Als 1870 der geschichtsinteressierte Pharmazeut Ludwig Leiners das Rosgartenmuseum gründete, bestimmte die Abkehr vom „finsteren Mittelalter“ das Denken der Konstanzer Stadtbürger – historische Befestigungsanlagen wurden abgebrochen, alte Stadthäuser modernisiert. Das Museum, das Platz in einem spätmittelalterlichen Zunfthaus fand, diente daher zunächst als Altertumshalle, um die ausstellungswürdigen, aber von der Stadtbevölkerung kaum beachteten Überreste jener Epoche zu bewahren. Indem das Zunfthaus Museum wurde, also selbst das größte Exponat dieser Einrichtung darstellt, verschränkt sich die Geschichte des Ortes mit der des Museums sowie mit der Historie der Stadt Konstanz.
Die massiven neugotischen Holzvitrinen, die dem Besucher im ersten Ausstellungsraum des Erdgeschosses begegnen, regen zu einer Zeitreise an: Im sogenannten Historischen Saal wird vermittelt, wie museale Präsentation Ende des 19. Jahrhunderts – und damit auch das Rosgartenmuseum zu Zeiten seiner Gründung – verstanden wurde. Dicht an dicht reihen sich die Exponate aneinander, stets nach Kategorien und nicht nach Fundkontexten sortiert, so dass ein Schaukasten ausschließlich Faustkeile der am Boden-see gefundenen Pfahlbaukultur beherbergt, während in anderen Vitrinen Schmuckstücke dieser Kultur oder auch Fossilien zu sehen sind. Das Museum stellt sich auf diese Weise selbst aus; eine moderne Einordnung bietet der Audioguide.
Die weiteren Räume des Erdgeschosses rücken die Konstanzer Stadtgeschichte in den Fokus: von den Ursprüngen der Besiedlung in römischer Zeit über die Erlangung der Stadtrechte im Mittelalter bis hin zur Periode unter österreichischer Verwaltung während der Vormoderne. Der Wille der Kuratoren, die Geschichte des Zunfthauses zu wahren und gleichzeitig dem heutigen Besucher eine ansprechende Ausstellung zu bieten, spiegelt sich nicht nur in den baulichen Lösungen – hölzerne Balkendecken und dezent eingefügte Vitrinen – wider. Auch vermeintlich veraltete Exponate wie ein Stadtmodell aus dem Jahr 1860 werden durch ergänzende Medienstationen und aktuelle Luftbildaufnahmen der Stadt sinnvoll eingebunden.
Das Obergeschoss teilt sich in einen rechten und einen linken Flügel. Deutlich wird in diesem Bereich, warum sich das Rosgartenmuseum nicht nur als Kultur-, sondern auch als Kunstmuseum versteht: Zahlreiche Gemälde aus der Hand Konstanzer Maler, galerieartig eingebettet in die historische und von prunkvollen Holzvertäfelungen bestimmte Raumkulisse, warten darauf, entdeckt zu werden. In den beiden Räumen zur Linken des Treppenhauses dominieren das 18. und das 19. Jahrhundert. Ein Museumskino bietet zudem die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Konstanzer Stadtgeschichte zu verschaffen.
Im rechten Flügel führt die Reise durch die Jahrhunderte immer weiter zurück: vom 17. Jahrhundert über die Zeit der Reformation und Gegenreformation bis hin zur äußerst imposanten Sakralkunst des Mittelalters, der einer der größten Ausstellungsräume gewidmet ist. Quantität und Qualität der Werke belegen, dass die Stadt im ausgehenden Mittelalter eine Blütezeit durchlebte.





