Fast drei Jahre lang hielt der Aufstand einer Gruppe Sklaven um den entflohenen Gladiator Spartacus das antike Rom in Atem. Kreuz und quer zogen die Aufständischen über die italienische Halbinsel und verbreiteten Angst und Schrecken unter den Bürgern Roms. Sie vermochten es jedoch nicht, eine langfristige Strategie…
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Ein Thraker und ehemaliger Soldat der römischen Hilfstruppen soll dieser Spartacus gewesen sein, ehe er als Sklave nach Italien gelangte und in die Gladiatorenschule des Gnaeus Cornelius Lentulus Vatia nach Capua verkauft wurde. Die Thraker, die aus dem heutigen Bulgarien stammten, galten als gute Kämpfer. Sogar ein bestimmter Typ Gladiator war nach ihnen benannt. Viel mehr ist über Spartacus als Person aber nicht bekannt. Weder ein Kampfrekord noch eine Beschreibung seines Äußeren oder gar seiner Persönlichkeit sind überliefert.
Erst mit dem Ausbruch von etwa 70 Kämpfern aus der Schule des Vatia im Jahr 73 v. Chr. tritt er als Persönlichkeit in die Geschichte ein. Allerdings lassen die Quellen auch für die folgenden Jahre vieles im Dunkeln, Zusammenhänge lassen sich oft nur erschließen. Völlig unklar ist, was die Gladiatoren bewog, mit Küchenmessern bewaffnet, wie Plutarch zu berichten weiß, aus der Schule des Vatia auszubrechen. War es die Grausamkeit ihres Herrn? War es die Furcht vor dem Kampf in der Arena? War es ein unbändiger Freiheitsdrang?
Die Römer hatten ein ambivalentes Verhältnis zu ihren Gladiatoren. Diese flößten ihnen – wenn sie sich in der Arena bewährten – Furcht, aber auch Respekt ein. Erfolgreiche Gladiatoren fanden oft Bewunderer und gelangten teils sogar zu Vermögen. Sie konnten eine Familie gründen und wurden nicht selten nach einer Reihe von Kämpfen freigelassen. Ob Spartacus Kinder hatte, ist nicht belegt, eine Gefährtin jedoch schon. Diese sei wie er eine Thrakerin gewesen, berichtet Plutarch – und soll über seherische Fähigkeiten verfügt haben.
Zulauf von Sklaven aus den großen Landgütern
Als eines Nachts eine Schlange über das Gesicht des Gladiators kroch, soll seine Gefährtin darin ein göttliches Zeichen erkannt haben. In der thrakischen Kunst und Kultur spielte dieses Reptil eine besondere Rolle: Heldendarstellungen zeigen häufig eine Schlange. Die geheimnisvolle Frau soll darüber hinaus eine Anhängerin des Dionysos gewesen sein, eines höchst flexiblen Gottes, der Gott des Weines und des Theaters, der aber auch für Macht, Reichtum, Freiheit und Wiedergeburt stand. In Thrakien war sein Kult weit verbreitet, die Römer hingegen misstrauten ihm, er stand für Süditalien, für Rebellion.
Im Jahr 186 v. Chr. war man hart gegen Dionysos-Anhänger vorgegangen, seitdem durften nur Frauen, Ausländer und Sklaven diesen Gott verehren. Er galt als Gottheit der Machtlosen, mehrere Sklavenaufstände bezogen sich auf ihn. Für die Sklaven, die Spartacus folgten sollten, war die Prophezeiung der Frau daher ein klares Signal. Sie ließ ihre Rebellion als eine heilige Pflicht erscheinen und machte Spartacus zu ihrem Anführer.
Thraker, aber auch Germanen und Kelten gehörten zu den ersten Anhängern des Spartacus, die sich, nachdem sie eine eilig zusammengestellte Truppe Verfolger in die Flucht geschlagen hatten, auf einen nahe gelegenen Berg zurückzogen: den Vesuv. Dieser war vor dem Ausbruch 79 n. Chr. wesentlich höher, als seine Überreste es heute vermuten lassen. Die Umgebung galt als sehr fruchtbar – und war voller Sklaven, die auf den Ländereien reicher Landbesitzer arbeiteten. Rasch fanden sich neue Anhänger, die sich Spartacus anschlossen. Am Vesuv wurde aus der übersichtlichen Gruppe entflohener Gladiatoren eine kleine Armee.
