Melanchthon, der Verfasser der „Confessio Augustana“, wird oft als humanistischer Gelehrter beschrieben und sein eher ausgleichender, sanfter Charakter dem ungestümen Luther gegenübergestellt. Ansonsten wandelten sich die Meinungen über den in Bretten geborenen Reformator je nach dem Zeitgeschmack. Stefan Rhein und Martin Treu, beide von der Stiftung Luther-Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt, haben einen hochinformativen Tagungsband herausgegeben, der in zahlreichen Facetten die Melanchthon-Rezeption darlegt. Während im ersten Teil dem Nachleben des Reformators in der Theologiegeschichte, der Literatur und dem Schulbuch nachgegangen wird, widmet sich ein zweiter Teil dem bildlichen Andenken an Melanchthon von der Graphik bis zum Souvenir. Im dritten Teil schließlich wird das öffentliche Gedenken analysiert. Diese Beiträge behandeln die Gedenkfeiern in der Bundesrepublik und der DDR, die Präsentation von Leben und Wirken Melanchthons in den beiden Museen in Bretten und Wittenberg sowie die „Vermarktung“ des Reformators durch den Tourismus in beiden Städten. Dieser trug nicht zuletzt zu einer „Popularisierung“ Melanchthons bei. Wittenberg wurde so zum vielbesuchten Erinnerungsort nicht nur für Luther, sondern auch für Melanchthon.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





