Die Vorfahren der amerikanischen Ureinwohner kamen einst aus Asien. Gängiger Theorie nach zogen sie am Ende der letzten Eiszeit über die damals trockenliegende Beringstraße in die Neue Welt. Vom hohen Norden Nordamerikas breiteten sie sich dann nach und nach über den gesamten Kontinent aus. Als eine der ersten Kulturen Nordamerikas gilt die Clovis-Kultur, deren charakteristische Speerspitzen an verschiedenen Stellen der USA gefunden wurden. Die an der Basis eingekerbten Steinspitzen stammen aus einer Zeit bis vor etwa 13.400 Jahren.
Der Spur der Speerspitzen folgend
Doch wann die Vorfahren der Clovis-Menschen diese Gebiete in der gemäßigten Klimazone Nordamerikas erreichten und auf welchem Wege, ist bisher nur in Teilen geklärt. Funde von Fußabdrücken, Knochen und Steinwerkzeugen deuten aber darauf hin, dass zumindest ein Teil dieser Besiedlung entlang der damals bereits eisfreien Westküste Alaskas und Kanadas erfolgte. Das Landesinnere Nordamerikas war dagegen noch von zwei großen Eisschilden bedeckt, zwischen denen sich erst vor rund 12.500 Jahren ein eisfreier Korridor auftat.
Um die Migrationsbewegungen im frühen Nordamerika aufzuklären, haben Heather Smith von der Eastern New Mexico University und Ted Goebel von der Texas A&M University in College Station nun 200 steinerne Speerspitzen aus der Zeit vor 14.000 bis 12.000 Jahren aus Alaska, dem Gebiet des früheren eisfreien Korridors, aus Kanada und dem Osten der USA analysiert. Sie nutzten dabei die morphologischen Merkmale der Steinspitzen, um die Wanderungsbewegungen und den kulturellen Austausch auf dem Kontinent zu rekonstruieren.
Zurück in die Arktis
Die Auswertung ergab Überraschendes: Entgegen den Erwartungen waren die im eisfreien Korridor gefundenen Speerspitzen weder älter noch primitiver als die Clovis-Spitzen aus den südlicheren Gebieten. Stattdessen entsprachen sie dem Typ, wie er von den Clovis-Menschen in den gemäßigten Zonen Nordamerikas angefertigt wurde. “Das zeigt eindeutig, dass die frühen Menschen in Westkanada und Alaska von Clovis-Menschen abstammten und dass sie die gleichen Waffentypen für die Jagd nutzten”, sagt Smith.
Nach Ansicht der Forscher muss daher die Wanderung durch den eisfreien Korridor vor rund 1.2500 Jahren anders herum verlaufen sein als bisher angenommen – die Menschen durchzogen ihn von Süden nach Norden statt umgekehrt. “Die Hersteller der Clovis-Speerspitzen breiteten sich nicht nur in der Mitte des nordamerikanischen Kontinents überall aus, sie zogen auch zurück in die Arktis”, sagt Smith. Zwar könne man allein anhand der Speerspitzen nicht feststellen, ob sich die Menschen selbst oder ihre Kultur damals migrierten, aber es habe eine Rückwanderung nach Norden gegeben.





