Bisher stand die Flugzeugtechnik im Zentrum der historischen Forschung – Thomas Kirstein hat sich nun hingegen erstmals intensiv der Untersuchung der Kulturgeschichte der Passagierluftfahrt gewidmet. Dazu hat er umfangreiches Archivmaterial von Fluggesellschaften und Flugzeugherstellern, Reiseberichte und zeitgenössische Fachzeitschriften ausgewertet. Seine Ergebnisse geben nun interessante Einblicke in die frühe Entwicklung des Transportsystems, das unsere heutige Zeit so stark prägt.
Wie er berichtet, stand Deutschland bei der Passagierluftfahrt in Europa am Anfang: Im Februar 1919 wurde zwischen Berlin-Johannisthal und Weimar – dem Tagungsort der Deutschen Nationalversammlung – der erste Linienflugverkehr mit Möglichkeit zur Passagiermitnahme eingerichtet. „Am 5. Februar 1919 startete die erste Maschine, allerdings wurden an diesem Tag vermutlich nur Post und Zeitungen transportiert. Das Gros der Flüge erfolgte ohne Passagiere und bislang ist ungeklärt, an welchem Tag der erste Passagier mitflog. Bis Ende Februar 1919 erfolgten rund 80 Flüge, auf denen aber nur 19 Passagiere befördert wurden“, sagt Kirstein. Fast zeitgleich entwickelte sich dann auch in mehreren anderen Ländern der Passagierflugverkehr. Lange Interkontinentalstrecken schafften Flugzeuge allerdings erst in den 1930er-Jahren.
Am Anfang war es laut, kalt und abenteuerlich
Wie Kirstein berichtet, handelte es sich bei den ersten Passagierflugzeugen um umfunktionierte Militärmaschinen, die im Ersten Weltkrieg entwickelt worden waren. Entsprechend wenig Komfort hatten sie zu bieten. In den engen, lauten und unbeheizten Kabinen hatten maximal zehn Personen Platz. Die Flüge fanden nur am Tag statt, denn ohne technische Navigationshilfen mussten sich die Piloten bei der Steuerung des Flugzeugs noch auf die Bodensicht verlassen. „Notlandungen waren an der Tagesordnung. Die Lufthansa, die 1926 gegründet worden war, verzeichnete noch um 1930 jährlich über 100 ‚Außenlandungen‘, wie diese Notlandungen verschleiernd umschrieben wurden“, sagt Kirstein.
Da Flüge anfangs nur bei Tageslicht möglich waren, mussten Fernreisende nachts in Schlafwagen der Eisenbahn umsteigen. „Reisen von Paris nach Moskau dauerten so 30, von New York nach Los Angeles 48 Stunden“, sagt Kirstein. Erst ab 1926 gab es dann auch Nachtflüge: Die erste Passagier-Nachtflugstrecke verband Berlin und Königsberg. Anschließend entwickelten sich auch die Leistungen in dieser Sparte: Ab 1934 boten amerikanische Nachtmaschinen bereits Betten.
Passagiere kamen auf die Waage