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Doch auch der Samen des Untergangs wurde in dieser frühen Phase der Rebellion gesät. Die sehr hierarchisch organisierten Kelten unter den aufbegehrenden Sklaven wollten sich Spartacus nicht unterordnen. Daher wählten sie ihre eigenen Anführer: Krixos (auch Crixus) und Oenomaus. Während sich die Rebellen am Vesuv organisierten, wurde im rund 200 Kilometer entfernten Rom die Aufstellung neuer Legionen beschlossen. Das Problem der Römer war, dass ihre erfahrensten Truppen und Offiziere gerade anderswo im Einsatz waren. Seit rund 15 Jahren führte man in Kleinasien Krieg gegen Mithridates VI., den König von Pontos. Zudem machten kilikische Piraten die Meere unsicher, und der talentierteste römische Feldherr, Gnaeus Pompeius, war mit der Bekämpfung der Meuterei des Sertorius in Spanien beschäftigt.
Den neu ausgehobenen, unerfahrenen Truppen konnten daher nur Kommandeure aus der zweiten oder dritten Reihe vorangestellt werden. Immerhin erkannte der mit dem Vorgehen gegen Spartacus beauftragte Prätor Gaius Claudius Gaber, dass er nicht gerade die Elite des römischen Heeres unter seinem Kommando hatte, und wählte daher einen konservativen taktischen Ansatz: Er blockierte den Aufgang zum Vesuv und wartete ab. Den Berg hinauf anzugreifen traute er seinen Legionären nicht zu.
Asymmetrische Kriegsführung – schnelle Angriffe aus dem Hinterhalt und Nachtattacken
Doch Spartacus und seine Anhänger tricksten ihn aus, indem sie Ranken von wildem Wein zu Leitern flochten und an einem unbewachten, sehr steilen Abhang den Abstieg meisterten. Spartacus verstand, dass selbst unerfahrene römische Legionen unter zweitklassigen Kommandeuren kaum zu besiegen waren, wenn man zu ihren Bedingungen kämpfte. Er wählte daher einen asymmetrischen Ansatz, er setzte auf schnelle Überfälle, auf Hinterhalte – und auf Nachtangriffe. So überraschte er die Römer tatsächlich im Schlaf, drang in ihr Lager ein und machte reiche Beute.
Der Senat schickte nun einen neuen Kommandanten: Der Prätor Publius Varinius führte frische Truppen nach Süden. Ihm wurde ein weiterer Prätor zu Seite gestellt, Lucius Cossinius. Der soll gerade beim Baden gewesen sein, als er von einem neuen Angriff Spartacus’ überrascht wurde.
Während die Römer ihre Wunden leckten, hatte aber auch Spartacus mit Problemen zu kämpfen. Zwar erhielt seine Armee einen beständigen Zulauf an neuen Rekruten aus den umliegenden Ländereien, doch mit dem Gegner in der Nähe wurde die Versorgung vieler hungriger Kämpfer zum Problem. Es kam zu Meinungsverschiedenheiten über das weitere Vorgehen. Spartacus wollte eine größere Schlacht unbedingt vermeiden. Die Römer würden sich eine oder mehrere Niederlagen leisten können, die Rebellen aber nicht. Früher oder später, das war klar, würden zudem die kampferprobten römischen Truppen aus Spanien und Kleinasien heimkehren.
Daher schlug Spartacus vor, nach Norden über die Alpen zu ziehen und Italien zu verlassen. Aber er wurde überstimmt. Wahrscheinlich durch die Picentiner Berge zogen die Aufständischen nun in Richtung Ionisches Meer nach Süden. Irgendwo auf dem Weg, die Quellenlage ist für diese Phase des Aufstandes besonders schlecht, wurde auch die Hauptstreitkraft des Varinius besiegt. Am Golf von Tarent eroberten Spartacus’ Truppen mit Thurii erstmals eine Stadt. Bis dahin hatten sie Städte weitestgehend gemieden. Ihr Heer rekrutierte sich nicht aus den vergleichsweise privilegierten urbanen Sklaven, sondern aus den Feldarbeitern und den von Spartacus besonders geschätzten Hirten Süditaliens.
Reihenweise Siege: Nur, wohin wollen die Aufständischen?
Im Frühjahr des Jahres 72 v. Chr. schickte der Senat erneut frische Legionen, um den Aufstand zu beenden. Diesmal wurden sie nicht von Prätoren angeführt, sondern von den Trägern des höchsten Amtes, den beiden Konsuln Lucius Gellius und Gnaeus Cornelius Lentulus Clodianus. Ihnen kam zugute, dass sich die Rebellenarmee in zwei Teile gespalten hatte: Spartacus hatte den größeren Teil überzeugen können, mit ihm den Weg in Richtung Alpen einzuschlagen, während Krixos nach Apulien zog.
