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Rasend schnell auf Linie gebracht
Die neuen Herren trieben mit Nachdruck die Gleichschaltung Österreichs voran. In der Steiermark und seiner Landeshauptstadt gab es dafür optimale Voraussetzungen: Graz war schon seit Jahren eine Hochburg des Nationalsozialismus gewesen.
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Mit einer Massenkundgebung wurde am 25. Juli 1938 in Graz die NS-Machtübernahme gefeiert. In Erinnerung an den gescheiterten nationalsozialistischen Putsch vom Juli 1934 in Österreich stand sie unter dem Motto „Und ihr habt doch gesiegt“. Der heutige Platz am Eisernen Tor war mit der verhüllten Mariensäule ebenso mit NS-Insignien dekoriert wie die Herrengasse mit Hakenkreuzfahnen. Nationalsozialistische Formationen standen in Reih und Glied. Höhepunkt der Feierlichkeit war die Mitteilung, dass Adolf Hitler Graz den Ehrentitel „Stadt der Volkserhebung“ verliehen hatte.
Mit dieser Feier stellten die neuen Herrscher ihre Macht propagandistisch zur Schau. Sie ist zugleich Verweis auf die spezifische NS-Geschichte der Steiermark und von Graz in dieser Zeit. Denn bereits in den 1930er Jahren hatte die NSDAP hier erheblichen Zulauf erfahren. Nicht zuletzt durch die Verschmelzung mit dem „Steirischen Heimatschutz“ war sie 1933 zur Massenbewegung avanciert. Auch das Parteiverbot vom 19. Juni 1933 durch den austrofaschistischen Ständestaat beendete die Aktivitäten der Nationalsozialisten nicht, und so waren die Jahre bis 1938 von ständiger Agitation der Braunhemden bis hin zu terroristischen Anschlägen geprägt.
„Drei Wochen vor dem Anschluss hatten wir das Heft in der Hand“
Zu Beginn des Jahres 1938 verstärkten die Nationalsozialisten ihre Agitationen, die mit dem Besuch von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg bei Adolf Hitler am Obersalzberg am 12. Februar 1938 vor allem in Graz und Leoben in öffentliche Massenkundgebungen übergingen. Der spätere NS-Gauhauptmann und Gauwirtschaftsberater, Universitätsprofessor Armin Dadieu, der maßgeblich die NS-Kundgebungen im Februar und März sowie den „Anschluss“ in Graz mit orchestrierte, hielt in seinen 1978 publizierten Memoiren dazu fest: „Es war die Zeit, als Schuschnigg vom Obersalzberg zurückkam und wir in der Steiermark eine solche Welle der nationalen Begeisterung entfacht haben, dass wir etwa drei Wochen vor dem wirklichen Anschluss praktisch das Heft in der Hand hatten.“ Der Höhepunkt der später als „Volkserhebung“ euphemistisch beschriebenen Ausschreitungen war das Hissen einer Hakenkreuzfahne am Grazer Rathaus in der Nacht des 24. Februar. Sie war Symbol der nationalsozialistischen Stärke und der Herrschaft über die Straße durch lokale Nazis.
