Der Tag des offenen Denkmals fand in Deutschland erstmals 1993 statt. Damit folgten die Organisatoren einer Idee, die ihren Ursprung bereits 1984 in Frankreich hatte. 1991 wurde das Projekt vom Europarat aufgenommen. Im Rahmen der „European Heritage Days“ richten seitdem jedes Jahr im Herbst – meist im September – nahezu 50 europäische Staaten ihre nationalen Denkmaltage aus. 1999 wurden europaweit insgesamt 19,4 Millionen Besucher gezählt. Auch in Deutschland erfreut sich der mittlerweile fest etablierte Tag des offenen Denkmals einer großen Beliebtheit. In den vergangenen Jahren nahmen stets rund vier Millionen Interessierte an den Veranstaltungen und Führungen teil. Das vielseitige Angebot steht dabei seit 1999 jedes Mal unter einem bestimmten Motto. Dieses kann wie in diesem Jahr ein allgemeiner thematischer Oberbegriff sein (2010: Bewegung, 2009: Genuss, 2005: Krieg und Frieden, 1999: Europa), teilweise orientiert sich das Motto aber auch am ursprünglichen Zweck oder der konkreten Funktion der Gebäude und Denkmale (2007: Sakralbauten, 2006: Gärten und Parks, 2002: Straßen, Plätze und Ensembles).
Durch die wechselnden Schwerpunktthemen gewinnen konventionelle Denkmale wie Schlösser, Festungen und Kirchen neue Attraktivität, da man sie immer wieder mit anderen Fragestellungen betrachten kann. Doch auch bislang unbekannte Kulturgüter können anhand des jeweiligen Mottos der Öffentlichkeit vorgestellt werden. 2010 wird durch das Thema „Kultur in Bewegung“ vor allem Bahnhöfen, Kaufmannshäusern, Häfen oder alten Handelsstraßen besondere Aufmerksamkeit zuteil. Interessierte können beispielsweise an einer Fahrt in historischen Reisewagen einer Dampflok in Altenkirchen (Westerwald) teilnehmen, auf der römischen Heerstraße Via Belgica im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg wandern oder sich auf Nachbildungen historischer Postkutschen durch Langenfeld im Kreis Mettmann fahren lassen. Begleitet und geführt werden sie von Historikern, Archäologen, anderen fachkundigen Referenten oder den heutigen Eigentümern der Gebäude. Im ältesten Wallfahrtsort Bayerns, dem Benediktinerkloster Andechs (Kreis Starnberg), führen sogar die Mönche selbst durch das 1850 als Wirtschaftsgut der Münchener Abtei St. Bonifaz wiedererrichtete Kloster. Auch hier orientiert man sich am diesjährigen Motto des Denkmaltags und widmet sich neben der Klosterbrauerei, der eigenen Brennerei und dem Klostergarten vor allem dem Aspekt der Wallfahrt. In Berlin lockt ein wesentlich jüngeres Denkmal die Besucher in den Stadtteil Tempelhof: In dem durch die Berliner Luftbrücke 1948/49 berühmt gewordenen und vor zwei Jahren stillgelegten Flughafen finden Führungen durch die Empfangshalle und die umfangreichen, sonst nicht zugänglichen unterirdischen Anlagen statt. Die Veranstaltungen am Tag des offenen Denkmals in Deutschland sind überwiegend kostenfrei. Kaffee und Kuchen sorgen an vielen Orten für eine Verstärkung am Nachmittag.





