Kaum etwas anderes verdeutlicht das Lebensgefühl der „Goldenen Zwanziger Jahre“ sinn- und augen-fälliger als die neuen Mode- und Schminkstile der Damen. Politische und gesellschaftliche Verände-rungen nach dem Ersten Weltkrieg führen zu einer regelrechten Befreiung in der Damenmode, die dem Selbstbewusstsein der „neuen“ Frauen entspricht. Der Verzicht auf das Korsett zugunsten von Unterwäsche aus elastischen Materialien ist dabei ebenso revolutionär wie das Hochrutschen der Rock- und Kleidersäume. Das Damenbein rückt so in den Blickpunkt. Durch die Übernahme männlicher Modeelemente unterscheidet sich die Frauenkleidung sehr vom femininen Ideal der Vorkriegszeit. Die Typen der Garçonne und des Girls werden geboren und verkörpern den Drang nach Jugendlichkeit, Schlankheit und Mobilität. Beiden Typen gemeinsam ist der Bubikopf – Symbol für jugendliches und modernes Aussehen. Während die Garçonne in Verhalten und Kleidung eher für den männlichen Typus steht, spielt das Girl mit den weiblichen Reizen und subtiler Erotik. Film und Theater sorgen für die schnelle Verbreitung des neuen Mode- und Schönheitsideals. Entscheidend für die Kommerziali-sierung und Idealisierung der Mode der Moderne ist jedoch die illustrierte Presse der Zeit. Unzählige Illustrierte, Mode- und Fachjournale sowie Bildbeilagen zu den großen Tageszeitungen erscheinen wöchentlich für das breite Publikum.
Die Ausstellung zeigt über 100 Modezeichnungen aus der Sammlung Modebild Lipperheidesche Kostümbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin aus den Jahren 1919 bis 1929, die die Mode- und Kunst-Strömungen der Zeit, besonders auch in den Metropolen Berlin, Paris und Wien wiedergeben. Einen weiteren Ausstellungsschwerpunkt bilden etwa 200 Puderdosen und Kosmetikartikel aus einer Berliner Privatsammlung. Die Objekte zeugen in ihrer unglaublichen Formen-, Farb- und Materialvielfalt von dem großen Bedarf an hochwertig gestalteten Kosmetikprodukten. Schönheits- und Körperpflege sind zuvor eine intime Angelegenheit gewesen und werden nun zu einem öffentlichen Gesprächs- und Werbethema. Schminken in der Öffentlichkeit wird akzeptabel. Erstmalig in der Öffentlichkeit zu sehen sind zahlreiche Textilien und Accessoires aus der Sammlung des Bomann-Museums, ergänzt durch Leihgaben aus Museums- und Privatbesitz. Neben Nachmittags- und Tageskleidern vermittelt besonders auch die Abendgarderobe mit Ball- und Tanzkleidern einen Eindruck vom Geist der Zwanziger Jahre auch im Raum Celle, inspiriert von den Modeströmungen in den Metropolen der Welt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.