Somit war der „Anschluss“ in der Steiermark, der durch die Landung deutscher Truppen am Flughafen Graz-Thalerhof am 12. März 1938 auch militärisch vollzogen wurde, vor allem durch die Selbstermächtigung der steirischen Nationalsozialisten gekennzeichnet. Noch am 11. März, als Armin Dadieu die Machtübernahme ankündigte, wurden die Häuser der Landeshauptstadt beflaggt, und die Straßen waren voll von Menschen und Formationen von SS und SA. Die in Graz lebende Schriftstellerin Hélène Grilliet schilderte diese Stunden in ihrem 1938 publizierten Buch „Eine Französin erlebt Großdeutschland“ wie folgt: „Abends. Schuschnigg soll zurückgetreten sein. Sei es Gerücht oder Tatsache, ich stürze wie alle Menschen auf die Straße, ich muss Gewissheit haben. Die Straßen sind schwarz von Menschen, die ununterbrochen ‚Sieg Heil!‘ – ‚Heil Hitler!‘ schreien. Es grollt, es donnert herauf, dass einem vor Schreck das Herz stillstehen könnte. Wie ein durchgebrochener Strom wälzt sich die brüllende Menge. Die Ketten von Soldaten sind gesprengt, die Maschinengewehre verschwunden. Vom Rathaus flattert eine mächtige Hakenkreuzfahne. Der Bürgermeister hat sie selbst vor einer Stunde hissen lassen und sich daraufhin empfohlen.“
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War Grilliet vom Taumel der Kundgebungen überwältigt, so herrschte bei der jüdischen Bevölkerung das Gefühl der Bedrückung vor. Der jüdische Kaufmann Carl Neufeld aus Straßgang im Süden von Graz schrieb über diese Stunden in seinen im Februar 1940 verfassten Memoiren: „Es sind Minuten größter Erregung und Spannung. Die Straße ist voll mit Menschen. Gleich nach 8 h verkündet der Ansager im Radio: Bundeskanzler Schuschnigg wird sprechen. Und wirklich ertönt alsbald seine Stimme. Seine Worte sind … mit gebrochenem, traurigem Akzent. Er sagt, der Führer hat ihm heute ein Ultimatum gestellt. Deutsche Truppen marschieren bereits über die Grenze. Er weiche der Gewalt. Es soll sich niemand widersetzen und er will nicht haben, daß Menschenblut fließt. ‚Gott schütze Österreich‘, das sind seine letzten Abschiedsworte. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.“
Landesrabbiner David Herzog beschrieb seine Eindrücke der Situation später so: „Nie werde ich diese Stunde vergessen. Es war ein furchtbarer Schlag für mich, und ich wusste, dass der Welt furchtbare und harte Stunden schlagen werden. Mein Gefühl täuschte mich leider nicht. Was ich jetzt zu schildern mich anschicke, gehört wohl zu den düstersten und traurigsten Kapiteln der Weltgeschichte, und dass ich einmal ein solches Kapitel werde schreiben müssen, hatte ich wohl nie geahnt.“
In der Nacht zum 12. März dankte schließlich Landeshauptmann Rolph Trummer ab und wurde durch den bisherigen illegalen Gauleiter Sepp Helfrich ersetzt. Diesem folgte im Mai 1938 der Jurist Sigfried Uiberreither. Armin Dadieu wurde Landesstatthalter und Julius Kasper Oberbürgermeister von Graz.
Die „Volksgemeinschaft“ – Verlockungen und Zwang
Unmittelbar mit der Machtübernahme begannen Trupps von SS und SA sowie die bereits massiv von der NSDAP unterwanderten Sicherheitsbehörden mit den ersten Verhaftungen. Auf der Grundlage vorbereiteter Listen wurden zunächst führende Funktionäre des austrofaschistischen Ständestaates ebenso verhaftet wie solche des Österreichischen Heimatschutzes. Dazu kamen ehemalige Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes, der Sozialdemokratischen und der Kommunistischen Partei sowie führende Vertreter der jüdischen Gemeinde.
Als am 2. April 1938 der erste Häftlingstransport aus Österreich, der sogenannte Prominententransport, im KZ Dachau eintraf, waren unter den 150 Häftlingen mit dem Sicherheitsdirektor für die Steiermark, Oberst Franz Zelburg, dem Landesführer der Vaterländischen Front, Alfons Gorbach, und dem Sozialisten Hermann Lackner auch drei Steirer.
Insgesamt wurden in diesen ersten Tagen und Wochen der NS-Herrschaft – häufig auch auf Basis von Selbstermächtigungen lokaler Nationalsozialisten – Tausende Menschen in „Schutzhaft“ genommen. Viele von ihnen wurden auf Weisung Heydrichs bis zur „Volksabstimmung“ im April wieder aus der Haft entlassen. Einige – vor allem jene, die für die Niederschlagung des Nazi-Putschversuchs von 1934 mitverantwortlich waren – wurden vor Gericht gestellt.
Nach den ersten Säuberungen im März setzten die neuen Machthaber in den folgenden Wochen alles daran, ihre Herrschaft nicht nur durch Gewalt und polizeiliche Unterdrückung, sondern auch durch Propaganda und Inszenierungen abzusichern. Im Zentrum standen dabei die lange Zeit angekündigten und versprochenen Segnungen der „NS-Volksgemeinschaft“, gepaart mit Antisemitismus.