Auch die Römer teilten nun ihr Heer: Lentulus Clodianus sollte Spartacus übernehmen und Gellius die Armee des Krixos vernichten. Nahe dem Gargano-Gebirge gelang Gellius ein erster Erfolg: Er überraschte Krixos, der mit dem größten Teil seiner Gruppe im Kampf fiel. Lentulus Clodianus versuchte unterdessen, Spartacus den Weg zu blockieren. Als sich dann auch noch Gellius an die Verfolgung machte, konnte Spartacus den Kampf nicht länger vermeiden – er musste ihn sogar suchen. Es gelang ihm, Lentulus zu besiegen, ehe Gellius eintraf, und anschließend auch dessen Legionen in die Flucht zu schlagen.
Die Verluste auf römischer Seite waren nicht allzu hoch, aber die beiden Gefechte hinterließen dennoch ihre Spuren: Eigentlich gehörte es zur Doktrin der römischen Armee, im Kampf niemals zurückzuweichen. Und nun waren gleich zwei Armeen im Angesicht des Feindes geflohen.
Spartacus demütigte die Römer, indem er zum Gedenken an den gefallenen Krixos gefangene Legionäre als Gladiatoren gegeneinander kämpfen ließ. Spiele anlässlich des Todes eines großen Mannes waren eine alte römische Sitte – um die Moral seiner eigenen Anhänger zu heben, wendete Spartacus diese gegen die Römer. Nun musste er nur noch Oberitalien durchqueren, dann hätten die Rebellen die Alpen erreicht. Bei Modena stellte sich ihm als letztes Hindernis der Statthalter der Provinz Gallia cisalpina entgegen – aber wieder siegte Spartacus. Nun war der Weg zu den Alpen frei. Doch die Rebellen gingen ihn nicht.
Es ist in der Forschung bis heute ein Rätsel, warum Spartacus nach drei weiteren glanzvollen Siegen über römische Legionen umkehrte und erneut nach Süden zog. Türmte sich das Gebirge zu bedrohlich vor ihnen auf? War es Übermut? Unterdessen hatten sich Gellius und Lentulus neu gruppiert und stellten sich den Rebellen erneut entgegen. Wieder wurden sie geschlagen, doch strategisch war Spartacus an einem Nullpunkt angekommen. Nach einem Jahr voller Kämpfe und großer Siege war er wieder im Süden Italiens. Und er wusste: Neue Legionen Roms würden anrücken.
Crassus ist kein genialer Stratege, aber ausgestattet mit Geduld
Mit ihnen kam auch ein neuer Kommandant: Marcus Licinius Crassus, der reichste Mann Roms. Mit den Spezialbefugnissen eines Prokonsuls ausgestattet, zog Crassus nach Süden. Gerissen hatte sich um das Kommando niemand, denn allem Unheil, das Spartacus gebracht hatte, zum Trotz galt der Kampf gegen den Sklaven als keine Aufgabe, mit der viel Ruhm zu gewinnen war. Aber Crassus konnte nicht länger zuschauen, wie sein politischer Konkurrent Pompeius in Spanien Siege und Ehre gewann. Er brauchte ein militärisches Kommando, um seine eigene Karriere voranzutreiben. Zudem hatte er Erfahrung in der Aufstandsbekämpfung vorzuweisen. Die hatte er sammeln können, als sein Vater Statthalter in der Provinz Hispania ulterior gewesen war.
Crassus war kein innovativer, aber ein geduldiger Kommandeur. Auch verfügte er über ausgezeichnete Ortskenntnisse in Süditalien. Dennoch erlitt die Kampagne einen Fehlstart, als die Vorhut unter dem Offizier Mummius entgegen ihren Befehlen Spartacus nicht nur verfolgte, sondern angriff. Abermals flohen mehrere Einheiten, woraufhin Crassus zur härtesten Disziplinierungsmaßnahme des römischen Heeres griff. An den ersten 500 Geflohenen statuierte er ein Exempel: Per Los wurde einer von zehn Soldaten ausgewählt. Die anderen neun mussten ihn töten. Beim nächsten Aufeinandertreffen mit den Rebellen hielten die Truppen stand. In blutigen Kämpfen trieb Crassus Spartacus in die Enge. Auf der Suche nach einem Ausweg zog dieser sich bis an die Straße von Messina zurück.
