So beschreibt Rathenow im Vorwort zur 2006 erschienenen dritten Auflage sein Verhältnis zu der Stadt, die auf Jugendliche und Freiheitssuchende in der Enge der DDR wie ein Magnet wirken musste. Erstveröffentlicht wurde das Buch 1987 und zwar in der Bundesrepublik. In der DDR war es verboten, erreichte Ost-Berlin allerdings trotzdem und dort bald darauf auch Kultstatus. Die dritte Auflage wirkt vom Erscheinungsbild her ein wenig wie ein Reiseführer, allerdings wie einer der besonderen Art. Dies mag daran liegen, dass neben dem deutschen Text immer eine Spalte mit der englischen Übersetzung mitläuft, vielleicht aber auch an den Fotos Hauswarts, die des Öfteren Orte und Plätze zeigen, die auf der Reiseroute fast jedes Berlin-Touristen stehen. Rathenows Text, der aus unbekümmert erzählten Episoden besteht, erhebt nicht den Anspruch, Geschichte darzustellen. Was ihm allerdings gelingt ist, das soziale Geschehen, den Alltag in Ost-Berlin zu beschreiben. Er wendet sich den Menschen zu, fasst sie da, wo er sie gerade trifft. Ob das in der Kneipe, auf dem Alexanderplatz oder bei einem illegalen Hinterhofkonzert ist. Ob er über sich selber schreibt, über Freunde, Bekannte oder über fremde Menschen, die er zufällig auf der Straße trifft; immer schwingen in seinen Beschreibungen die Zeit und die Umstände der Diktatur mit. Ebenso ist es bei Hausweilers Fotos. “Den Zufall in dem Moment festzuhalten, in dem er zwangsläufig zu sein scheint”, formuliert Rathenow das Motto des Fotografen, dessen Ausstellung “Die ewige DDR” zu Beginn dieses Jahres cirka 100.000 Menschen in die Goethegalerie nach Jena lockte. Dies gelingt ihm wiederholt, bisweilen allerdings wirken einige seiner Aufnahmen ein wenig gestellt. Dadurch wirkt nicht der Moment zwangsläufig, sondern die Rezeption des Fotos beim Betrachter wird es. “Schnaps- und Drogenleichen gibt´s auch im Goldenen Westen – Muß man so was zeigen?”, schrieb ihm dann auch ein Besucher der Ausstellung ins Gästebuch.
Nichtsdestoweniger ist es den beiden gelungen, ein eindrückliches Dokument der Zeit zu erstellen, das dem Leser sowohl die Beklemmung der Stadt, in der Polizeikontrollen alltäglich waren, als auch die Art und Weise, mit der die Menschen damit und mit anderen Repressionen umgingen, vor Augen führt. Wer Ost-Berlin als Hauptstadt der DDR nicht erlebt hat, dem eröffnet das Buch eine Welt, die heutzutage und in unserem Kulturkreis undenkbar scheint.
Rezension: Habermehl, Axel





