Schon früh hatte das Christentum in England Fuß fassen können. Bis zu dem vom Jahr 122 an errichteten Hadrianswall zwischen der Mündung des Tyne und dem Solway Firth reichte die britannische Provinz des Römischen Reichs, und deshalb werden von dieser Zeit an auch Christen den Weg auf die Insel gefunden und kleine Gemeinden gegründet haben. Nach Ausgrabungsfunden kann man davon ausgehen, dass die britische Kirche um 400 fest im Land verankert war. Mit dem Abzug der römischen Soldaten bis zum Jahr 410 und der Invasion heidnischer Angeln, Jüten, Sachsen und Friesen geriet das Christentum jedoch ins Hintertreffen. Die im 6./7. Jahrhundert entstandenen sieben Königreiche Kent, Sussex, Essex, Wessex, East Anglia, Mercia und Northumbria waren jedenfalls heidnisch.
Der erste christliche König Englands war Æthelberht von Kent (560–616). Papst Gregor der Große (590–604) hatte die kühne Idee, die alten römischen Kirchenprovinzen Britanniens wiederherzustellen, und schickte dazu Missionare nach England. Was mag ihn zu diesem Plan bewogen haben? Einer nett erfundenen Legende nach soll er einst beim Bummel über den römischen Markt Sklaven getroffen haben, deren Volksnamen Anguli er als angeli, Engel, verstand. Wenn, so Gregors Schluss, es dort schon einen Stamm mit einem solch frommen Namen gebe, müsse den Leuten auch das Evangelium verkündigt werden. Mehr für sich hat die Vermutung, dass Æthelberhts Frau Bertha den entscheidenden Anstoß gegeben hat. Denn die fränkische Königstochter war Christin, und Bestandteil des Ehevertrags war die Zusicherung, dass sie ohne Einschränkungen ihren Glauben ausüben durfte. So wird in Kent eine erste kleine Christengemeinde aufgebaut worden sein. Der kentische König hatte wohl das Ziel, zur Intensivierung des Handels nähere Kontakte mit der christlichen Welt auf dem Kontinent zu knüpfen. Wie dem auch sei: Papst Gregor sandte unter der Leitung des Priors Augustinus (gest. 604) 40 römische Missionare auf die lange Reise nach England. Nach dem Bericht von Beda Venera-bilis (672/73–735), dessen 731 abgeschlossene Kirchengeschichte des englischen Volkes die wichtigste Quelle für diese Zeit ist, landeten sie im Frühjahr 597 auf der zu Kent gehörenden Insel Thanet und ließen Æthelberht wissen, sie brächten eine „sehr gute Nachricht, die denen, die sie befolgten, ewige Freuden im Himmel und das zukünftige Reich ohne Ende beim lebendigen und wahren Gott ohne jeden Zweifel verspreche“.
Zweifel an der guten Nachricht scheint der König nicht gehabt zu haben, gleichwohl ging er die Sache mit äußerster Vorsicht an. Denn, so entgegnete er: „Schön sind zwar die Worte und Versprechungen, die ihr vorbringt; aber weil sie neu und ungewiss sind, kann ich ihnen nicht meine Zustimmung geben unter Aufgabe der Dinge, denen ich so lange Zeit mit dem ganzen Volk der Engländer gedient habe“. Das war klug, denn wie jeder heidnische Herrscher konnte Æthelberht nicht einfach den althergebrachten Kult aufgeben, bevor er nicht auch die konservativeren Herren seiner Gefolgschaft von dem Nutzen eines Religionswechsels überzeugt hatte. Immerhin erlaubte er den Missionaren die Verkündigung des Evangeliums. Ein Anfang war gemacht. Bald stellten sich Erfolge ein, und Augustinus konnte Papst Gregor jubelnd berichten, zu Weihnachten 597 seien mehr als 10000 Angeln getauft worden. Augustinus wurde zur Belohnung zum Bischof erhoben. Schnell wurde von Rom Verstärkung auf die Insel geschickt und der Aufbau einer Bistumsorganisation in Angriff genommen. Trotzdem entwickelte sich die Durchsetzung des neuen Glaubens nur zögernd, und offensichtlich lebten Heiden und Christen in Kent für einige Jahre schiedlich-friedlich nebeneinander. Mit Rücksicht auf die Unbeweglichkeit des Volkes war der inzwischen getaufte Æthelberht ohnehin der Meinung, der „Dienst für Christus müsse freiwillig, nicht erzwungen sein“, wie Beda überliefert. Man kann eben ein ganzes Volk nicht im Handumdrehen bekehren…





