Das Carwitzer Haus war ein eigenes Heim, „in dem wir die Tür zumachen können und die Welt draußen sein lassen können, was sie will“, so schrieb Fallada seinen Eltern. Diese scheinbare Idylle war aber bedroht: dadurch, dass der Schriftsteller von den Nationalsozialisten zeitweise zum unerwünschten Autor erklärt wurde und versuchen musste, sich mit dem Regime zu arrangieren; und weil das Ehepaar sich zunehmend auseinanderlebte, obwohl Anna Ditzen eigentlich der Ruhepol im Leben Falladas war. 1944 wurden sie geschieden. Anna Ditzen lebte noch bis 1965 im Haus am See und verkaufte es dann.
Das Anwesen im auch heute noch beschaulichen Dorf Carwitz lässt die Atmosphäre der 1930er Jahre erahnen. Vom ursprünglichen Interieur waren nur wenige Stücke erhalten geblieben, darunter im zentralen Arbeits- und Wohnzimmer Bücherregale und Kastenschränke sowie die Tischlampe. Einzelne Möbel, so der Schreibtisch, wurden nachgebaut. 2015 konnte der originale Telefunken-Phonoschrank Falladas angekauft werden. 1995 hatte die Hans-Fallada-Gesellschaft den Museumsbetrieb aufgenommen. Seither wurden die Räume des Hauses saniert und weitgehend originalgetreu rekonstruiert. In der zum Ensemble gehörenden Scheune bietet das Museum Veranstaltungen an. Dort residiert auch das Hans-Fallada-Archiv.
Die Außenanlagen, zum Beispiel das große Dreiecksbeet von der Veranda in Richtung Seeufer, das Anna Ditzen angelegt hatte, erinnern an die Gartenbegeisterung der Ditzens. Und das Bootshaus ist seit 2010 wieder im Originalzustand zu besichtigen.
Beim Rundgang durch das Erdgeschoss folgen dem großen Wohn- und Arbeitszimmer die Veranda, das Esszimmer und die Küche. Im Obergeschoss befinden sich das Elternschlafzimmer (mit der Ausstellung „Leben und Werk“; dazu zählt auch eine Vitrine mit den Erstausgaben der Bücher) und das Kinderzimmer „Mückes“ (mit der Ausstellung „Hans Fallada als Kinderbuchautor“). Im Balkonzimmer logierten die Gäste, darunter Falladas Verleger und Freund Ernst Rowohlt. Heute sind dort Filme über Leben und Werk des Autors zu sehen.
In Carwitz entstanden viele Bücher Falladas, zum Beispiel „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“ (1934). Darin verarbeitete der Autor seine Erlebnisse aus dem Gefängnis – er war als junger Mann zweimal wegen Unterschlagung inhaftiert gewesen. Auch sein letztes Meisterwerk „Wolf unter Wölfen“, eine Geschichte aus dem Inflationsjahr 1923, schrieb er dort. Und sein erfolgreichstes Kinderbuch „Geschichten aus der Murkelei“ trug ebenfalls den Carwitz-Stempel: Zum Ausgleich für seine notorische Gereiztheit während seiner Schreibphasen erzählte er seinen Kindern selbst erdachte Geschichten – die später ein Millionenpublikum faszinierten.





