Der Historiker Urs B. Leu nimmt den 350. Geburtstag des Universalgelehrten zum Anlass, dessen Leben umfassend nachzuzeichnen. Auf Grundlage von Scheuchzers Nachlass und weiterer handschriftlicher und gedruckter Quellen des 17. und 18. Jahrhunderts legt Leu erstmals eine vollständige Biographie vor, die Scheuchzers rege Wirksameit deutlich zum Ausdruck bringt.
Wie an anderen Orten Europas bildeten sich um 1700 auch in Zürich gelehrte Gesellschaften, deren Mitglieder die bahnbrechenden Ideen von Descartes, Kopernikus oder Thomasius diskutierten. Als Anhänger der frühaufgeklärten Naturwissenschaften bewegte sich Scheuchzer nicht nur in diesen Kreisen, er wurde sogar zu einem ihrer führenden Köpfe.
Scheuchzer unternahm zahlreiche Reisen in die Alpen. Er sezierte Murmeltiere und sammelte Berge von Material zur Naturkunde der Eidgenossenschaft. Aufzeichnungen seiner Schüler geben Einblicke, wie der Forscher auf seinen Expeditionen als einer der Ersten Höhenmessungen mit barometrischen Instrumenten vornahm.
Seine naturwissenschaftlichen Beobachtungen und Werke brachten Scheuchzer in ganz Europa Anerkennung. Er pflegte grenzüberschreitende Kontakte, unter anderem zu Mitgliedern der berühmten Royal Society. 1708 erschienen in London die ersten gedruckten Exemplare seiner „Itinera alpina“. Scheuchzer hatte zwar auf keinem der vielen Gebiete, in denen er wirkte, gänzlich neue Entdeckungen gemacht, aber es ist mit sein Verdienst, das auch in der Limmatstadt die europäische Frühaufklärung Einzug hielt.