Ansatzpunkte der NS-Propaganda waren die Krisen der Zwischenkriegszeit und deren scheinbare Überwindung durch die Nationalsozialisten. An die Stelle von vermeintlichem „Parteienzwist“ und politischer Instabilität setzten die neuen Herren das Führerprinzip. Nicht die Individualität des Einzelnen, sondern die bedingungslose Unterordnung aller Volksgenossen und -genossinnen in der „Volksgemeinschaft“ war das Ziel, wobei Volksgenosse bzw. Volksgenossin nur sein konnte, wer auch den rassistischen Kriterien entsprach. Als Lohn für die Teilhabe am Nationalsozialismus wurden Arbeit und Brot für alle ebenso in Aussicht gestellt wie Konsum und die Wiedererlangung nationaler Größe nach der „Schmach“ der Kriegsniederlage von 1918.
Gauleiter Sigfried Uiberreither brachte die Kernbotschaft der neuen Ideologie in einer Ansprache vor politischen Leitern der NSDAP am 3. Juli 1938 auf den Punkt: „Für den Volksgenossen, der ehemals politischer Gegner war, wird in diesem Staate in Zukunft immer Arbeit und Brot vorhanden sein, für den Juden dagegen nie.“
Die Prinzipien der „Volksgemeinschaft“ waren Einschluss und Ausschluss, Verlockung und Zwang. Demgemäß war vor allem das Jahr 1938 von zahlreichen propagandistischen Aktionen geprägt, die den Menschen einerseits die Grundsätze und Versprechungen der neuen Zeit klar vor Augen führen sollten und die andererseits auch realpolitisch die Umformung der Gesellschaft vorantrieben. So wurden mit dem „Anschluss“ an zentralen Orten „Ausspeisungen“ organisiert – die öffentliche Ausgabe von warmen Speisen an Bedürftige. Der „Eintopfsonntag“, an dem NS-Funktionäre gemeinsam mit den Volksgenossinnen und Volksgenossen bei einfachen Gerichten zu Tisch saßen, war das Sinnbild der in Aussicht gestellten Gemeinschaft sowie vermeintlicher Gleichheit.
Im Vorfeld der „Volksabstimmung“ vom 10. April 1938, die den „Anschluss“ nachträglich sanktionieren sollte und von der Oppositionelle durch Haft ebenso ausgeschlossen waren wie Jüdinnen und Juden, besuchten zudem Adolf Hitler und andere führende Nationalsozialisten wie Hermann Göring die Steiermark. Im Gepäck hatten sie vor allem das Versprechen, die steirische Wirtschaft anzukurbeln – nicht zuletzt die Schwerindustrie war durch die Weltwirtschaftskrise stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Regelmäßige Massenkundgebungen sorgten für das Gefühl einer andauernden Ausnahmesituation und versetzten die Menschen in Feierstimmung.
Während den Bauern die Entschuldung ihrer Höfe und Förderung der Landwirtschaft versprochen wurde, richtete sich das Hauptaugenmerk der Propaganda auf die mehrheitlich marxistisch orientierte Arbeiterschaft. Es galt, sie auf die Seite des Nationalsozialismus zu ziehen, und so wurde der 1. Mai, der ehemalige „Tag der Arbeit“, der bereits von austrofaschistischen Ständestaat zum Tag der ständischen Verfassung umfunktioniert worden war, nun zum „Tag der Freude, Tag der Volksgemeinschaft“.
Im Zentrum der Feierlichkeiten stand die Inszenierung der neuen Arbeitswelt, in der unter dem Dach der Deutschen Arbeitsfront (DAF) Arbeitgeber, Angestellte und Arbeiter in Harmonie zum Wohl der Volksgemeinschaft und des Staates vereint sein sollten. Darüber hinaus warb man mit den Verlockungen der bis dahin dem Bürgertum vorbehaltenen Konsumwelt. Mit der Teilorganisation der DAF, Kraft durch Freude (KdF), kam die Arbeiterschaft erstmals in den Genuss von Urlaubsreisen. Für jedermann zugängliche Produkte wie der „Volksempfänger“ wurden bald zu erschwinglichen Preisen angeboten.
