Als 1870 der geschichtsinteressierte Pharmazeut Ludwig Leiners das Rosgartenmuseum gründete, bestimmte die Abkehr vom „finsteren Mittelalter“ das Denken der Konstanzer Stadtbürger – historische Befestigungsanlagen wurden abgebrochen, alte Stadthäuser modernisiert. Das Museum, das Platz in einem spätmittelalterlichen Zunfthaus fand, diente daher zunächst als Altertumshalle, um die ausstellungswürdigen, aber von der Stadtbevölkerung kaum beachteten Überreste jener Epoche zu bewahren. Indem das Zunfthaus Museum wurde, also selbst das größte Exponat dieser Einrichtung darstellt, verschränkt sich die Geschichte des Ortes mit der des Museums sowie mit der Historie der Stadt Konstanz.
Die massiven neugotischen Holzvitrinen, die dem Besucher im ersten Ausstellungsraum des Erdgeschosses begegnen, regen zu einer Zeitreise an: Im sogenannten Historischen Saal wird vermittelt, wie museale Präsentation Ende des 19. Jahrhunderts – und damit auch das Rosgartenmuseum zu Zeiten seiner Gründung – verstanden wurde. Dicht an dicht reihen sich die Exponate aneinander, stets nach Kategorien und nicht nach Fundkontexten sortiert, so dass ein Schaukasten ausschließlich Faustkeile der am Boden-see gefundenen Pfahlbaukultur beherbergt, während in anderen Vitrinen Schmuckstücke dieser Kultur oder auch Fossilien zu sehen sind. Das Museum stellt sich auf diese Weise selbst aus; eine moderne Einordnung bietet der Audioguide.





