Die Moai, die überlebensgroßen Steinfiguren der Rapanui, haben die Osterinsel berühmt gemacht: Die Steinkolosse zeugen von einer leistungsfähigen Kultur, die einst auf der entlegenen Pazifikinsel florierte. Dies verblüffte bereits die Europäer nach der Entdeckung der Insel am Ostersonntag des Jahres 1722. Man vermutet, dass die Kulturblüte des polynesischen Volkes der Rapanui bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts n. Chr. zu Ende gegangen war. Die Ursache für den Niedergang ist nach wie vor mysteriös. Doch man nimmt an, dass er mit einem enormen Bevölkerungsschwund einhergegangen war. Schätzungen zufolge haben zur Blütezeit der Kultur bis zu 17.500 Menschen auf der nur 24 Kilometer langen und 13 Kilometer breiten Insel gelebt. Dies wirft allerdings erneut Fragen auf, wie sich diese überraschend große Bevölkerung versorgen konnte – das gilt auch für den Aspekt des Trinkwassers.
Dem Trinkwasser der Rapanui auf der Spur
Wie die Forscher um Carl Lipo von der Binghamton-Universität erklären, bekommt die Insel nur vergleichsweise wenig Regen ab und dieser versickert sehr schnell in dem porösen Boden. Es gibt auf der Insel deshalb keine Fließgewässer und nur zwei sehr schwer zugängliche Kraterseen. Es wurden zwar Spuren kleiner Regenwasserspeicher der Rapanui gefunden. Sie konnten aber wohl kaum die Bevölkerung in trocken Zeiten versorgen, erklären die Forscher. Ihnen zufolge müssen sich die Erbauer der Moai noch auf andere Weise mit Trinkwasser versorgt haben. Grundlage ihrer Studie bildete eine mysteriöse Bemerkung in den Aufzeichnungen der europäischen Entdecker: Angeblich tranken die Ureinwohner Meerwasser. Das ist natürlich eigentlich nicht möglich: Der hohe Salzgehalt macht es nicht nur zu einem abstoßenden, sondern auch lebensgefährlichen Getränk.
Doch wie Lipo und seine Kollegen erklären, gibt es eine mögliche Erklärung für die Überlieferung. An manchen Meeresküsten der Erde tritt bei Ebbe Süßwasser aus dem Ufergestein aus und kann mit dem Meerwasser lokal zu Mischungen mit vergleichsweise geringem Salzgehalt führen. Dieses Brackwasser kann sogar Trinkwasserqualität erreichen, erklären die Wissenschaftler. So gingen sie im Rahmen ihrer Studie gezielt der Frage nach, ob es entsprechende Vorkommen im Fall der Osterinsel existieren.
Brackwasser-Trank beim Bau der Statuen?
Und sie wurden fündig: Es gibt demnach Bereiche an der Küste, an denen man Brackwasser abschöpfen kann, dass den Analysen des Salzgehalts zufolge trinkbar ist. “Die porösen vulkanischen Böden absorbieren schnell Regen, weshalb es keine Fließgewässer gibt”, sagt Lipo. “Doch glücklicherweise fließt das Wasser im Untergrund und verlässt den Boden dann an Stellen, an denen poröses Gestein auf den Ozean trifft. Bei niedrigen Gezeiten führt dies dazu, dass das Süßwasser direkt ins Meer fließt und genutzt werden kann”, resümiert der Wissenschaftler.





