Aus der kleinen Schar von einem Dutzend Habenichtsen um Franziskus, denen Papst Innozenz III. im Mai 1209 versuchsweise seinen Segen für ihr Projekt einer ortsungebundenen Bruderschaft von freiwillig armen Wanderpredigern erteilt hatte, war in wenigen Jahren ein Orden von neuer Gestalt entstanden. In mindestens zwei wesentlichen Elementen ihrer Lebensform standen sie im Gegensatz zum klassischen monastischen Ordensleben nach der Regel des Benedikt von Nursia: Zum einen bezogen die Minderen Brüder, wie Franziskus und seine Gefährten sich nannten, ihr strenges Armutsideal auf jeden einzelnen Bruder, erweiterten es allerdings neuartig auf die Gemeinschaft im Ganzen.
Zum anderen betrachteten die Brüder die ganze Welt als ihr Kloster, soll heißen, dass der Eintritt in eine Klostergemeinschaft nicht mit dem Rückzug aus der Welt einherging, sondern die Aufnahme in einen Orden war, der sich als Personenverband verstand, in dem Brüder Klöster als Orte zum Zweck der Predigt und Seelsorge nutzten.





