Der Blick richtet sich auf den Ort Haltern am See im Regierungsbezirk Münster: Vor etwa 2000 Jahren befand sich dort ein römisches Militärlager zu dem auch ein Bestattungsbereich gehörte. Die Toten wurden dort vor allem in Urnengräbern bestattet. Der Untersuchung des Gräberfelds widmet sich ein Archäologenteam des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und der Universität Trier. Der spektakuläre Fund glückte dem 19-jährigen Praktikanten Nico Calmund. Zur Überraschung der Archäologen lagen Dolch und Waffengürtel nicht in einem Grabhügel selbst, sondern in der Verfüllung eines Grabens, der als Umfassung des Grabs diente.
“Für eine klassische Grabbeigabe ist dieser Fundort deshalb sehr ungewöhnlich”, sagt LWL-Römerexpertin Bettina Tremmel. Wie die beiden Objekte in den Graben gelangt sind, ist ihr zufolge unklar. “Ein zufälliger Verlust der kostbaren Waffe samt Gürtel an dieser Stelle scheint unwahrscheinlich. Denkbar wäre aber, dass der Dolch nach der Bestattung im Gedenken an den beigesetzten Kameraden dort niedergelegt wurde – aber das ist reine Spekulation”, so Tremmel.
Ein braunes Gebilde gibt seine Geheimnisse preis
Zum Zeitpunkt seiner Entdeckung sah der Fund allerdings noch keineswegs prächtig aus: Alles war von einer dicken Korrosionsschicht umgeben. “Es war aber sofort klar, dass der Fund so gut

wie möglich untersucht und restauriert werden musste”, erklärt LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger. Zunächst wurden die Teile dazu mittels Röntgenuntersuchungen und Computertomografie analysiert. Dabei wurden bereits die hohe Qualität der Waffe sowie einige Materialmerkmale deutlich. “Anhand der CT-Aufnahmen konnten wir erkennen, dass der Griff aus zahlreichen einzelnen Bauteilen aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt ist, die mit acht Nietstiften verbunden sind. Diese Informationen waren für die anschließende Restaurierung von großer Bedeutung”, so LWL-Restaurator Eugen Müsch. Darüber hinaus ergab die Analysen, dass die Klinge des Dolches einst aus unterschiedlichen Stählen gefertigt worden war.
Durch eine Kombination von Schleiftechniken und Sandstrahlen hat Müsch dann die Korrosionsschichten akribisch abgetragen. “Wenn man bedenkt, dass die Silberverzierungen stellenweise nur 0,15 bis 0,3 Millimeter dick sind, wird klar, wie vorsichtig man arbeiten muss”, beschreibt Müsch. Letztlich gelang es dem Restaurator aber, den Dolch unbeschadet aus der Scheide zu nehmen und allen Teilen nahezu das ursprüngliche Aussehen zurückzugeben. “Natürlich können wir ein 2000 Jahre altes Objekt nicht wie neu erscheinen lassen”, so Müsch. “Aber grundsätzlich entspricht das Aussehen nun wieder weitgehend der einstigen Optik.”






