Münzer zeigt großes Interesse am Wirtschaftsleben
Es gibt andere Reiseberichte des 15. Jahrhunderts, aber Münzers Itinerarium bietet besondere Auswertungsmöglichkeiten: Man kann Münzers Verwurzelung in der Nürnberger Wissens- und Wirtschaftsgesellschaft zu seinen Reisenotizen in Beziehung setzen. Nicht nur Wahrheitssuche oder Flucht vor der Pest motivierten ihn zur Reise, sondern reges Interesse an den Besonderheiten der einzelnen Länder – zwei Jahre nach dem Epochenjahr 1492, das die Fahrt des Christoph Kolumbus, die Eroberung Granadas, des letzten muslimischen Reichs auf der Iberischen Halbinsel, sowie die Judenvertreibung in Spanien verzeichnete.
Durch seine Ehe wurde Münzer mit dem Nürnberger Wirtschaftsleben vertraut. Wir kennen zudem nicht nur den Bestand seiner Bibliothek, sondern wissen auch von seiner Unterstützung Hartmann Schedels, des Autors der „Weltchronik“, oder von seinem Austausch mit Martin Behaim, der 1492 seinen „Weltapfel“(Globus) fertigstellte. Vor diesem Hintergrund gab Münzer in seinem Reisebericht Distanzen nach Meilen an, beschrieb Landschaften, suchte den Kontakt zu deutschen Händlern im Ausland und kommentierte viel Politisches und Fremdes.
So berichtet Münzer in Alicante nicht nur über die Handelsströme und den „Alakantwein“, sondern auch über die Fertigung von Rosinen: „Es gibt in einem Tal des Küstenbereiches, das von Sarazenen bewohnt wird, Rosinen in solch großen Mengen, dass jedes Jahr etwa 10 oder 15tausend Zentner nach ganz Europa exportiert werden. Man bereitet diese auf folgende Art und Weise: Im August, wenn die Früchte und Trauben reif sind, setzen die Sarazenen eine Lauge aus der Asche von Weinstöcken und anderen kleinen Bäumen an; sie lassen diese 8 Tage lang in einem Gefäß ruhen. Schließlich sieden sie diese in einem großen Topf, und mit einem eisernen, durchlöcherten Schöpflöffel führen sie die Trauben in die siedende Lauge ein. Alles Verfaulte der Früchte wird durch die Lauge absorbiert und bleibt nicht in den Früchten. Sie nehmen die Früchte heraus und legen sie 8 oder zehn Tage lang auf Binsenmatten zum Trocknen in die Sonne; schließlich füllen sie diese in Gefäße oder Kiepen aus Espartogras und verkaufen sie.“
In Portugal faszinierten ihn die neuen Welten, nicht zuletzt hatte wenige Jahre zuvor Martin Behaim hier gelebt. Münzer traf auch den portugiesischen König. Vielleicht handelte er bei diesen Gesprächen – wie später bei Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón – im Auftrag des römisch-deutschen Königs Maximilian I. In Portugal sah Münzer die Produkte, die mit neu erkundeten Ländern gehandelt wurden: „Wir sahen viele Tücher in verschiedenen Farben, die der König aus Tunis herbringen ließ, ebenso Teppiche, Leinwand, Kupferkessel, Schüsseln, Rosenkränze aus Zitronenkernen und aus Glas … In einem anderen Gebäude erblickten wir dann, was sie aus Äthiopien herbeibringen: Paradieskörner [Pfeffersorte] … und weiterhin Elefantenzähne. Alles Gold wurde nun zu Geld geprägt: Es wird als geschmolzenes und zubereitetes Gold gebracht.“





