Die Tabellen enthalten – mit unter anderem einer 30stelligen Zahl – die längsten Zahlen, die bislang in einem antiken Textdokument entdeckt wurden. Die Rekonstruktion der Tabellen gelang Mathieu Ossendrijver mit Hilfe einer Computer-Analyse. Die auf den Fragmenten festgehaltenen mathematischen Operationen zeigen, dass die Rechenvirtuosität der babylonischen Mathematiker größer war als bisher angenommen: „Die Mathematik war nicht nur eine Hilfswissenschaft für die Astronomie, sondern eine selbstständige Disziplin mit eigenen Forschungszielen“, sagt Ossendrijver.
In beiden entschlüsselten Tabellen wird eine Anfangszahl so lange durch ihre Faktoren dividiert, bis die Zahl 1 erreicht ist. Im Unterschied zum heute meist verwendeten Dezimalsystem (Zehner-System) lag der babylonischen Mathematik ein Sexagesimalsystem zugrunde, das auf der Grundzahl 60 beruht – ähnlich wie unsere Stundeneinteilung in Minuten und Sekunden.
Über den Zweck der Tabellen kann noch keine endgültige Aussage gemacht werden. Eine praktische Bedeutung für Astronomie oder Verwaltung könne jedoch ausgeschlossen werden. Ihr Zweck müsse vielmehr in der gelehrten Mathematik gesucht werden. Die Wissenschaftsgeschichte der Antike ist ein Schwerpunkt des Exzellenzclusters Topoi, einem Forschungsverbund von Freier Universität und Humboldt-Universität in Kooperation mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Deutschen Archäologische Institut und dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte.





