praktischen Angelegenheiten in eigener Regie ordnen zu können. Friedrich II. hatte den politischen Interessen der Städte in seiner Herrschaft keinen Raum gegeben. Zu wichtig waren ihm die Fürsten, denen die städtischen Ambitionen suspekt erschienen.
Mit dem Ende der Staufer und dem noch schwachen Königtum Wilhelms von Holland schlossen sich zahlreiche Städte entlang dem Rhein, der Hauptverkehrsader des Reiches, mit wichtigen Großen zu einem Bündnis zusammen, das Sicherheit und Frieden garantieren sollte. Der sogenannte Rheinische Bund stellte sich auf die Seite des Königs, vereinbarte die Einrichtung von bewaffneten Einheiten zum Schutz des Flusses und der Wege. Der Bund wuchs schnell. Auf dem Höhepunkt zählte er über 70 Mitglieder: von Aachen und Bremen im Norden bis nach Zürich im Süden. Doch dann starb König Wilhelm 1256 bei einem Winterfeldzug gegen die Friesen.
Schnell formierten sich die Städte des Bundes und verlangten von den Kurfürsten eine einheitliche Wahl ohne Gegenkönige. Sollten die Fürsten gegen diese Forderung verstoßen und sollte es zu einer Wahl ohne klares Ergebnis kommen, würden die Verbündeten sie als „Staatsfeinde“ ansehen und entsprechend behandeln, so die selbstbewusste Ankündigung.
Es waren dramatische Monate, die Sorgen waren groß, die Pläne klangen ambitioniert. Erstmals in der deutschen Geschichte schienen die Städte eine politische Rolle zu reklamieren. Würde Deutschland nach dem Ende der staufischen Herrschaft nun zu den anderen Königreichen wie Frankreich oder England aufschließen, welche die städtischen Interessen stärker in ihre politische Ordnung einbanden?
Doch dazu sollte es nicht kommen. Denn das Misstrauen der mächtigen Königswähler untereinander war stärker als die Sorge vor dem Druck der Städte. Es kam nun zu genau der Doppelwahl, die der Vorstoß des rheinischen Städtebundes eigentlich hatte verhindern sollen.
Ein Kastilier und ein Engländer kämpfen um den Thron
In Kastilien, an den Quellen des Duero, ereignete sich im März 1256 ein eigentümliches Schauspiel. Ein Gesandter der Stadt Pisa wählte König Alfons von Kastilien zum König der Römer und Kaiser des Reiches. Nun gehörte Pisa zwar zum Kaiserreich, aber es gehörte nicht zu Deutschland, wo die Königswähler traditionell zu Hause waren. Und Pisa war bislang auch nicht als wählende Partei in Deutschland aufgetreten. Die Königswahl erfolgte zu diesem Zeitpunkt, das sollte man betonen, noch nicht exklusiv durch die späteren sieben Kurfürsten.
Alfons X., König von Kastilien, mit dem Beinamen „der Weise“, hatte allerdings eine staufische Mutter, und er hatte schon im Jahr zuvor daraus Ansprüche auf das Herzogtum Schwaben abgeleitet. Auf das deutsche Geschehen hatte dieser Vorstoß zunächst jedoch noch keine Auswirkungen. Das änderte sich auch nicht, als im Herbst des Jahres drei Gesandte der Stadt Marseille in Segovia die Wahl von Alfons bestätigten.
Und es gab weitere Ansprüche. Kaiser Friedrich II. war einige Jahre mit der Schwester des englischen Königs Heinrich III. verheiratet gewesen. Isabella starb 1241 als noch junge Frau bei der Geburt ihres dritten Kindes. Ihr einziger Sohn lebte 1256 bereits nicht mehr. Dafür bekam nun Isabellas Bruder Richard, der auch der Bruder des Königs von England war, die Kronen angeboten, die sein Neffe vielleicht geerbt hätte.