Die Straße von Messina zwischen Sizilien und dem italienischen Festland misst an ihrer schmalsten Stelle nur drei Kilometer, doch gerade im Winter ist die Meerenge schwer zu befahren. Spartacus fand dennoch einige kilikische Piraten, die sich bereit erklärten, einen Teil seiner Kämpfer auf die Insel überzusetzen. Einzige Bedingung war eine Bezahlung im Voraus. Aber die Piraten betrogen Spartacus und segelten ohne seine Kämpfer ab.
Währenddessen blockierte Crassus die einzige Passstraße, die von der Stiefelspitze Italiens wieder hinunterführte. Angeblich ließ er seine Soldaten eine gewaltige Mauer bauen, um den Gebirgsübergang zu blockieren. Doch nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang einem Teil von Spartacus’ Heer in einer stürmischen Nacht der Durchbruch.
Der Senat verlor nun die Geduld und rief Pompeius aus Spanien zurück in die Heimat. Crassus brauchte daher einen schnellen Erfolg. Die Nachricht von Pompeius’ anstehender Rückkehr erreichte unterdessen auch Spartacus und seine Anhänger. Erneut verlor er einen Teil seiner Mitstreiter: Nach der fehlgeschlagenen Sizilien-Idee setzte sich ein Teil der Gruppe unter Castus und Cannicus ab, um eigene Pläne zu verfolgen.
Plutarch zufolge sollen sich im März des Jahres 71 v. Chr. zwei Frauen aus dieser zweiten Rebellenarmee ein Stück von der Truppe entfernt haben, um ein religiöses Ritual zu vollziehen. Bei ihrem Ausflug entdeckten sie in unmittelbarer Nähe des eigenen Lagers 6000 Mann der Crassus-Armee. Zwar konnten die Frauen noch Alarm schlagen, aber es war zu spät. Erst in letzter Sekunde tauchte nach Crassus’ Hauptstreitkraft auch Spartacus mit seinen Kämpfern auf dem Schlachtfeld auf, um die Vernichtung der Rebellen zu verhindern. Doch erneut teilten diese ihre Kräfte; bei der nächsten Schlacht war Spartacus nicht mehr zur Stelle, um Castus und Cannicus zu retten.
Nach Angaben des Geschichtsschreibers Appian versuchte Spartacus nun, nach Brundisium (heute Brindisi) in Apulien zu gelangen, erfuhr aber unterwegs, dass der römische Feldherr Marcus Terentius Varro Lucullus von Kämpfen aus Thrakien zurückgekehrt und genau dort mit seinen Truppen gelandet war. Um nicht in dessen Arme zu laufen, sei Spartacus’ Armee umgekehrt. Folgt man hingegen den Angaben von Plutarch, so versuchte Spartacus nicht länger, seinem Schicksal zu entkommen, sondern stellte sich dem Heer des Crassus. Plutarch berichtet weiter, dass Spartacus vor seiner letzten Schlacht demonstrativ sein Pferd getötet habe, mit der Begründung, dass er hinterher entweder keinen Mangel an Pferden haben oder keines mehr brauchen werde. Er habe dann versucht, den römischen Feldherrn selbst anzugreifen.
Den gegnerischen Feldherrn töten – ein fast chancenloses Unterfangen
Spartacus’ Attacke auf Crassus wurde zu einem legendären Moment der antiken Kriegsgeschichte. Mit eigener Hand den gegnerischen Anführer zu töten galt im römischen Denken als höchste Leistung eines Feldherrn. Nur drei Männern soll dies je gelungen sein, darunter Romulus selbst. Und natürlich kam Spartacus nicht einmal in die Nähe von Crassus. Nach Plutarch soll der Thraker zwei Zenturios getötet haben, ehe er selbst niedergemacht worden sei.
Über den Rest der Schlacht ist wenig bekannt. Dass einem Teil der Rebellen die Flucht gelang, ist hingegen belegt. Crassus verbrachte noch einige Zeit mit dem Aufspüren versprengter Haufen, und auch Pompeius bekam etwas vom Ruhm ab, als er in der Toskana einen Rest der Spartacus-Armee vernichtete.
Demonstrativ ließ Crassus 6 000 gefangene Sklaven an der vielgenutzten Straße von Rom nach Capua kreuzigen. Die brutale Massenhinrichtung war eine teure, aber aufsehenerregende PR-Maßnahme, die Crassus mit Blick auf seine Karriere aus eigener Tasche bezahlte. Dennoch hatte er in den Augen Roms nur eine Sklavenarmee besiegt. Während Pompeius für seine Kampagne in Spanien einen Triumphzug feiern durfte, musste Crassus am Ende mit einer weniger prunkvollen, ovatio genannten Militärparade vorliebnehmen.
Autor: Felix Melching
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