Zu den am häufigsten geäußerten historischen Urteilen im Hinblick auf die kirchliche Entwicklung gehört dies: Es habe durch die Reformation das gesprochene Wort das Bild im Kirchenraum abgelöst; dieses sei außerdem an die Stelle von Ritualen getreten. Aber gab es diesen „Medienwandel“ wirklich, und war die Reformation sein Auslöser? Die inzwischen in Konstanz lehrende Mittelalter-Historikerin Gabriela Signori geht diesen Fragen nach. Sie untersucht in ihrer Studie „Räume, Gesten, Andachtsformen“ den spätmittelalterlichen Kirchenraum als Ort der Kommunikation. Sie beginnt mit der Kanzel und ihrer Gestaltung, um sich dann dem Vordringen der Schrift im spätmittelalterlichen Kirchenraum zuzuwenden. Die größere Bedeutung des Wortes korrespondiert mit der Einführung des Kirchengestühls. Signori untersucht, ob dies tatsächlich erst mit der Reformation in die Kirchen kam. Schließlich richtet sie ihr Augenmerk auf den Wandel von Andachtsformen und die Nutzung von Andachtsbüchern durch Frauen. Es gelingt ihr, mit manchem Vorurteil über die „Epochen- zäsur“ Reformation aufzuräumen und – unter Einbezug von Bildquellen – anschaulich zu zeigen, daß die Reforma-tion in vielem lediglich fortsetzte, was in der mittelalter-lichen Gedankenwelt bereits vorhanden war.
Rezension: Talkenberger, Heike