Verdiente Nationalsozialisten profitieren von der „Arisierung“
Sozialer Aufstieg war jedoch auch im Rahmen der Beraubung der jüdischen Bevölkerung möglich. Im Zuge der sogenannten Arisierung oder „Entjudung der Wirtschaft“ wurden verdiente Nationalsozialisten mit lukrativen Posten als Kommissare oder Verwalter ebenso belohnt wie als „Ariseure“ durch die günstige Übernahme eines Betriebes oder einer Liegenschaft. Profitieren konnten sie auch durch die massenhafte Liquidation von Betrieben ehemaliger Konkurrenten.
In der Steiermark, in der es bis 1938 eine kleine jüdische Gemeinde von rund 2000 Mitgliedern gegeben hatte, waren 517 Handels- und Gewerbebetriebe sowie 536 Liegenschaften,
52 Industriebetriebe und ein Bankinstitut von Jüdinnen und Juden von der „Arisierung“ betroffen.
Einer der Profiteure war der Eisenbahner Franz Zanzerl aus Knittelfeld. Im austrofaschistischen Ständestaat wegen seiner NS-Betätigung entlassen, wurde er 1938 wieder eingestellt und zum Werkstättenmeister befördert. Mitte 1939 bemühte er sich bei der Vermögensverkehrsstelle in Graz um die „Arisierung“ des geschändeten jüdischen Friedhofes von Knittelfeld samt der darauf befindlichen Zeremonienhalle. Er beabsichtigte, diese zu einem Wohnhaus umzubauen, und das Gräberfeld sollte sein Garten werden. Sein Schreiben an die NS-Behörde beendete er mit den Sätzen: „Mitten durch das Gebäude ist der Durchgang zum Friedhof, dieser Durchgang müsste verändert werden, da würde Zimmer u. Küche daraus, nebenan ist noch ein ganz schöner Raum, dieser war die Leichenhalle, es ist ein Steinboden, dieser müsste herausgerissen werden u. ein Holzboden gelegt, diesen Raum möchte ich für ein Schlafzimmer herrichten. Auf diese Art und Weise würde aus einer jüdischen Kultusstätte ein schönes Wohnhaus für einen alten Nazi erschaffen.“
Parallel zu den Inszenierungen und Versprechungen der „Volksgemeinschaft“ wurde die Gleichschaltung der Gesellschaft vorangetrieben. Der Personalstand von Behörden und öffentlichen Einrichtungen, zum Beispiel Schulen und Universitäten, wurde gesäubert, indem missliebige Personen entlassen oder in den Ruhestand versetzt wurden; die nun freien Positionen besetzte man mit verdienten Nationalsozialisten und politischen Opportunisten. Vor allem das bürgerliche Vereinswesen war Ziel von Säuberungen: Der sogenannte Stillhaltekommissar für Vereine, Organisationen und Verbände in Österreich wickelte rund 70 000 Vereine und Organisationen ab. Viele dieser Vereine wurden aufgelöst, ihre Vermögen beschlagnahmt. Andere wiederum wurden in die Parteistruktur der NSDAP integriert.
Wohltätigkeitsvereine wurden nicht selten der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt angegliedert. Die jüdischen Vereine löste man ebenfalls auf, und in das ehemalige Vereinsheim des weltlichen jüdischen Ordens B’nai B’rith in der Keesgasse in Graz zog die SA-Brigade 94 ein, der auch der bekannte Alpinist Heinrich Harrer angehörte.
Die Presse und die Kirchen werden massiv unter Druck gesetzt
Auch das Zeitungswesen wurde gleichgeschaltet. Der Leykam-Verlag wurde in den Gauverlag überführt, und die „Tagespost“ zur NS-Gauzeitung umfunktioniert. Einzelne Zeitungen, wie das „Grazer Volksblatt“, wurden 1939 eingestellt.
Aber auch die Kirchen als machtvolle gesellschaftliche Institutionen waren Ziel der Nationalsozialisten. So löste man in der Steiermark die Klöster Admont, Rein, Vorau, Seckau und St. Lambrecht auf und schloss zudem die kirchlichen Schulen in Seckau und Vorau. Dort sollten in den folgenden Jahren zwei „Nationalpolitische Erziehungsanstalten“ – sogenannte Napola-Schulen – Platz finden.
Zudem ging man gegen den kirchlichen Einfluss auf das Leben der Menschen vor, indem öffentliche Prozessionen behindert oder verboten wurden. Vor allem Jugendliche sollten dem Einflussbereich der Kirche entzogen werden. Daher setzten die Verantwortlichen oft die Treffen der Hitlerjugend (HJ) zeitgleich mit Gottesdiensten oder den Treffen der Katholischen Jugend an. Mit der Zwangsmitgliedschaft in der HJ seit März 1939 stieg der Druck auf die Jugendlichen, zumal bei Zuwiderhandeln Strafen drohten.
