Seit der Erfindung des Buchdrucks hatten sich die Formate der frühen Printmedien stetig weiterentwickelt – im Jahr 1703 führte diese Entwicklung dann zu einem Druckwerk der besonderen Art: Am 8. August erschien die erste Ausgabe einer Tageszeitung, die von da an bis heute kontinuierlich berichtete – das Wien[n]erische Diarium. 1780 bekam das Blatt schließlich den Namen Wiener Zeitung, den es bis heute trägt.
Digitales Blättern in Zeitdokumenten
Dass sich seit seiner Gründung sämtliche Ausgaben erhalten haben, macht die Wiener Zeitung zu einer historischen Quelle von besonderem Wert. Viele geschichtliche Ereignisse und Personen werden erwähnt und auch die Veränderungen der Sprache sowie die Entwicklung des Journalismus spiegeln sich in den historischen Ausgaben wider. Die Dokumentensammlung ist dadurch eine wichtige Informationsquelle für zahlreiche geisteswissenschaftliche Fragestellungen.
Aus diesem Grund haben sich Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zum Ziel gesetzt, die Texte leichter lesbar und für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Drei Jahre lang haben sich Claudia Resch und Anna Mader-Kratky von der ÖAW der digitalen Transformation des Datenschatzes gewidmet. Mehr als 300 Ausgaben aus dem 18. Jahrhundert haben sie nun digitalisiert, wissenschaftlich erschlossen und online recherchierbar gemacht. Bei der Digitalisierung der Zeitungen kam eine selbstlernende, sogenannten „Handwritten Text Recognition“-Technologie zum Einsatz, die den Inhalt der Originale erfasste. Das Verfahren erreichte dabei eine Textgenauigkeit von 99,7 Prozent, berichtet das ÖAW.
Beispiele mit Bezug zur Corona-Krise
Beim digitalen Blättern durch das Diarium kann man feststellen, dass die Bandbreite der Themen durchaus mit der heutiger Zeitungen vergleichbar war. Aus aktuellem Anlass der Corona-Krise hebt das ÖAW die Berichterstattung über Pandemien hervor. In einer Ausgabe aus dem frühen 18. Jahrhundert heißt es beispielsweise: Es wird verlautbart, dass „wegen der in Frankreich grassirenden Pest / weder Personen / Vieh / noch Waaren / von dorten“ einreisen dürften. An einer anderen Stelle heißt es, dass „allda niemand Frembder / ohne sichern Paß / wegen der anderwerts im Schwung gehenden bösen Seuche / eingelassen werde“.
Diese Maßnahmen kommen uns heute in gespenstischer Weise vertraut vor. Vor rund 300 Jahren wurden Pandemien mit dem Überbegriff der Pest regelmäßig und häufig im Wie[n]erischen Diarium erwähnt, schreibt das ÖAW. Die Meldungen aus unterschiedlichen Regionen und Zeiten geben somit Einblicke darin, wie man damals mit Pandemien umgegangen ist.





