Den Überlieferungen nach könnten die Wikinger bereits im späten 8. Jahrhundert auf die Orkneyinseln gekommen sein. Zunächst waren es wahrscheinlich vor allem Rebellen und Piraten, die sich nicht den Königen von Norwegen unterwerfen wollten und die diese Inseln als Stützpunkt für Raubzüge und Angriffe nutzten. Gegen Ende des neunten Jahrhunderts soll dann König Harald Schönhaar diesem Treiben jedoch ein Ende gesetzt haben. Er setzte einen norwegischen Statthalter, einen Jarl, für die Inseln ein. Die Wikinger der Orkneys wurden damit offiziell Untertanen des norwegischen Königs. Unter den Jarls von Orkney war von 1093 bis 1103 auch Sigurd I., der später als König und Teilnehmer am ersten Kreuzzug Berühmtheit erlangte.
Skaill – ein Name als Indiz
Von der langen Geschichte der Wikinger auf den Orkneys zeugen bereits einige Ruinen und Wikingergräber. Ein weiteres Relikt der Wikingerkultur haben nun Forscher um Ingrid Mainland vom Archäologieinstitut der University of the Highlands and Islands (UHI) auf der Orkneyinsel Rousay entdeckt. Schon länger führen die Archäologen dort Ausgrabungen auf der Skaill-Farm durch, einem Gehöft aus dem 18. bis 19. Jahrhundert. Sein Name “Skaill” jedoch sprach bereits dafür, dass dieser Siedlungsplatz bis auf die Wikinger zurückgehen könnte. Denn Skaill bezeichnet in der altnordischen Sprache unter anderem eine Fest- oder Trinkhalle.
Hinzu kommt: Die Gegend von Westness auf der Südseite der Insel wird in der Wikingerchronik Orkneyinga als Wohnstatt von Sigurd erwähnt. Diese im 12. Jahrhundert verfassten Aufzeichnungen berichten von den ersten Jarls auf den Orkneys. “Es war daher nicht unwahrscheinlich, dass es irgendwo in Skaill auch eine Siedlungsstätte der Wikinger gegeben hat”, heißt es in einer Mitteilung der UHI. Tatsächlich hatten die Forscher bereits in den vorhergehende Grabungssaisons Hinweise für Ruinen aus der Wikingerzeit unter der alten Farm von Skaill gefunden.
Festhalle mit Steinbänken
In diesem Jahr aber gelang den Archäologen der entscheidende Fund: “Die aufregende Neuigkeit aus dieser Saison ist, dass wir jetzt die Halle von Skaill gefunden haben”, berichtet Projekt-Co-Leiter Dan Lee. Die Ausgrabungen enthüllten die Überreste von einem Meter dicken Mauern, die eine Halle von fünf Metern Breite und mindestens 13 Metern Länge umschlossen. An der Innenseite der Mauern sind zu beiden Längsseiten Steinbänke angebracht, die den Wikingern als Sitze dienten. Aus den Ähnlichkeiten der Form und Bauweise der Halle und der Bänke mit anderen schon bekannten Festhallen der Wikinger schließen die Forscher, dass es sich auch bei diesem Gebäude um eine Fest- oder Trinkhalle der Wikinger gehandelt haben muss.