All jene, die den Verlockungen nicht erlagen oder sich den nationalsozialistischen Zielen und der „Volksgemeinschaft“ nicht unterwerfen wollten oder aufgrund ihrer Abstammung nicht Teil der NS-Gemeinschaft sein durften, wurden konsequent und mit großer Brutalität verfolgt. Politisch und weltanschaulich Oppositionelle, Jüdinnen und Juden, Roma/Romnja, Sinti/Sintize ebenso wie Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen, die den rassenhygienischen Vorstellungen ebenso wenig
wie dem Leistungsdiktat entsprachen, wurden zu Opfern des Regimes.
Ein Dickicht von Verordnungen und ein eifriger Verfolgungsapparat
Dabei achtete das Regime jedoch darauf, dass alle Verfolgungsmaßnahmen einen „quasilegalen“ Anstrich erhielten. Die öffentlichen Ämter, Schulen und Universitäten wurden durch die „Verordnung zur Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums“ vom 31. Mai 1938 von politischen Gegnern ebenso wie von Jüdinnen und Juden gesäubert. Wer als Jüdin oder Jude zu gelten hatte, wurde durch die Nürnberger Rassengesetze von 1935 und deren Durchführungsbestimmungen geregelt. Das „Heimtückegesetz“ (1934), sowie die „Kriegssonderstrafrechtsverordnung“ (1938), die „Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen“ (1939) oder die „Verordnung gegen Volksschädlinge“ (1939) waren nur einige der Unrechtsgesetze, die die Basis der weiteren Verfolgungsmaßnahmen bildeten.
Vor allem die „Verordnung gegen Volksschädlinge“ offenbarte den Charakter nationalsozialistischen Rechtsverständnisses, wurde darin als Gradmesser der Strafhöhe doch das „gesunde Volksempfinden“ herangezogen. Damit war jeder und jede, die sich nicht den Zielen des Nationalsozialismus unterordnen wollte oder gar dagegen arbeitete, potentielles Opfer des Terrorapparates.
Die Instrumente der Verfolgung waren die SS, ihr Sicherheitsdienst (SD), das NS-Justizsystem sowie die Gestapo. Letztere hatte ihren Sitz in Graz in der Paulustorgasse, wo mehr als 100 Personen ihren Dienst versahen. Ebenso, wie die Verfolgungsmaßnahmen öffentlich waren, so waren auch die Existenz der Gestapo sowie ihre Aufgaben bekannt. Im Juli 1938 berichtete die „Tagespost“ über die „Eröffnung des neuen Gebäudes der Dienststelle Graz der Geheimen Staatspolizei“.
In den Unterabteilungen der Dienststelle wurden die „Linksopposition“, Verstöße gegen das „Rundfunk- und Heimtückegesetz“ (IVA); „Rechtsopposition“, „Religions- und Judenangelegenheiten“ (IV B); „Ausländerangelegenheiten“ (IV C); „Schutzhaft- und KZ-Angelegenheiten“ (IV D) sowie „Spionage und Grenzangelegenheiten“ (IV E) bearbeitet. Schätzungen gehen davon aus, dass die Gestapo Graz rund 5000 Personen, ohne dass diese einem Gericht vorgeführt worden sind, in ein Konzentrationslager überstellte.
Die Gestapo Graz betrieb darüber hinaus Grenzkommandos und 1942 auch eine Außenstelle in Leoben. Dennoch war ihr Personalstand letztlich gering: Ohne Zuträger aus der Bevölkerung oder durch V-Männer wäre die angestrebte Überwachung kaum möglich gewesen.
Tausende Menschen, die sich gegen das Regime wandten, wurden bis 1945 verhaftet und verfolgt, und mehr als 750 Jüdinnen und Juden aus der Steiermark wurden Opfer der Schoah. Diesen Opfern steht jedoch die große Mehrheit der Steierer und Steierinnen gegenüber, die sich entweder aktiv am Regime beteiligte und dessen Politik mittrug, davon profitierte oder die Unrechtsherrschaft einfach nur akzeptierte.
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