Die Krone Siziliens hatte Richard von Cornwall bereits abgelehnt, nun bot man ihm die deutsche Krone an. Die Verhandlungen zogen sich einige Monate hin, doch am 13. Januar 1257 wählten der Erzbischof von Mainz, der Erzbischof von Köln und der vornehmste weltliche Fürst, der Pfalzgraf bei Rhein in Heidelberg, Richard von Cornwall zum römisch-deutschen König. Die Gesandten des Königs von Böhmen schlossen sich der Wahlentscheidung an.
Nur wenig später, am 1. April 1257, wählte der Erzbischof von Trier mit den Stimmen des Herzogs von Sachsen, des Markgrafen von Brandenburg und auch des Königs von Böhmen den kastilischen König Alfons zum römischen König. In dieser Wahl nahm der spätere Kreis der Kurfürsten bereits klarere Formen an. Und man darf das eigentümliche Wahlverhalten des böhmischen Königs als das dringende Bedürfnis deuten, in jedem Fall zum Kreis der Königswähler zu zählen. Dieser Anspruch wurde von manchen zeitgenössischen Stimmen in Frage gestellt.
Nun gab es zwei gewählte Könige. Richard von Cornwall kam im Mai 1257 in sein neues Königreich und wurde am 17. Mai in Aachen gekrönt. Alfons von Kastilien kam nie nach Deutschland. Auch König Richard blieb nicht lange. Denn er wurde in England gebraucht. Sein Bruder, König Heinrich III., war in ernsthafte Bedrängnis geraten.
Anders, als nationale Geschichtsschreiber vermutet haben, war der Griff des englischen Königsbruders nach der deutschen Krone keine Strategie einer auswärtigen Macht. Es gab keine „englische Politik“. Im Gegenteil: Die englischen Barone lehnten dieses Abenteuer der Königsfamilie entschieden ab, da ihnen die Kosten für ein solches Unternehmen große Sorgen bereiteten. Die Politik dieser Jahre wurde bestimmt von dynastischen Erwägungen, die Voraussetzungen einer nationalen Politik waren ihr noch fremd.
Empörung über das Geschacher im Vorfeld von Königswahlen
Die Doppelwahl von 1256 zeigte das Königtum in Deutschland in der Krise. Das sagt die heutige historische Forschung, das war aber auch schon den Zeitgenossen bewusst. Manch einen machten die Vorgänge im Reich fassungslos. Ein Hamburger Chronist nahm 1257 Anstoß am Verhalten Richards von Cornwall und der Wahlpolitik der deutschen Fürsten. „Er goss das Geld vor die Füße der Fürsten wie Wasser“, empörte er sich: „Dumme deutsche Fürsten, die ihr vornehmes Recht für Geld verkauften.“
„Denn geendigt nach langem verderblichen Streit / war die kaiserlose, die schreckliche Zeit“ – Schillers vielzitierte Verse auf den Grafen von Habsburg sind zu einem Sinnbild für die Jahre des Interregnums geworden, die der Wahl Rudolfs vorausgingen.
Die Wahlabsprachen der deutschen Königswähler lassen sich anhand der überlieferten Zusagen für die Stimmabgabe recht genau nachvollziehen. Von übergeordneten Interessen, gar von einer Sorge um das Königreich künden sie kaum. Im Gegenteil: In diesem Vakuum nach dem Ende der Staufer, in dem die Fürsten sich nicht auf einen deutschen Kandidaten einigen konnten, gaben sie stattdessen zwei konkurrierenden Kandidaten ihre Stimmen, von denen sie keine Eingriffe in den eigenen Machtbereich befürchten mussten.
Wie reagierten nun die Städte des Rheinischen Bunds, die für diese Situation gravierende Schritte angekündigt hatten und die Fürsten mit einem Handelsembargo belegen wollten? Sie taten nichts. Ihr Bund löste sich einfach auf, seine Spuren verlieren sich mit der Doppelwahl. Die Städte hatten ihre Besorgnisse formuliert, aber sie waren nicht stark genug, um ihre Entschlüsse auch durchzusetzen. Dies war eine nüchterne Bilanz der Doppelwahl von 1256. Das Reich war im Wesentlichen ein Bündnis mächtiger Fürsten. Die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen des 13. Jahrhunderts hatten diese Lage nicht geändert.
