„Der populäre Pakt“ beschäftigt sich mit der Stellung und Entwicklung der Operette und des Feuilletons in Deutschland, Frankreich und Österreich von der Französischen Revolution bis zum Beginn des Nationalsozialismus. Durch eine Vielzahl von Beispielen aus Berlin, Paris und Wien erzählt die Autorin die Erfolgsgeschichte der Genres am „Leitfaden der Massenbewegung.“ In drei Teilen bespricht De Mazza verschiedene Aspekte dieser modernen und demokratischen Massenkultur und hebt dabei deren Anpassungsfähigkeit, Elastizität und Diversität hervor. Der „populäre Pakt“ bedeutet für sie die wechselseitige Abhängigkeit von Populärkultur und Öffentlichkeit.
De Mazza beginnt das Buch mit Siegfried Kracauers Feuilleton-Serie, die über den Alltag einiger Angestellten in Berlin berichtete und in der sich der Soziologe mit dem Charakter der neuen Öffentlichkeit auseinandersetzte. Kracauer fokussierte sich auf einzelne Menschen der neuen Massenkultur und wendete sich so vom Kollektivismus ab, um „Miniaturereignisse“ verstärkt zu erfassen. Die Angestellten erzählten dabei oft auch über ihre kulturellen Interessen, wie zum Beispiel Operettenübertragungen im Radio. Kracauers Interesse an Jacques Offenbach, dem Begründer der modernen Operette, erlaubt der Autorin die Verbindung des Feuilletons mit der Operette zu thematisieren.
Die zwei folgenden Teile behandeln vertieft die „Transformationsgeschichten moderner Öffentlichkeit.“ Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Massenvergnügen in den Tanzlokalen und Boulevards des nach-revolutionären Frankreich. Nach der Revolution ging es dort nicht nur um eine politische Neuerfindung, sondern auch darum, die revolutionäre Kultur von der des Ancien Régime abzugrenzen. So wurden öffentliche Feste für die Allgemeinheit zum neuen „Staats-Theater“, und die klassische Oper wurde als Inbegriff der souveränen Institution weitgehend in den Hintergrund gedrängt. Durch die „kleine Presse“ und deren Berichterstattung über öffentliche Feste übertrug sich diese Massenkultur auf das gesamte Land und veränderte gleichzeitig den Charakter des frühen Feuilletons. So zeigt die Autorin hier das Zusammenspiel der Politik mit dem Populären, sowie die Beziehung zwischen Festkultur und der Presse und verdeutlicht die dadurch entstehenden „Verhandlungen“ der modernen Massenkultur.
Der letzte Teil behandelt die Entwicklung der Operette in Frankreich und Österreich-Ungarn und arbeitet einige Unterschiede zwischen den Ländern heraus. Anhand des Tanzes zeigt die Autorin, wie sich die Operette über die Jahrzehnte veränderte: von dem schnellen „Bewegungsrausch“ der Offenbachiade Mitte des 19. Jahrhunderts zu dem langsamen Walzer der Wiener Operette um 1900. Auch bespricht sie die öffentliche Wahrnehmung der Operette in der Presse, die sich immer öfter die Frage stellte, welchen Wert solche „niederen“ Kulturformen hatten.





