Richard Engl, Die verdrängte Kultur. Muslime im Süditalien der Staufer und Anjou (12. – 13. Jahrhundert). Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2020, 392 Seiten, € 50,–.
gen allenfalls eine untergeordnete Rolle bei der Verdrängung der Muslime und ihrer Kultur in Süditalien spielten. Auch veranschaulicht er im Spiegel der Quellen und gestützt auf soziale Netzwerkanalysen, dass „die Muslime“ keineswegs eine homogene Gruppe bildeten. Graphiken und ein höchst informativer Anhang veranschaulichen die Analyseergebnisse in überzeugender Weise. Das recht kleine Format der graphischen Darstellung trübt allerdings leider ein wenig die Benutzerfreundlichkeit. Differenziert beschreibt Engl eine große Vielfalt in der Ausgestaltung interreligiöser Kontakte
von Muslimen und Christen, die sich zwischen Kooperation und Konflikt bewegten. Pluralität prägte aber auch die Handlungsstrategien verschiedener muslimischer Interessengruppen auf der politischen Bühne. So konstatiert der Autor beispielsweise, dass die Umsiedlung sizilischer Muslime auf das süditalienische Festland in den 1220er Jahren vor allem darauf abzielte, künftige Versuche herrschaftsgefährdender Emanzipationsbestrebungen – wie die Gründung eines eigenständigen Emirats auf der Insel – zu unterbinden. Innermuslimische Konflikte werden ebenfalls beschrieben: Die Lebensverhältnisse der muslimischen Umsiedler in Apulien, die auch künftig eine politische, wirtschaftliche und militärische Rolle unter staufischer Herrschaft spielten, gestaltete sich besser als die ihrer in Sizilien verbliebenen Glaubensgenossen. Der jähe Untergang des muslimischen Lucera im Jahr 1300 etwa war wohl insbesondere dem Umstand geschuldet, dass „eine Clique muslimischer Ritter mit königlichem Rückhalt“ ihre Stellung verstetigt hatte und zur eigenen Bereicherung ausnutzte. Der Unmut ihrer weniger privilegierten Glaubensgenossen entlud sich schließlich in Unruhen. Daraufhin schritt der angevinische König, Karl II. von Neapel, ein und ließ das muslimische Lucera vernichten. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Andererseits hatten die muslimischen Ritter bis dahin durchaus eine Brücken- und Vermittlerfunktion zwischen ihren übrigen Glaubensgenossen und den herrschenden Christen erfüllt. Es gehört somit zu den Stärken der Untersuchung, die ambivalente Stellung dieser muslimischen Elite und ihre Entwicklung durch einen exemplarischen Blick auf einzelne Akteure pointiert darzustellen. Fazit: Engl ist es mit seiner sorgsam recherchierten, lesenswerten Studie gelungen, einen Meilenstein für die weitere Erforschung dieses hochspannenden Themenfelds zu setzen. Prof. Dr. Kay Peter Jankrift
Komplexität des Krieges Kaum etwas prägt die Geschichte der Menschheit so sehr wie das kontinuierlich bestehende und (leider) stets wiederkehrende Phänomen Krieg. Äußerst facettenreich blickt der von dem in den USA lehrenden Militärhistoriker Bruno Cabanes herausgegebene Sammelband in über 60 Beiträgen internationaler Experten und Expertinnen auf das Thema, vom 19. Jahrhundert bis heute.