Die Jahre des Interregnums waren Jahre der Festigung der Herrschaft in den einzelnen Ländern und Territorien des Reiches. Überhaupt konsolidierten sich in den Reichen im Westen Europas im 13. Jahrhundert die politischen Ordnungen. Die großen Königreiche Frankreich, England und Deutschland festigten die Form der Königsherrschaft, die sie im späten Mittelalter beibehalten sollten. In Deutschland wurde dabei die fürstliche Königswahl zum zentralen politischen Verfahren und Ritual. Sie verlief nicht immer eindrucksvoll, aber sie stiftete Identität.
Es gab noch kein verbindlich geregeltes Wahlverfahren, das folgte erst mit der „Goldenen Bulle“ von 1356. Aber die Wahlfürsten drängten in das Zentrum der deutschen Politik. Die Abwesenheit von handlungsfähigen Königen seit 1235, die sich in den Jahren des Interregnums fortsetzte, erweiterte die Spielräume der einzelnen Landesherren. Aber wenn ihre Aktivitäten über die Grenzen ihres Territoriums hinausgingen, traten sie in Rivalität zu den anderen Landesherren. Viele Konflikte mussten geklärt oder vermittelt, mancher Vorstoß musste eingegrenzt werden.
In Zeiten eines abwesenden Königs suchten die Mächtigen nach eigenen Wegen, ihre Konflikte beizulegen. Gewalt war dabei immer ein gefährlicher Weg. Es gab zu viel zu verlieren. Das Interregnum, das bis zur Wahl Rudolfs von Habsburg andauerte, erwies sich in dieser Hinsicht als eine wichtige Zeit der Erfahrung: Es brauchte Regeln, und es brauchte in manchen Fällen klare Entscheidungen.
Im Lauf der Zeit fanden die Fürsten und auch die nachgeordneten Großen eigene Wege der Entscheidungsfindung. Und sie lernten, zu einem tragfähigen Ausgleich zwischen ihren eigenen Interessen und den Interessen des Reiches zu kommen. Die Wahl Rudolfs von Habsburg wurde zum Prüfstein für einen neuen Minimalkonsens der Mächtigen des Reiches.
Mit der Wahl des 55-jährigen Rudolf endet das Interregnum
Als Richard von Cornwall am 2. April 1272 starb, waren die Fürsten des Reiches bereit zu einer Wahl, die sich deutlich von den Vorgängen nach dem Tod Wilhelms von Holland 1256 unterscheiden sollte. Es gab erkennbare Vorverhandlungen, aber diese zielten nicht auf eine möglichst hohe Vergütung für die eigene Wahlstimme, sondern auf ein abgestimmtes Wahlverhalten unter den mächtigen Fürsten.
Und am 1. Oktober 1273 gaben sieben Wahlfürsten ihre Stimme für den Grafen Rudolf von Habsburg ab. Nur der König von Böhmen, Ottokar II. Přemysl, hatte sich nicht gewinnen lassen. Er hielt sich selbst bis zum Schluss für den geeigneteren Kandidaten.
Rudolf von Habsburg war zum Zeitpunkt seiner Wahl bereits 55 Jahre alt. Das mochte bei der Wahlentscheidung der Fürsten geholfen haben. Man rechnete wahrscheinlich nicht damit, dass er länger regieren würde. Auch das erwies sich als Irrtum.
