Sie sind unter Archäologen bereits gut bekannt: Die ungewöhnlich geformten Tongefäße wurden an unterschiedlichen Orten in Europa entdeckt und haben sich über einen langen Zeitraum offenbar kaum verändert: Die frühesten Funde stammen aus der Jungsteinzeit – etwa um 5000 v. Chr. – und im Verlauf der Bronzezeit und bis in die Eisenzeit hinein wurden sie dann immer häufiger. Es handelt sich um Gefäße aus Ton, mit einer Struktur an der Seite, die offenbar dazu diente, eine enthaltene Flüssigkeit durch Saugen aufzunehmen. Es wurde zwar bereits vermutet, dass Babys oder Kleinkinder an ihnen nuckelten, doch auch andere Zwecke scheinen möglich: Es könnte sich etwa auch um das Pendant zur heutigen Schnabeltasse gehandelt haben, die der Versorgung von Kranken dient.
Was war da drin?

Um Hinweise auf die Funktion der Gefäße zu gewinnen, sind die Forscher um Julie Dunne von der University of Bristol nun der Frage nachgegangen: Was enthielten sie? Als Untersuchungsmaterial dienten ihnen Proben von Funden, die aus Bayern stammen. Die fünf bis zehn Zentimeter breiten Gefäße mit Schnabel wurden in Kindergräbern entdeckt, die auf die späte Bronzezeit sowie auf die frühe Eisenzeit datiert wurden. Das Team verwendete eine Kombination aus chemischen und isotopischen Analysemethoden, um den in den Gefäßen gefundenen Lebensmittelrückständen Informationen zu entlocken, die eine Zuordnung des einstigen Inhalts ermöglichen.
Wie die Forscher berichten, konnten sie die Signaturen von Fettsäuren nachweisen, die eindeutig aus der Milch von Wiederkäuern stammen. In den Gefäßen befand sich somit einst die Milch von domestizierten Rindern, Schafen oder Ziegen. In Kombination mit der Tatsache, dass die Funde aus Kindergräbern stammen, bestätigt sich damit: Offenbar wurden die Gefäße zur Fütterung von Säuglingen mit Tiermilch anstelle von Muttermilch und / oder im Verlauf der Entwöhnung eingesetzt. “Diese besonderen Gefäße geben uns damit wertvolle Informationen darüber, mit was und wie Babys vor Jahrtausenden gefüttert wurden”, sagt Dunne.
Möglicherweise weitreichende Bedeutung
Dadurch dass die Tradition dieser Gefäße bis auf die Jungsteinzeit zurückreicht, wirft das Studienergebnis nun möglicherweise auch Licht auf das starke Bevölkerungswachstum, das in dieser Epoche einsetzte, geht aus einem Kommentar zur Studie hervor. Grundsätzlich war der Babyboom wohl mit der verbesserten Nahrungsversorgung verknüpft: Im Laufe der Jungsteinzeit wurden in vielen Teilen Europas die Jäger-und-Sammler-Kulturen von bäuerlichen Gemeinschaften ersetzt, die durch Getreideanbau und Viehhaltung vergleichsweise viel Nahrung erzeugen konnten. Doch auch ein weiterer Aspekt könnte zum Bevölkerungswachstum beigetragen haben: Man nimmt an, dass während der Jungsteinzeit die Entwöhnung der Kinder von der Muttermilch früher erfolgte als zuvor. Dies könnte die Verwendung von tierischer Milch ermöglicht haben, wie die aktuelle Studie nun bestätigt.