Rudolfs Familie gehörte zu den mächtigsten Häusern im Südwesten des Reiches. Die Habsburg befand sich am Zusammenfluss von Aare und Reuss in der heutigen Schweiz. Zwischen diesen Flüssen lagen die meisten Ländereien der Familie. Einen zweiten Schwerpunkt des Besitzes gab es im oberen Elsass, im Umfeld von Straßburg. Die Anfänge der Familie gehen wohl auf das frühe 11. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit, in der auch an anderen Orten mächtige Familien erste Herrschaftssitze errichteten, war die Habsburg entstanden. In derselben Generation stiftete ein anderer Bruder namens Radbot das Kloster Muri.
In dem Bericht über die Anfänge des Klosters wird die frühe Geschichte der Familie der Gründer in Umrissen fassbar. Sie war geprägt vom gewalttätigen Raub des Landes und der Vertreibung der rechtmäßigen Eigentümer durch Radbots Vater. Als Radbots Leben ruhiger wurde und er die Schwester des Bischofs von Straßburg aus vornehmer lothringischer Familie heiratete, überließ er seiner Frau Ita das gewaltsam erworbene Land. Diese entschloss sich, dort ein Kloster zu gründen. Ihr Ehemann unterstützte den Plan.
Die ersten Jahrzehnte des Klosters waren eine bewegte Zeit, in der das Personal wiederholt wechselte und die Gemeinschaft in die programmatischen Turbulenzen der Kirchenreform dieser Epoche geriet. Muri war in dieser Phase ein Kloster für Mönche und Nonnen, und wie andere Klöster der Reformzeit wurde es direkt dem Papst in Rom unterstellt. Die Klosterkirche war dem heiligen Martin geweiht.
Das Kloster, in dem bereits das Gründerpaar Radbot und Ita die letzte Ruhe fand, wurde zur Grablege der frühen Habsburger. Das Güterverzeichnis des Klosters lässt ein eindrucksvolles Wachstum des habsburgischen Hausklosters erkennen, das sich im 13. Jahrhundert fortsetzte.
Der 1218 geborene Rudolf gehörte einer adligen Familie an, die zwar nicht von fürstlichem Rang war – deren Güter also nicht als Lehen vom König verliehen wurden –, die aber auf eine über 200-jährige Geschichte zurückblickte. Und Rudolf hatte die Jahre der ausgehenden Stauferzeit und des Interregnums entschlossen genutzt, um den Familienbesitz zu vergrößern.
Sein Vorgehen wird von der modernen Forschung durchaus als „rücksichtslos“ gewertet. Rudolf wusste sich in einer Welt konkurrierender Mächte und schwacher Königsgewalt zu helfen und zu wehren.
Die Königswähler sind wieder voll handlungsfähig
Die Wahl Rudolfs zeigte, dass die Fürsten des Reichs gelernt hatten, ihre Interessen mit dem Interesse des Reichs in Einklang zu bringen. Die Geschichtsschreibung hat schon bald nach dem Tod Rudolfs begonnen, zur Verklärung seines Königtums die Rolle der Fürsten in ein ungünstiges Licht zu stellen. Sie hätten sich nicht einigen können, und erst ein Ultimatum von Papst Gregor X. (1271 –1276) hätte die Königswähler zur Ordnung gerufen. Der Name Rudolfs von Habsburg habe dann wie ein Deus ex Machina die Fürsten überzeugt. Diese Darstellung wird bis in die Gegenwart wiederholt. Sie gehört allerdings in das Reich der Legende. Denn die Fürsten mussten nicht durch einen Papst zur einmütigen Wahl gedrängt werden. Sie hatten als Vertreter des Reiches ihre Handlungsfähigkeit wieder erlangt.
Die Dokumente der Verhandlungen vor der Wahl zeigen klar, dass der Wille zur Einheit 1273 bereits vorhanden war, als Rudolfs Name ins Spiel kam. Die Einheit der Wähler ging der Auswahl des Kandidaten voraus. Als gewählter König wusste Rudolf diese Einheit zu nutzen, gerade – wie wir noch sehen werden – in der Auseinandersetzung mit Ottokar II. Přemysl von Böhmen, einem mächtigen Rivalen, der ihm die Anerkennung verweigerte.
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